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Neuhausen -  07.03.2026
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Wenn der geliebte Vierbeiner für immer geht: So läuft eine Tierbestattung ab

Neuhausen. Jana Hinkelmann sitzt in den Räumen von Anubis Tierbestattungen in Steinegg und erinnert sich: „Ich hatte schon als Kind meine erste Katze.“ Nach dem Einschläfern blieb der tote Körper einfach beim Tierarzt zurück, erinnert sie sich. Irgendwann später fragte Hinkelmann dort einmal nach, was denn mit den toten Haustieren eigentlich passiert.

Jana Hinkelmann und Anubis-Filialbetreiberin Sandra Schmälzle (von links) mit der dezent gestalteten Urne für ihre Katze Happy, in der die Asche in der vertieften Rückwand des Bilderrahmens unauffällig Platz findet. Schmälzle hält einen Pfotenabdruck als Erinnerungsstück eines gestorbenen Tiers in der Hand .
Jana Hinkelmann und Anubis-Filialbetreiberin Sandra Schmälzle (von links) mit der dezent gestalteten Urne für ihre Katze Happy, in der die Asche in der vertieften Rückwand des Bilderrahmens unauffällig Platz findet. Schmälzle hält einen Pfotenabdruck als Erinnerungsstück eines gestorbenen Tiers in der Hand . Foto: Wewoda

„Das wollen Sie nicht wissen“, meinte der Mediziner, berichtet Jana Hinkelmann. Und das hat seinen Grund: Die Antwort lautet schließlich amtlich nüchtern „Tierkörperbeseitigungsanstalt“. Die Abläufe dort sind ziemlich weit entfernt von einem würdevollen Ritual, wie es bei Menschen üblich ist. Die für den Enzkreis zuständigen Anstalten liegen in Horb und Karlsruhe.
Das Kindheitserlebnis von Jana Hinkelmann liegt inzwischen lange zurück. Die 38 Jahre alte Kauffrau im E-Commerce lebt inzwischen mit ihrem Ehemann und zwei Söhnen, sieben und neun Jahre alt, zusammen. Bis zuletzt gehörte auch ihre Katze Happy zur Familie, elf Jahre lang. Sie kam als Findelkatze zu ihnen, als sie das unbeabsichtigt in einem Gartenschuppen eingesperrte Kätzchen befreiten. Ein mehr als glücklicher Zufall sei das gewesen, der dem Kätzchen das Leben rettete – daher der Name.

Aus unerklärlichen Gründen geriet Happy eines Abend zuletzt plötzlich in Atemnot, der Ehemann brachte sie in eine Tierklinik, wo sie in eine Sauerstoffbox gekommen sei. Doch selbst die Spezialisten dort fanden keine Ursache und konnten nicht mehr helfen. „Wir mussten sie schweren Herzens gehen lassen“, erzählt Jana Hinkelmann traurig. Mit Sandra Schmälzle von Anubis Tierbestattung in Steinegg ist sie befreundet, beide Frauen stammen aus Calw.
Dass ihr geliebtes Tier nach einem Leben im Kreis der Familie in der Tierkörperbeseitigung endet, kam für Jana Hinkelmann natürlich überhaupt nicht infrage. Wie ihr geht es auch vielen anderen Tierbesitzern. Sandra Schmälzle, 33 Jahre alt, betreibt zusammen seit Anfang dieses Jahres zusammen mit ihrem Partner Steffen Fröhlich die Filiale von Anubis Tierbestattungen in Steinegg. „Sandra hat Happy abgeholt und ich konnte mich verabschieden“, berichtet die Tierbesitzerin.


Der Abschied passiert in einem Trauerraum, in dem die Tiere aufgebahrt werden. Warum sich Jana Hinkelmann dafür entschieden hat?

„Mir war es wichtig, einer Katze, die mir viel gegeben hat, und die mich ein gutes Stück meines Lebens begleitet hat, angemessen tschüs zu sagen und alles Gute zu wünschen“, sagt Jana Hinkelmann.

Manche Tierbesitzer lassen vor der Einäscherung auch letzte Worte an ihre jahrelangen Weggefährten ausrichten. Sandra Schmälzle: „Ihnen ist es zum Beispiel wichtig, dass man dem Hund noch einmal sagt, wie lieb man ihn hatte. Viele schreiben auch einen Brief, den wir miteinäschern dürfen.“ Danach wird aus einer riesigen Auswahl eine Urne ausgewählt, von der im Regal des Anubis-Büros nur ein Bruchteil ins Regal passt – ob im klassisch geformten Behältnis, in Herz- oder Quaderform, fast alles ist möglich. Jana Hinkelmann entscheidet sich für eine optisch diskrete Lösung mit einem Bilderrahmen samt besonders tiefer Rückwand – darin haben die Überreste Platz. „Wir fanden es schön, dass man die Asche immer bei sich hat, aber nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist, dass es sich um eine Urne handelt“, erklärt Jana Hinkelmann.

Was vor und nach der Einäscherung geschieht

Das verstorbene Tier kann von Anubis bei den Tierbesitzern oder dem Tierarzt abgeholt oder direkt in die Filiale nach Neuhausen-Steinegg gebracht werden. Bei einer Einzeleinäscherung erhält der Kunde die Asche des Tiers in der gewünschten Urne zurück. Alternativ wird die Asche aus einer günstigeren Sammeleinäscherung im Bereich des Tierkrematoriums oder auf einem Tierfriedhof in einem Sammelgrab beigesetzt. Sowohl bei der Einzel- als auch bei der Sammelkremierung können sich die Kunden in einem „Raum des Abschieds“ von ihrem Tier in ruhiger Atmosphäre verabschieden. Eine Einzelkremierung können Tierbesitzer auf Wunsch vor Ort im Tierkrematorium in Durmersheim oder per Videoaufzeichnung mitverfolgen. Die Asche wird dann sorgfältig verwahrt. Bei einer Einzeleinäscherung liegt ein Schamottstein der Urne oder des Wunschbehältnisses mit einer einmaligen Nummer bei, so dass eine klare Zuordnung möglich ist.


PZ-Persönlich: Trauerrituale bei Tier wie Mensch?

Als mein Kater vor einigen Jahren starb, tobte ein innerer Konflikt in mir – ist es angemessen, von Tieren wie von Menschen Abschied zu nehmen, mit Aufbahrung im Trauerraum? Mein Vater, über 80 Jahre alt, wies mich auf die „Tierkörperbeseitigungsanstalt“ hin. Er ist noch in der Nachkriegszeit unseres Landes aufgewachsen, in der es vielfach für die Menschen um die nackte wirtschaftliche Existenz ging, auch öfter die Teller nur sehr spärlich gefüllt waren. Tiere hatten da einen anderen, oft rein praktischen Stellenwert. Klar ist: Die Zeiten haben sich fundamental geändert, zum Glück. Ich bin mir sicher, dass ich diese Art der „Entsorgung“ oder „Verwertung“ für meine Haustiere ablehne – wer eng zusammenlebt mit ihnen, jeden Morgen mit ihnen aufwacht, sie füttert und streichelt, will und kann im Tod nicht zu einem Verständnis als bloße Sache übergehen. Eine Tierbestattung schafft dann ein für mich angemessenes Abschiedsritual.