PZ-Serie „Hinterm Ortsschild“ in Neulingen: Zwischen Bühnenzauber und kleinen Wundern
Ein herzhaftes Lachen im Theatersaal, ein weiter Blick über blühende Wiesen und bunte Kuscheltiere, die Kinderaugen zum Leuchten bringen: In Neulingen liegen Geselligkeit, Natur und Zusammenhalt nah beieinander. Mal wird auf der Bühne geschwäbelt, mal auf einer Himmelsliege die Ruhe genossen. Und während die einen für gute Unterhaltung sorgen, häkeln andere kleine Glücksbringer für kranke Kinder. Was all das verbindet, ist die Freude, die Menschen miteinander teilen – und das Engagement, mit dem sie ihre Gemeinde bereichern.
Für gute Laune sorgen etwa die „Backkörb“ aus Nußbaum. Wenn die Mundarttheatergruppe die Bühne erobert, darf eine ordentliche Portion Humor nicht fehlen. Dass es dafür nicht immer Schwäbisch braucht, beweist Uwe Zimmermann. Der erste Vorsitzende stammt aus Sachsen-Anhalt und spielt seit zwölf Jahren mit – gerne auch mal auf Sächsisch oder Berlinerisch. Viel wichtiger als der „richtige“ Dialekt ist ihm ohnehin das Miteinander. Bei Proben und Aufführungen komme man zusammen, lache und habe eine gute Zeit. „Das macht unheimlich viel Spaß“, sagt Zimmermann. Mitmachen könne jeder, ob aus Nußbaum oder von außerhalb. Und wer lieber hinter den Kulissen bleibt, kann dort mit anpacken. Besonders den Nachwuchs möchte die Gruppe fürs Theaterspielen begeistern.
Wer nach so viel Trubel lieber die Ruhe sucht, wird im Neulinger Gewann Herrschaftsfeld fündig. Dort lädt eine Himmelsliege dazu ein, die Beine hochzulegen und den Blick schweifen zu lassen. „Das ist ein kleines Paradies“, sagt Jagdpächter Dieter Maier. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm eine Gruppe Jugendlicher vom FC Bauschlott, die es sich dort mit einem Pizzakarton gemütlich gemacht hatte. Pizza mit Panoramablick – viel mehr braucht es manchmal nicht. Doch Maiers Freude über diesen Flecken Erde ist mit Sorge verbunden. Auf der rund 20 Hektar großen Fläche, auf der Wildblumen und Kräuter wachsen und zahlreiche Tiere ihren Lebensraum finden, wird über die Errichtung einer Photovoltaikanlage nachgedacht. Maier befürchtet, dass sich dadurch das Landschaftsbild und der vertraute Ausblick verändern. Sein kleines Paradies, wie er es nennt, könnte künftig ein anderes Gesicht bekommen.
Ein kleines Stück Freude verschenkt dagegen Nicole Poppe aus Nußbaum – und das weit über die Ortsgrenzen hinaus. Auf dem Tisch der 45-Jährigen tummeln sich bunte, selbst gehäkelte Kuscheltiere, im Schrank stapeln sich die Wollknäuel. Die kleinen Figuren sind für kranke Kinder bestimmt, denen sie ein Lächeln ins Gesicht zaubern sollen. Begonnen hat alles 2013, als ihr Neffe Noah im Krankenhaus lag. Seine Tante brachte ihm ein selbst gehäkeltes Kuscheltier mit. „Das haben dann auch andere Kinder mitbekommen und wollten auch eins“, erinnert sich Poppe. Also häkelte sie weiter. Aus einer kleinen Geste wurde ein Herzensprojekt. Noah ist inzwischen verstorben. Ihm zu Ehren führt seine Tante sein „Vermächtnis“ fort.
Was Poppe antreibt, sind die Rückmeldungen. Ihre Warteliste reicht bereits bis Februar 2027. Doch davon lässt sie sich nicht stressen: „Ich mache mir da keinen Druck mehr.“ Dafür mache ihr das Häkeln viel zu viel Spaß.
Insidertipp 1
Gehäkelte Kuscheltiere
Mit ihren selbstgehäkelten Kuscheltieren möchte Nicole Poppe aus Nußbaum kranken Kindern ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Dafür greift die 45-Jährige seit vielen Jahren regelmäßig zur Häkelnadel. Wer sie bei ihrem Herzensprojekt unterstützen möchte, kann ihr mit Wollspenden helfen. Auf Facebook ist sie unter „Nicole häkelt – das besondere Projekt“ zu finden. Außerdem hat sie eine Amazon-Wunschliste eingerichtet, über die Unterstützer benötigte Materialien spenden können.
