Mühlacker
Mühlacker -  16.01.2026
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Neustart nach dem Feuer: Schreinerei aus Knittlingen findet Zuflucht in Mühlacker

Mühlacker/Knittlingen. Es wird gesägt und geschliffen, der Geruch von frischem Holz liegt in der Luft. In der Werkstatt des Mühlacker Betriebs Holz Heinzelmann wird gearbeitet – nicht nur vom dort angestellten Personal, sondern auch von Mitarbeitern der Ende November abgebrannten Schreinerei aus Knittlingen. Die drei Inhaber der Holzwerkstatt Störrmühle, Patrick Streit, Tobias Dobler und Samuel Kraus sitzen währenddessen zusammen in einem kleinen Büro. An den Maschinen stehen sie derzeit kaum. Dafür fehlt im Moment die Zeit.

Patrick Streit (links) und Tobias Dobler arbeiten am neu angeschafften Leimständer, der für den Betrieb zur Massivholzbearbeitung essenziell ist. rose
Patrick Streit (links) und Tobias Dobler arbeiten am neu angeschafften Leimständer, der für den Betrieb zur Massivholzbearbeitung essenziell ist. rose Foto: Rose

Seit Anfang Januar ist der Betrieb nach dem Großbrand im November provisorisch in Mühlacker untergekommen. Bereits vor Weihnachten habe man sich ein wenig eingerichtet, seit dem 7. Januar laufe die Produktion in eingeschränktem Umfang wieder an, sagt Streit. Während ihre Mitarbeiter sägen, schleifen und hobeln, kümmern sich die Inhaber um Organisation, Abstimmung und offene Fragen. „Wir müssen im Moment vor allem schauen, dass alles funktioniert“, sagt Dobler. Gearbeitet wird unter deutlich veränderten Bedingungen. Die Werkstatt in Mühlacker ist vor allem auf Plattenmaterial ausgerichtet, während der Knittlinger Betrieb auf Massivholz spezialisiert ist. Entsprechend müssten Abläufe angepasst und manche Arbeiten neu organisiert werden. „Man merkt erst in so einer Situation, wie sehr eine Werkstatt auf die eigene Arbeitsweise zugeschnitten ist“, sagt Dobler. Um Aufträge nach und nach abzuarbeiten, wurden einzelne Investitionen getätigt. Dazu zählt unter anderem der Kauf eines Leimständers, der für die Massivholzverarbeitung notwendig ist. „Das war für uns eine der wichtigsten Anschaffungen“, sagt Dobler. Massivholz bleibe der Kern des Betriebs, betont er. „Das ist aufwendig und teuer – aber genau dafür stehen wir.“

Parallel zur Rückkehr in einen eingeschränkten Arbeitsalltag läuft ein hoher organisatorischer Aufwand. „Das machen wir zurzeit mehr als arbeiten“, sagt Streit. Viele Fragen ließen sich noch nicht beantworten.

„Solange wir nicht wissen, was die Versicherung nach dem Feuer übernimmt, bleibt vieles offen“,

sagt er.

Wie es langfristig weitergeht, ist bislang noch unklar. Der Wiederaufbau am bisherigen Standort wird angestrebt, hängt jedoch von Versicherungsleistungen, Genehmigungen und dem noch ausstehenden Abschlussbericht zur Brandursache ab. „Erst dann kann der Architekt konkret planen“, sagt Dobler. Auch Größe und Umfang eines möglichen Neubaus seien derzeit nicht absehbar. „Wir wissen noch nicht, in welchem Rahmen wir denken können“, ergänzt Streit.

Große Unterstützung erfahren die drei Inhaber durch den Gastgeberbetrieb. Die Entscheidung zu helfen sei bewusst gefallen, betont Geschäftsführer Matthias Fleig. „Als wir von dem Brand gehört haben, war sofort klar, dass wir helfen wollen. Das bewegt einen als Unternehmer“, sagt er. Ausschlaggebend sei nicht nur der freie Platz in seiner Werkstatt gewesen, sondern auch die Knittlinger Schreinerei selbst.

„Das ist ein hoch spezialisierter Massivholzbetrieb, nichts von der Stange“,

sagt Fleig.

Zudem habe der persönliche Eindruck eine große Rolle gespielt. „Man merkt schnell, wie jemand arbeitet, wie er mit Kunden umgeht – da hat einfach alles gepasst“. Die eigene Mühlacker Schreinerei habe sich in den vergangenen Jahren verkleinert, einzelne Bereiche seien nicht mehr ausgelastet gewesen. Dass den Knittlingern ein weitreichender Vertrauensvorschuss eingeräumt wurde, sei für ihn selbstverständlich gewesen. „In so einer Situation muss man sich aufeinander verlassen können.“ Auch von Kundenseite gebe es Verständnis, sagt Kraus. Wegen laufender Aufträge werde kein Druck gemacht. Die Solidarität sei weiter spürbar, auch wenn die Spendensumme zuletzt nur noch langsam gestiegen sei.

Für Streit, Dobler und Kraus bleibt der Alltag dennoch von Unsicherheit geprägt. Wenngleich sie trotz aller offenen Fragen den Blick nach vorne richten. „Aufgeben war für uns nie eine Option“, sagt Streit. Das hat auch familiäre Gründe: „Mein Sohn will den Betrieb weiterführen“, sagt Dobler. Das gebe ihm zusätzlichen Antrieb. Bis dahin bleibt die Schreinerei vorerst auf Übergangslösungen angewiesen – mit dem Ziel, Schritt für Schritt handlungsfähig zu bleiben.