Mühlacker
Mühlacker -  08.02.2026
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Wie eine große Gemeinschaft: Vesperkirche Mühlacker zieht positive Bilanz

Mühlacker. Nach einer Woche ziehen die Macher der Mühlacker Vesperkirche eine durchweg positive Bilanz. Mit durchschnittlich 150 Besuchern pro Tag hat sich dieses Format auch in der Senderstadt etabliert, vor allem dank der zahlreichen ehrenamtlichen Helfer und Spender, zu denen beispielsweise die Rolf Scheuermann Stiftung und die PZ-Hilfsaktion „Menschen in Not“ zählen. Ohne diese Hilfe, betont Organisatorin Barbara Straub, wäre die Vesperkirche nicht möglich.

In Mühlacker gibt es nicht nur ein warmes Essen – sonder auch Gemeinschaft, eine tolle Stimmung und ein besonderes Ambiente.
In Mühlacker gibt es nicht nur ein warmes Essen – sonder auch Gemeinschaft, eine tolle Stimmung und ein besonderes Ambiente. Foto: Stefan Friedrich

„Es ist natürlich toll, wenn man sieht, wie gut das inzwischen angenommen wird, sagt Straub im Gespräch. „Wir haben einen Einzugsbereich zwischen Stuttgart, Leonberg und Bad Wildbad. Überall erzählen sich die Leute weiter, was für eine tolle Vesperkirche es in Mühlacker gibt.“ Straub hat das von Besuchern persönlich erfahren, die auch eine weitere Anreise in Kauf nahmen, um nach Mühlacker zu kommen – nicht wegen des Essens, sondern weil hier Gemeinschaft, Stimmung und Ambiente besonders sind; alles wirkt familiär, wertschätzend und in einem Rahmen, der perfekt dazu passt, verrät Straub. Das Mehrgenerationenhaus St. Franziskus war ohnehin von Anfang an die perfekte Location für diese Vesperkirche. „Wir fühlen uns hier alle miteinander sehr wohl“ – unabhängig davon, ob Mitarbeiter oder Gäste. Vielleicht auch deshalb sind sie in diesem Jahr an die Grenzen der Kapazitäten geraten. Am Donnerstag kamen über 200 Besucher, viel mehr als gedacht. „Wir hatten 160 Portionen bestellt und dann schnell gemerkt, das wird nicht reichen, und haben nachbestellt.“

Unglaublich viel Dankbarkeit

Von den Besuchern der Vesperkirche wiederum erfahren sie „unglaublich viel Dankbarkeit“, zumal sie hier nicht nur etwas zu essen, sondern vor allem Gesellschaft bekommen, indem sie miteinander sprechen und singen. „Wir freuen uns, dass wir neben Leuten sitzen, mit denen wir uns unterhalten können“, ist eine der Rückmeldungen, die Straub und ihr Team erreicht haben. Nicht wenige Besucher sind ansonsten alleine zuhause, haben keine Familie und keine Bekannten. Bei der Vesperkirche können sie Kontakte knüpfen und sich gegenseitig kennenlernen. „Das ist das Schöne an der Vesperkirche, dass hier so viele unterschiedliche Leute beieinander sein können, die sich versorgt und einfach geschätzt fühlen.“ Das gilt vor allem auch für die Obdachlosen, die inzwischen leichter den Weg zur Vesperkirche finden, wo es anfangs noch Hemmschwellen gegeben hat. „Um sie macht sonst jeder einen großen Bogen, aber hier werden sie wie alle anderen auch begrüßt und es ist eine große Gemeinschaft geworden.“

Dankbar ist Straub auch den vielen Helfern, ohne die die Vesperkirche nicht stattfinden könnte. Der Datenschutz verhindert zwar, dass sie potenzielle Helfer anschreiben und anwerben dürfen, aber auch so hat es sich inzwischen herumgesprochen, wie wertvoll die Vesperkirche für die Stadtgesellschaft geworden ist. „Ich kenne in Mühlacker keine andere Veranstaltung, in der wirklich alle Gesellschaftsschichten auftauchen“, sagt Straub. Entsprechend viele wollen mithelfen, junge wie auch ältere Menschen. Auch hier bildet sich die Gesellschaft ab. Trotz des Stolzes über den Erfolg schwingt aber auch Wehmut mit, denn letztlich, betont Straub, sei es mit der Vesperkirche so wie mit den Tafelläden. Sie sind wichtig, doch noch schöner wäre es, wenn sie irgendwann ganz überflüssig sind. „Wenn die Gesellschaft so intakt wäre, dass die Menschen nicht einsam wären oder versorgt werden müssten, dann bräuchte es uns nicht mehr.“ Weil sich dieser Wunsch bis zum kommenden Jahr nicht erfüllen dürfte, haben sie bereits mit den Planungen für die Vesperkirche 2027 begonnen. Weil der Bedarf weiter gewachsen ist, sind die Macher dankbar für Unterstützung. Kleine Spenden helfen hier genauso wie Großspenden.

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