Neuenbürg
Neuenbürg -  03.03.2026
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Elf Millionen Euro Verlust? Bürgermeister zweifelt an Zahlen zur Klinik Neuenbürg

Neuenbürg/Enzkreis/Ludwigsburg. Rund elf Millionen Euro Verlust erwartet Baden-Württembergs größter kommunaler Krankenhausträger RKH Gesundheit 2026 für seine kleinste Klinik, die in Neuenbürg steht. Zum Vergleich: 2024 noch lag das Minus bei 4,8 Millionen. Die Zahlen haben die Öffentlichkeit aufgeschreckt und Sorgen um den Standort befeuert. Und früh gab es Skepsis, ob Neuenbürgs Klinik nicht schlechtergerechnet worden sein könnte, als sie wirklich dastehe. Bürgermeister Fabian Bader fühlt sich darin nach Antworten der RKH auf seine Rückfragen bestärkt.

RKH Krankenhaus Neuenbürg
Das 80-Betten-Krankenhaus in Neuenbürg ist finanziell unter Druck: Doch wie tief steckt es wirklich in den roten Zahlen? Rathauschef Bader ist sicher, dass dasveröffentlichte Elf-Millionen-Defizit viel zu hoch angesetzt ist. Foto: Röhr

„Ich gehe nicht davon aus, dass das berechnete Defizit so eintritt“, sagt er. Ein Elf-Millionen-Defizit, das aber am allerschlechtestmöglichen Szenario orientiert wäre – das hielte Bader „für ein starkes Stück“. Denn diese Zahl habe großen Einfluss auf den Blick, den Kreisräte, Aufsichtsräte oder Öffentlichkeit auf die Klinik hätten.

Derzeit sammelt Bader mit Neuenbürger Stadträten Unterschriften für ein „Ja zum Krankenhaus Neuenbürg“. In der Stadt selbst und im Umfeld – in Keltern und Höfen, in Birkenfeld und Straubenhardt, in Remchingen, Kämpfelbach, Königsbach-Stein oder Büchenbronn. Im Blick habe man zudem noch Kommunen wie Dobel oder Bad Wildbad, Marxzell oder Karlsbad, sagt er. Das Echo sei riesig. Darin bestärkt haben ihn gut besuchte Stände am vergangenen Samstag auf Neuenbürgs Wilhelmshöhe vor der Bäckerei Raisch und vor Edeka. Kommenden Samstag will er die Aktion deshalb wiederholen (von 8 bis 9.30 Uhr bei Raisch, danach bis gegen 11 Uhr bei Edeka). Die Klinik erntet dabei viel Zuspruch.

Ein Thema, das Bürgerinnen und Bürger am Samstag mit Bader oder den Stadträten Christine Danigel, Andrea Lutz oder Alexander Pfeiffer diskutiert haben, war auch die Skepsis über das Defizit. Die PZ hat wegen der Kalkulation bei der Muttergesellschaft RKH Gesellschaft nachgefragt. Wie viel von dem Millionenminus ist ein fester Sockel? Wie viel sind eher Risikoprognosen? Wie sieht das Verhältnis zwischen beidem im Vergleich zum Krankenhaus Mühlacker aus, das wesentlich besser dasteht? Die RKH gebe zu diesen Details vor der März-Sitzung des Enzkreis-Kliniken-Aufsichtsrats keine Auskunft, sagt Pressesprecher Christoph Schmale. Man wolle den Gremienentscheidungen nicht vorgreifen. Im Aufsichtsrat und danach im Kreistag sollen Weichen für die Klinikzukunft gestellt werden. Ursprünglich war das bereits für Januar geplant gewesen. Dieser frühe Termin war nach aufkommenden Diskussionen verschoben worden.

Bader ist sowohl Mitglied des Aufsichtsrats als auch Kreistagsmitglied und möchte in die Gremiendebatten ein Stimmungsbild von den Unterschriftensammlungen mitnehmen. Er hofft zudem, dass auch über die Kalkulation der erwarteten Verluste gesprochen wird. Denn die jüngste Information der RKH an die Gremien versteht er so, dass das Kerndefizit eher auf einem Niveau ist, das man aus den Vorjahren kenne. Darin einkalkuliert wäre die fixe Kostenstruktur und das, was ein Akutkrankenhaus personell und technisch vorhalten muss. Deutlich mehr als die Hälfte der öffentlich bekannten minus elf Millionen Euro seien dagegen Risikoprognosen. Ein Puffer, den Bader für viel zu hoch hält.

Allerdings: In diese Prognosen würde auch einfließen, wie sich die Erlöse entwickeln. Und die Zahl der Menschen, die auf den Neuenbürger Krankenhausstationen behandelt werden, war 2025, wie berichtet, um elf Prozent eingebrochen. Und man müsse davon ausgehen, dass sich die Lage 2026 noch einmal „signifikant verschlechtern“ werde, hatte RKH-Pressesprecher Schmale der PZ schon im Dezember gesagt. Bader beobachtet im Krankenhaus dagegen noch viel Betrieb.