Mühlacker
Mühlacker -  12.08.2026
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Risse, Kritik, offene Fragen: So lief der letzte Rundgang durch die Käppele-Halle in Mühlacker

Mühlacker. 40 bis 50 Menschen wollen die marode Mühlacker Turnhalle noch einmal sehen. Vor Ort zeigt die Stadt die Schäden – und muss sich kritischen Fragen zur Schließung und zum geplanten Abriss stellen.

Zwischen 40 und 50 Menschen nutzen am Dienstagnachmittag die Gelegenheit, die marode Halle noch einmal zu besichtigen und sich ein Bild von den Schäden zu machen.
Zwischen 40 und 50 Menschen nutzen am Dienstagnachmittag die Gelegenheit, die marode Halle noch einmal zu besichtigen und sich ein Bild von den Schäden zu machen. Foto: Rose

Für die einen ist es ein letzter Blick auf einen Ort, mit dem viele Erinnerungen verbunden sind. Andere kommen mit kritischen Fragen – und machen aus ihrem Unmut über die Schließung keinen Hehl. Zwischen 40 und 50 Menschen haben am Dienstagnachmittag die Gelegenheit genutzt, die Käppele-Turnhalle noch einmal von innen zu sehen. Und schnell wird deutlich: An diesem Nachmittag geht es um mehr als Risse in alten Mauern.

Viele Besucher kennen die Halle seit Jahrzehnten, manche haben hier schon als Schüler Sport getrieben. Nun lassen sie sich von Bürgermeister Armin Dauner und Joachim Dick, Leiter der Hochbauabteilung, erklären, weshalb das Gebäude nach den Sommerferien dauerhaft geschlossen werden soll.

Zunächst führt der Weg nach draußen. Auf der Seite zum Stadion sind deutliche Risse in der Fassade zu erkennen, ebenso auf der Straßenseite. Dauner erklärt, dass ein Teil der Probleme auf den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg zurückgehe. Damals sei ein „wildes Mischmasch an Materialien“ verwendet worden. Frühere Versuche, das Mauerwerk mit eingebauten Stahlstäben zu stabilisieren – das wurde besonders an einer Stelle unterhalb des Dachs deutlich –, hätten keinen dauerhaften Erfolg gebracht. Die Rissbildung habe sich fortgesetzt.

Intensiver Austausch

Im Inneren wird die Diskussion lebhafter. Auch hier treten die Schäden offen zutage. Weiße Gipsmarken an den Wänden sollen anzeigen, ob Bewegung im Mauerwerk ist. Die Halle sei nach dem Ergebnis der Bauwerksuntersuchung derzeit zwar nicht einsturzgefährdet, betont Dick. Die kritischen Stellen würden jedoch wöchentlich kontrolliert. Bei wesentlichen Veränderungen wäre sofort Schluss. Über die Sommerferien hinaus sehe sich der hinzugezogene Statiker nicht in der Lage, die Verantwortung für eine weitere Nutzung zu übernehmen.

Das überzeugt nicht jeden. Die Risse gebe es schließlich schon seit Jahrzehnten, heißt es aus der Runde. Ein Besucher fragt sinngemäß, ob man nach solchen Maßstäben nicht gleich den halben Ortskern abreißen müsse. Andere wollen wissen, warum die Halle geschlossen wird, obwohl Ersatzkapazitäten fehlen – oder weshalb sie nicht bis zum geplanten Abriss im kommenden Jahr genutzt werden kann.

Dick verweist auf die Konsequenzen eines solchen Vorgehens. Wer entgegen einem statischen Untersuchungsbericht handle, müsse auch das Risiko tragen, falls etwas passiere. „Von Ihnen wird niemand die Verantwortung übernehmen, dass die Halle standsicher ist und bleibt“, hält er den Kritikern entgegen. „Unterschreiben Sie es, dann verschwinden Sie im Gefängnis“, richtet Dauner ernste Worte an einen Bürger, der den Grad der Schäden infrage stellt.

Kritik gibt es auch daran, dass über Jahre kaum noch in das Gebäude investiert wurde. Bereits 2013 hatte der Gemeinderat beschlossen, die Käppele-Turnhalle nach dem Neubau der Lindachhalle abzureißen. Später blieb sie doch erhalten – ohne grundlegende Sanierung. Mit kleineren Reparaturen sei es nun nicht mehr getan. Zu den konstruktiven Mängeln komme die veraltete Technik, erklärt Dick. Die nötigen Investitionen stünden in keinem Verhältnis zum verbleibenden Wert des Gebäudes. Dass der Abriss trotzdem erst 2027 vorgesehen ist, liegt am Haushalt. Für 2026 sei er nicht eingeplant. Dick rechnet mit Kosten zwischen 500.000 und 800.000 Euro.

Am Ende haben die Besucher gesehen, weshalb die Stadt die Halle nicht länger betreiben will. Dass damit auch alle Zweifel ausgeräumt sind, lässt sich nach den Diskussionen dieses Nachmittags allerdings kaum behaupten.