Mühlacker
Mühlacker -  28.05.2026
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Nach Käppele-Aus: Mühlacker ringt um freie Hallenzeiten

Mühlacker. Die Schließung der Käppele-Turnhalle verschärft die Lage für Schulen und Vereine. Im Gemeinderat ging es um knappe Kapazitäten, Sorgen um weitere Hallen – und ein neues digitales Buchungssystem.

Die Käppele-Turnhalle in Mühlacker soll nach den Sommerferien dauerhaft geschlossen werden. Massive Schäden an der Bausubstanz machen einen weiteren Betrieb nach Angaben der Stadt langfristig unmöglich. Rose
Die Käppele-Turnhalle in Mühlacker soll nach den Sommerferien dauerhaft geschlossen werden. Massive Schäden an der Bausubstanz machen einen weiteren Betrieb nach Angaben der Stadt langfristig unmöglich. Rose Foto: Rose

Nach der angekündigten Schließung der maroden Käppele-Turnhalle wächst in Mühlacker die Sorge um die Zukunft weiterer Sporthallen. Im Gemeinderat entwickelte sich deshalb eine Debatte über knappe Hallenkapazitäten, Transparenz bei der Belegung und die Folgen für Schulen und Vereine. Ausgangspunkt war ein Antrag der SPD-Fraktion zur „optimierten, bedarfsgerechten und fairen Nutzung der städtischen Sporthallen“. Die Sozialdemokraten hatten unter anderem eine Übersicht über Hallenbelegungen, mehr Transparenz bei der Vergabe und digitale Buchungssysteme gefordert. Die Verwaltung lehnte zentrale Teile jedoch ab.

Hoher Abstimmungsbedarf

Johanna Bächle, Leiterin des Amts für Bildung und Kultur, verteidigte das bisherige Vorgehen deutlich. Die Verwaltung suche gemeinsam mit den Vereinen nach den bestmöglichen Lösungen. Eine detaillierte Übersicht aller Hallenbelegungen bezeichnete sie allerdings als enormen Aufwand – und zugleich als wenig sinnvoll. Die Daten hätten nur eine „Halbwertszeit von ein paar Wochen“, weil sich Belegungen ständig änderten.

Anpassungen würden regelmäßig gemeinsam mit Vereinen abgestimmt. Gerade wegen der angespannten Hallensituation gebe es derzeit besonders großen Abstimmungsbedarf. Bächle dankte den Vereinen ausdrücklich für ihre „große Kompromissbereitschaft“ und die gegenseitige Rücksichtnahme.

Digitales System geplant

Zugleich kündigte die Verwaltung an, die Hallenbelegung zu digitalisieren. Eine entsprechende Software werde derzeit getestet und könnte nach den Sommerferien eingesetzt werden. Allerdings werde die Verwaltung weiterhin die Steuerung übernehmen. „Nur wir haben den Überblick über die Rahmenbedingungen“, sagte Bächle. Zu berücksichtigen seien etwa Veranstaltungen, Reinigungen, Wartungen oder Großereignisse wie der Mahle-Lauf.

Oberbürgermeister Stephan Retter verwies zusätzlich auf neue Herausforderungen durch den schrittweise eingeführten Rechtsanspruch auf Ferienbetreuung an Grundschulen. Dafür würden künftig teilweise ebenfalls Hallenkapazitäten benötigt.

„Das ist ein sich ständig verändernder Prozess“, sagte Retter.

SPD fordert mehr Transparenz

Die SPD verteidigte ihren Antrag dennoch. Fraktionsmitglied Paul Renner betonte, man wolle der Verwaltung nichts unterstellen und auch nicht in operative Entscheidungen eingreifen. Allerdings würden Gemeinderäte regelmäßig von Vereinen auf Engpässe angesprochen.

„Uns geht es um Transparenz“, sagte Renner.

Wenn über Auslastung, Engpässe und faire Verteilung gesprochen werde, brauche der Gemeinderat eine Datengrundlage.

Rückendeckung erhielt die Verwaltung dagegen von anderen Fraktionen. Freie-Wähler-Fraktionschef Rolf Leo verwies auf die ohnehin schwierige Gesamtsituation durch Sanierungen und Hallenausfälle. „Die letzte Gerechtigkeit werden wir nie finden“, sagte er. CDU-Fraktionsvorsitzender Günter Bächle bezeichnete den SPD-Vorstoß als „unnütz“ und „nicht zielführend“. Eine solche Übersicht wäre aus seiner Sicht vor allem eine Verschwendung von Verwaltungskapazitäten.

Bürger sorgen sich um Hallen

Auch aus der Bürgerschaft kamen Fragen zur Zukunft der Hallen. Ein Zuhörer aus Dürrmenz, der dem Elternbeirat des Theodor-Heuss-Gymnasiums angehört, erkundigte sich nach möglichen Risiken für die Enztal-Sporthalle und das Sportprofil der Schule. Bürgermeister Armin Dauner versuchte zu beruhigen. Zwar müssten nach und nach alle Hallen untersucht werden.  „Ich bin aber ohne Sorge, dass bei der Halle substanzielle Schäden gefunden werden“, sagte er mit Blick auf die Enztal-Sporthalle. Sanierungsbedarf gebe es zwar, etwa beim Hallenboden. Kurzfristige Schließungen stünden aber nicht im Raum. Der Unterricht am Gymnasium könne weiterhin stattfinden.

Auch die Idee, die alte Feuerwache für kleinere Sportgruppen zu nutzen, erteilte Dauner eine Absage. Das Gebäude werde inzwischen vollständig für die Flüchtlingsunterbringung genutzt. Gleichzeitig wolle die Stadt mittelfristig Unterkünfte im Falkenweg räumen, weil die Situation dort „unzumutbar“ sei. Freie Kapazitäten für eine andere Nutzung der Feuerwache gebe es deshalb nicht.

Der SPD-Antrag wurde schließlich mehrheitlich abgelehnt. Klar wurde in der Diskussion jedoch vor allem eines: Mit der Schließung der Käppele-Turnhalle dürfte sich die ohnehin angespannte Hallensituation in Mühlacker weiter verschärfen.