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Neuenbürg -  16.06.2026
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Vorfälle in Neuenbürg: Pizzaspuk mit ominösen Anrufen aufs Handy?

PZ-Leserin aus Neuenbürg-Waldrennach rätselt über den Hintergrund von ungewollten Essenslieferungen mit Ankündigungen auf der persönlichen Handynummer.

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Eine Pizza wird auf diesem Symbolbild für eine Lieferung verpackt – zahlreiche Exemplare sind nun zu einer PZ-Leserin in Waldrennach ohne ihre Bestellung nach Hause geliefert worden. Foto: picture alliance/dpa


Dampfende Pizzen und andere warm gehaltene Speisen, die per Lieferdienst frisch an die eigene Haustüre geliefert werden, plus passende Benachrichtigungen dazu auf dem Handy – doch die Bewohner haben damit nichts zu tun und werden auf dem falschen Fuß erwischt. Wie man sich davor schützen kann, fragt eine PZ-Leserin aus Waldrennach die Redaktion. Was ihr passiert ist, würde wohl niemanden in seinen eigenen vier Wänden kalt lassen. Erst klingelte kürzlich ihr eigenes Handy mit einer Ankündigung, dass Pizza geliefert wird. Doch weder die Mutter noch ihre Tochter hatten etwas bestellt.

Trotzdem versammelten sich wenig später ein Pizzabote aus Königsbach-Stein und die Fahrerin eines Lieferdiensts aus Pforzheim mit dampfenden Speisen vor der Waldrennacher Haustüre der Familie. „Das ist schon die dritte Verarsche heute“, habe der Pizzafahrer noch kopfschüttelnd beim Weggehen gesagt, berichtet die Leserin weiter. „Wir haben nichts bestellt und auch nichts bezahlt“, erklärt die PZ-Leserin – immerhin gab es dann auch keine Proteste. „Das war ein Riesenpaket für gefühlt zehn Mann“, fügt sie noch dazu.

"Ihre Pizza ist da, ich bin an der Türe"

Einen Tag später sei es eine Sprachnachricht gewesen, die auf dem Handy ihrer Tochter ankam. „Ihre Pizza ist da, ich bin an der Türe“, war da zu hören. Doch die Familie war nun misstrauisch geworden. Diesmal war die Mutter gegen 22 Uhr selbst daheim – verhielt sich daraufhin aber ruhig und schaute nur aus dem Fenster. Tatsächlich sei dort wieder ein Pizzafahrer zu sehen gewesen. Einmal wurde also die Mutter der Familie angerufen, einmal die Tochter. Doch in beiden Fällen war die Wohnadresse offenbar korrekt der Handynummer zugeordnet und es waren Bestellungen an diese aufgegeben worden.

Die PZ-Leserin berichtet: „Mich und meine Tochter haben sie insgesamt sechsmal angerufen von einer Berliner Nummer, die ich dann blockiert habe“, 

Wie das zustande kommen könnte? Im Internet findet sie Hinweise darauf, dass der Onlinedienst Lieferando anfällig sei für solche fingierten Bestellungen, weil bis zu zehnmal täglich an dieselbe Adresse bestellt werden könne. Zwei Stichproben bei Pizzalieferdiensten in Königsbach-Stein und Pforzheim sind aber negativ: „Das ist noch nie vorgekommen“, lautet die Auskunft, und: „Bisher ist alles in Ordnung.“ Die Betroffene könnte sich auch kriminellen Datenhandel im Darknet mit Adress- und Telefondaten vorstellen – aber zu welchem Zweck? Das Vorgehen erinnert an das „Pizzabombing“, eine Art von Cybermobbing. In den bekanntgewordenen Fällen stand dahinter unter anderem das Hackernetzwerk „New World Order“ (siehe weiter unten). Teils richteten sich die Aktionen gegen bekannte Streamer und damit Internetpersönlichkeiten, die während Liveübertragungen auf der Online-Plattform Twitch mit Pizzabestellungen an ihre Adresse überhäuft wurden. Auch in anderen Fällen werden „New World Order“ massenhaft ungewollte Online-Bestellungen im Namen von ahnungslosen Menschen zugeschrieben.


Anna Schwalbe, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Pforzheim, könnte sich durchaus auch „groben Unfug“ aus dem weiteren Bekanntenbereich beim Vorfall in Waldrennach, der nicht angezeigt wurde, als Hintergrund vorstellen. Dazu passt allerdings wiederum die zweimal auftauchende Berliner Nummer nicht. „Dass es sich dabei um eine hier in der Region übliche Masche handelt, wäre mir nicht bekannt“, sagt Schwalbe.

Falsche Polizeibeamte, die Einwohner anriefen, seien dagegen hier zum Beispiel ja verbreitet. Mit der Polizei zu sprechen, sei empfehlenswert. Bei den in Waldrennach angelieferten Speisen handelt es sich juristisch erst einmal um „ungewollt gelieferte Ware“. Annehmen sollte man die Speisen nicht – und bezahlen müsse man natürlich auch nichts, heißt es bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

New World Order

Die „New World Order“ (NWO) ist laut Mitteilung des Bundeskriminalamts (BKA) ein ausschließlich virtueller Zusammenschluss von Personen. In zahlreichen Fällen seien Menschen aus der Online-Streamer-Szene als sogenannte „Masken“, das heißt Opfer, ausgewählt worden. Diese würden durch die Vereinigung dann mittels sozialer Medien verfolgt, bedroht und beleidigt. Zudem würden Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen oder volksverhetzende Inhalte in den jeweiligen Kommentarfunktionen veröffentlicht. Ziel der Vereinigung sei es, die Opfer zu verhöhnen und sie zur Aufgabe ihrer Online-Präsenz zu bringen. Darüber hinaus versuchten NWO-Mitglieder, an personenbezogene Daten der Geschädigten zu gelangen, um diese in dem jeweiligen Stream zu veröffentlichen. Zu den Methoden der Vereinigung zähle laut BKA außerdem der Missbrauch von Notrufen, beispielsweise, um die Feuerwehr oder die Polizei aufgrund angeblicher Brände oder Straftaten zur Wohnung der Geschädigten ausrücken zu lassen. Ziel der Beschuldigten bei letztgenannter Variante sei, dass die Polizei während des Livestreams in die Wohnung der Geschädigten eindringt und diese festnimmt, genannt „Swatting“.