Fit auf zwei Rädern: Schüler aus dem Enzkreis üben für den Straßenverkehr
Neulingen. Die drei Gemeinden Neulingen, Ölbronn-Dürrn und Eisingen investieren in Verkehrserziehung. Platz in Göbrichen ersetzt Lkw-Konzept.
Konzentriert stehen die Viertklässler der Friedrich-Weinbrenner-Schule am Rand des Verkehrsübungsplatzes an der Büchighalle in Göbrichen und blicken auf die aufgemalte Kreuzung vor ihnen. Schilder, Markierungen und Fahrtrichtungen werden genau unter die Lupe genommen – wer hier falsch abbiegt, wäre schnell ein Geisterfahrer oder übersieht eine Einbahnstraße. Begriffe und Regeln, die für die Kinder längst keine Fremdwörter mehr sind.
Kein Wunder: Die Kinder sind bereits zum zweiten Mal hier. Insgesamt umfasst die Radfahrausbildung vier Einheiten – am Ende winken der Fahrradführerschein und ein Radaufkleber für die, die besonders erfolgreich sind, erklärt Polizeihauptkommissar Thomas Nonnenmann von der Verkehrsunfallprävention.
Wie sicher die Kinder zu Beginn im Sattel sitzen, sei jedoch sehr unterschiedlich. „Da spielen viele Faktoren eine Rolle: Fahre ich in meiner Freizeit Rad? Wohne ich eher ländlich? Dann kann man ein gewisses Grundwissen voraussetzen“, sagt Nonnenmann. Auch das Elternhaus habe großen Einfluss, etwa wenn gemeinsame Fahrradtouren stattfinden. Er und seine Kollegen erkennen schnell, wie vertraut ein Kind mit dem Fahrrad ist. „Wer bereits sicher fährt, kann sich besser auf die Verkehrsregeln konzentrieren, die wir vermitteln.“ Denn im Mittelpunkt der Ausbildung stehe nicht das Erlernen des Radfahrens an sich, sondern das richtige Verhalten im Straßenverkehr.
Um die Regeln greifbar zu machen, setzen die Polizisten auf anschauliche Übungen. So wird etwa eine Kreuzung zunächst ohne Fahrrad erkundet: Gemeinsam mit den Kindern werden Situationen durchgespielt und mit Merksätzen verknüpft. Trotz der theoretischen Grundlagen kommt auch die Praxis nicht zu kurz – bei jedem Termin wird gefahren.
In der dritten Einheit absolvieren die Kinder einzeln eine festgelegte Strecke mit Kreisverkehr und Hindernissen, bevor eine rund zwölfminütige Gruppenfahrt folgt. Dabei sind alle gleichzeitig auf unterschiedlichen Routen unterwegs. Die Polizisten greifen nur ein, wenn es nötig ist. Wer die Prüfung nicht auf Anhieb besteht, erhält die Möglichkeit zur Nachprüfung.
Um den Grundschülern eine zeitgemäße und verlässliche Verkehrserziehung zu ermöglichen, haben sich die Gemeinden Neulingen, Ölbronn-Dürrn und Eisingen zusammengeschlossen und die Kosten für den Übungsplatz gemeinsam getragen. Finanziert wurden unter anderem 20 neue Ausbildungsfahrräder, ein Container zur Lagerung sowie die notwendige Beschilderung.
Der Standort in Neulingen gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung – nicht zuletzt, seit das frühere Konzept der mobilen Verkehrsschulung mit den Lastwagen der Polizei eingestellt wurde. Gerade für jüngere Polizeibeamte, die diese großen Fahrzeuge oft nicht mehr fahren dürfen, stellt der feste Übungsplatz eine zukunftsfähige Alternative dar, erklärt Nonnenmann.
Die Rathauschefs der beteiligten Kommunen bewerten das Projekt positiv. Eisingens Bürgermeister Sascha-Felipe Hottinger betont, dass für die Kinder vor allem das Erlebnis zähle – unabhängig vom genauen Ort. Umso wertvoller sei es, dass mit dem Übungsplatz nun eine gut ausgestattete Anlage zur Verfügung stehe.
