Mühlacker
Mühlacker -  30.07.2020
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Helikopter-Wahnsinn: Kinder an der Leine - ein neuer Trend?

Ich als Landei und Dorfkind bin ja immer wieder überrascht, was man „in der Stadt“ so alles zu Gesicht bekommt. Vieles macht einen traurig, einiges auch mal neidisch – und oftmals traue ich meinen Augen kaum. So erging es mir neulich in Mühlacker, als ich die Bahnhofsstraße entlangschlenderte. Ich war mit Kollegen ins Gespräch vertieft, als mein Blick auf ein Kind fiel, das angeleint war. Am anderen Ende: eine Frau, vermutlich die Mama. Eigentlich wollte ich sie ansprechen, doch ich war zu perplex und fragte mich, was das arme Kind wohl haben könnte, das es an die Leine muss.

Ein Kind an der Leine. Ist das ein neuer Trend im Zeitalter der Helikopter-Erziehung, der – wie so viele – an PZ-Redakteurin Miriam Schrader vorbei ging? Foto: PZ/Adobe Stock
Ein Kind an der Leine. Ist das ein neuer Trend im Zeitalter der Helikopter-Erziehung, der – wie so viele – an PZ-Redakteurin Miriam Schrader vorbei ging? Foto: PZ/Adobe Stock

Eine Kolumne von Miriam Schrader

Vergangene Woche nun waren wir im Allgäu. Da ist die Welt ja eigentlich noch in Ordnung. Auf dem Weg durch die schöne steile Starzlachklamm begegneten uns natürlich viele andere Touristen. Und wieder: ein Kind an der Leine. Ist das ein neuer Trend im Zeitalter der Helikopter-Erziehung, der – wie so viele – an mir vorbei ging?

Anzeige

Grundsätzlich bin ich ja ein totaler Fan der Leine. Allerdings nicht, wenn es um die lieben Kleinen geht, sondern im Falle freilaufender Hunde, bei deren Anblick ich grundsätzlich nervös werde. Kinder verwandeln sich ja aber auch nicht von jetzt auf gleich in Bestien, springen an einem hoch, oder lecken dir voller Freude das Gesicht ab.

Inzwischen habe ich mir sagen lassen, dass „Leinenkinder“ nichts Neues sind. Einer Bekannten – um die 60 Jahre alt und selbst zweifache Mutter – meinte sogar, zu ihrer Zeit hätte man das viel öfter gesehen als heute. Es sei wohl recht praktisch, wenn man das Kind vor Gefahren im Straßenverkehr schützen will – oder eben beim Wandern vor dem Abstürzen. Auch kann das Kind so natürlich schlecht wegrennen.

Und wenn doch, wie wird das dann konkret gehandhabt? Zieht man an der Leine und schleift das Kind zurück? Gibt es für Kinderleinen auch so einen integrierten Stopper – und wann darf man die lieben Kleinen auch mal an der langen Leine lassen?

Ach ja, da bin ich doch wieder einmal froh, auf dem Land zu leben: kaum Verkehr, wenig Menschen, Kinder können sich frei bewegen. Wären da nur nicht die vielen freilaufenden Hunde, die wegen mir gerne an die Leine dürfen.

PZ-Redakteurin Miriam Schrader ist Mutter einer dreijährigen Tochter und arbeitet Teilzeit in der Mühlacker Redaktion. In ihrer Kolumne berichtet sie mal kritisch, mal mit einem Augenzwinkern von ihren Erfahrungen mit den lieben Kleinen – und erzählt dabei auch von den Dingen, die sie auf die Palme bringen. Meinungen und Anregungen gerne per Mail an miriam.schrader@pz-news.de

Autor: mim