Insidertipp 2
Die Himmelsliege
Einfach mal die Seele baumeln lassen und den Blick in die Ferne schweifen lassen: Oberhalb des Gewanns Herrschaftsfeld lädt eine Himmelsliege zum Verweilen ein. Von hier aus eröffnet sich ein herrlicher Ausblick auf den Ölbronner Eichelberg und den Aalkistensee. In der Ferne ist Maulbronn zu erkennen. „Das ist ein Ort der Ruhe“, schwärmt Jagdpächter Dieter Maier. Besonders bei schönem Wetter zieht es Jung und Alt hierher, um Natur und Aussicht zu genießen.
Insidertipp 3
Das Mundarttheater
Wenn die Backkörb auf der Bühne stehen, darf eines nicht fehlen: eine ordentliche Portion schwäbischen Humors. Die Mundarttheatergruppe aus Nußbaum bringt das Publikum seit Jahrzehnten zum Lachen und hält nebenbei den Dialekt lebendig. Doch dahinter steckt mehr als das Auswendiglernen von Texten. Die Freude am Theaterspielen und die Dorfverbundenheit machen die Backkörb zu einem festen Bestandteil Neulingens. Und damit nicht genug: Im Ortsteil Bauschlott sorgt das Grofe Theater für Unterhaltung.
3 Fragen an den Bürgermeister Michael Schmidt
„Wir müssen genau hinschauen, Prioritäten setzen und verantwortungsvoll planen.“
1. Was ist das wichtigste Ereignis seit der Gemeindefusion?
50 Jahre Neulingen – da kommt einiges zusammen. In dieser Zeit sind Neubau- und Gewerbegebiete, Schulen und Kindergärten entstanden, ebenso wie der Bauhof, die Feuerwehr, die Wasserversorgung und das neue Rathaus. Etwas ganz Besonderes war unser Jubiläumsjahr 2024. Mir war wichtig, gemeinsam mit den Menschen zu feiern: Beim Festabend blickten wir auf unsere bewegte Geschichte zurück. Was dann auf der Bühne geschah, war einmalig: Rund 70 Musikerinnen und Musiker sowie 120 Sängerinnen und Sänger aus unseren drei Ortsteilen machten das gemeinsame Musikprojekt zu einem mitreißenden Erlebnis. Die Standing Ovations waren für mich ein echter Gänsehautmoment. Anschließend wurde zu den Hits der 70er-Jahre bis nach Mitternacht gefeiert – ein Abend, der gezeigt hat, was unsere Gemeinde ausmacht. Im September folgte die Erlebnis-Tour der Vereine durch alle drei Ortsteile. Beide Veranstaltungen zum Jubiläum haben eindrucksvoll gezeigt, wie unsere Gemeinde zusammengewachsen ist.
2. Welche Veranstaltung/welches Fest in Ihrer Gemeinde darf man nicht verpasst haben?
Da möchte ich mich eigentlich gar nicht auf eine einzige Veranstaltung festlegen, denn in Neulingen gibt es in allen drei Ortsteilen tolle Feste. In Bauschlott sollte man unbedingt einmal beim Angerfest gewesen sein, das alle zwei Jahre stattfindet. In Nußbaum gibt es im Wechsel dazu alle zwei Jahre das Backkorbfest. Und in Göbrichen ist der jährliche Weihnachtsmarkt ein echter Publikumsmagnet.
3.Welches Thema ist aktuell die größte Herausforderung in Ihrer Gemeinde?
Aktuell beschäftigen uns vor allem zwei größere Vorhaben: die Neugestaltung des Dorfangers in Bauschlott und die Planung eines gemeinsamen neuen Feuerwehrgebäudes. Beides sind wichtige Projekte für unsere Gemeinde, die wir voranbringen möchten. Gerade mit Blick auf die angespannte finanzielle Lage der Kommunen kann man hier sicherlich von einer Herausforderung sprechen. Wir müssen genau hinschauen, Prioritäten setzen und verantwortungsvoll planen. Wie sich die finanzielle Situation in den kommenden Jahren entwickelt, lässt sich heute nur schwer abschätzen. Umso wichtiger ist es, die anstehenden Vorhaben mit Augenmaß anzugehen und dabei im Blick zu behalten, was für Neulingen langfristig sinnvoll und machbar ist.
