Neuenbürg
Neuenbürg -  21.05.2019
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Ärger über tote Jungfische in der Region

Neuenbürg. Es war ein dramatischer Anblick am Montagabend, den ein Leser am Dienstag der PZ schilderte. Mit dem Fahrrad sei er beim Neuenbürger Freibad am Enzwehr vorbeigekommen und habe dort Helfer an der völlig trockenen Fischtreppe gesehen, die versucht hätten, Fische von dort wieder ins sichere Nass zu retten. Was ist denn da passiert, wollte er wissen.

Im Trockenen verendet: Junge Fische am Montag im Bereich des Neuenbürger Wehrs in der Nähe des Freibads. Fotos: Privat
Im Trockenen verendet: Junge Fische am Montag im Bereich des Neuenbürger Wehrs in der Nähe des Freibads. Fotos: Privat

Die PZ wandte sich daraufhin an den Angelverein Neuenbürg. Der Verein bestätigte, dass man am Montagabend versucht habe, möglichst viele Fische aus den völlig trockenen Hilfsanlagen zu bergen, die eigentlich dafür gedacht sind, den Tieren am Wehr vorbeizuhelfen. Zuvor habe man freilich entdecken müssen, dass besonders viele Jungfische auf dem Trockenen verendet seien.

Der Verein reagiert betroffen – und verärgert. Hintergrund seien Bauarbeiten am Wehr gewesen, die die Stadt Neuenbürg im Vorfeld eigentlich gut mit dem Verein abgestimmt habe. Entstanden sei der Plan, nach Ablassen des Wehrs mit Hilfe von Pumpen dafür zu sorgen, dass genügend Wasser sowohl in der Fischtreppe als auch in dem kleinen Bach, der am Wehr vorbeiführt, bleibe. Als ein Vereinsmitglied gegen 17 Uhr am Wehr vorbeischaute, seien Pumpen zwar da, aber nicht richtig in Betrieb gewesen. Am Ende habe man neben Jungtieren auch viel Bachforellenbrut im Umgehungsgewässer verloren.

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Denis Kraft vom Tiefbauamt der Stadt sagt, dass mehrere Pumpen eingesetzt worden seien, um das Umgehungsgerinne und den Fischpass weiterhin mit Wasser versorgen zu können. „Leider fielen zwei dieser Pumpen aus und daher konnte die Bewässerung nicht in der vorgesehenen Menge durchgeführt werden“, bedauert Kraft. Auch kommunales Personal habe daraufhin Wasserlebewesen dort aufgenommen und wieder ins Fließgewässer gebracht. Hintergrund der nötigen Arbeiten sei die Revision der Turbine an der Wasserkraftanlage Eisenfurt gewesen. Im Zuge des Turbinenausbaus habe man den Stau an der Wehranlage absenken müssen.

Das Regenwetter der vergangenen Tage kam der geplanten Maßnahme schließlich in die Quere. Die Turbinenrevision, so Kraft, habe wegen der starken Niederschläge abgesagt werden müssen. Das Wehr sei wieder angestaut worden. Damit sei das Trockenheitsproblem mittlerweile Vergangenheit. „Die entsprechenden Bereiche werden wie gewöhnlich wieder durchströmt“, so Kraft.

Der Angelverein, der es als Aufgabe ansieht, für eine gute Wasserökologie einzustehen, hat jedenfalls eine Kontrolle vermisst. Das Problem mit den am Montag trockengelaufenen Hilfseinrichtungen für die Wasserlebewesen hätte man dann früher entdecken können. Ganz gut funktioniert habe übrigens der Umgang mit den wichtigen Wasserhöhen während der jüngsten Dürreperioden, lobt der Verein. In den Wasserkraftanlagen seien die Turbinen in Trockenheitsphasen gedrosselt worden, so dass immer genügend Restwasser für die Tiere geblieben sei.

Autor: Alexander Heilemann und Peter Hepfer