Tote Kälber durch Hundekot: Neulinger Landwirt und Tierärztin schlagen Alarm
Neulingen. „Hundekot ist ein natürlicher Dünger.“ Unwahrheiten wie diese sind weit verbreitet und haben fatale Folgen für die Landwirtschaft. Für Landwirte wie Joachim Fuchs ist das jedes Jahr ein Problem. „Es ist natürlich ein wirtschaftliches, aber auch ein sehr emotionales Thema“, sagt Fuchs. Für Weidetiere wie Kühe kann Hundekot, welcher auf Feldwegen liegen bleibt, lebensgefährlich sein.
Es können sich darin nämlich Parasiten befinden. Besonders gefährlich werden kann demnach der Parasit „Neospora caninum“ – er ist ein häufiger Auslöser für Aborte, also Fehlgeburten bei Rindern.
„Es ist nichts Schönes, wenn man plötzlich eine Totgeburt im Stall vorfindet“, sagt Fuchs. „Aber auch Bandwürmer und Giardien können mit dem Hundekot ausgeschieden werden“, ergänzt die Neulinger Tierärztin Bea Redinger-Kraus.
Giardien sind Dünndarm-Parasiten, die Durchfall bei Hunden auslösen können.
Der Hund ist für diesen Erreger – den er hauptsächlich durch rohes Fleisch aufnimmt – jedenfalls der Endwirt, er scheidet die Eier des gefährlichen Parasiten mit dem Kot aus. Im Boden und im Futter sind die Erreger sehr widerständig. „Der Kot kann durch Regen weggespült werden, aber die Parasiten können bis zu zehn Jahre überleben“, erklärt Redinger-Kraus. So kann es dazu kommen, dass Rinder kontaminiertes Gras, Heu oder Silage fressen und die Erreger damit ebenfalls aufnehmen.
„Vor einigen Jahren hatten wir zwischen 20 und 25 Aborte in relativ kurzer Zeit. Da hatte ich Angst, in den Stall zu gehen und wieder ein totes Kalb vorzufinden“, sagt der Landwirt. Es sei für ihn eine „höchst emotionale Sache, die einen auch psychisch an Grenzen bringt“, sagt er. In ihrer Bauschlotter Tierarztpraxis ist Redinger-Kraus auch immer wieder mit Tierleiden wie solchen konfrontiert.
„Ich behandle Kühe mit Fruchtbarkeitsproblemen, aber viel eher sehe ich es bei den Hunden an sich“, sagt sie.
Diese kämen reihenweise mit Durchfallerkrankungen in ihre Praxis. Das passiert, weil die Hunde Kot von anderen Hunden aufnehmen und somit auch Erkrankungen. Schuld daran sind in den Augen der Tierärztin jedoch die Hundehalter, da sie etwas dagegen unternehmen könnten. „Wenn die Besitzer den Hundehaufen richtig entfernen würden, dann hätten wir viel weniger Probleme“, sagt sie. Redinger-Kraus setzt auf eine Prophylaxe, dadurch seien die Fälle in ihrer Praxis immerhin weniger geworden.
Zurück zu den Kühen: Vor ungefähr 15 Jahren hat der Neulinger Landwirt Fuchs die ersten Fälle auf seinem Hof erlebt. Unterschieden wird bei der Parasitenaufnahme zwischen zwei Fällen: „Ich habe entweder einen klinischen Fall, das heißt, die Kuh abortiert oder einen subklinischen Fall, die Kuh trägt den Parasiten in sich und irgendwann in ihrem Leben kann dann ein Abort passieren“, erklärt er.
Wirtschaftliche Folgen
Die Kühe geben dann auch keine Milch mehr, was finanzielle Einbußen bei den Bauern verursacht. „Wir haben dann neue Kühe gekauft, um den Milchverlust wenigstens etwas einzudämmen“, sagt Fuchs. Ihm habe die ganze Nachzucht gefehlt, da das Problem immer wieder aufgekommen sei. „Wir reden hier von mehreren Zehntausend Euro Schaden.“ Zusammengerechnet habe er über 80.000 Euro Umsatz verloren. Die gesundheitlichen Auswirkungen bei den Tieren fallen der Tierärztin sofort ins Auge:
„Wenn wir einen Kaiserschnitt bei einer Mutterkuh durchführen, dann merken wir, wie kaputt der Stoffwechsel ist.“
Der Eingriff gehe oft daneben – „weil es einfach zu viel für das Tier ist“, sagt Redinger-Kraus.Generell gilt: Wenn Hundehaufen am Feldrand liegen bleiben, dann laufen Landwirte Gefahr, den Kot in die Heuballen mitaufzunehmen. „Der Kot verzieht sich auf die ganze Länge der Ballen. Stellen Sie sich vor, sie müssten jeden Tag versalzene Suppe essen. So ist das dann für die Tiere“, sagt er. Die Kuh frisst dann weniger, weil der Geschmack nicht passt. Das führt zu einem Energiedefizit, weshalb die Tiere auch weniger Milch geben. Abgesehen davon werden sie dann auch noch krank, wie Fuchs sagt. Ein Teufelskreis.
Maßnahmen dagegen
Wie also könnte eine Lösung aussehen? Um aus diesem tödlichen Kreislauf auszubrechen, hat Landwirt Fuchs Maßnahmen eingeleitet. „Ich habe aufgehört, den Tieren Grünfutter, also Gras vom Feldrand, zum Fressen zu geben“, sagt er. Er greife nun vermehrt auf Heu zurück. Auch das entspricht nicht dem Idealfall. Aber: „Im Heu lässt sich der Hundehaufen besser aussortieren als in der Silage“, sagt er. Mit Hundebesitzern habe der Landwirt grundsätzlich kein Problem: „Manche machen das richtig gut, aber manchmal sieht man dann auch eine rote Tüte am Feldrand – und das geht nicht“, macht Fuchs deutlich. „Wenn jeder das Häufchen ordnungsgemäß entfernen würde, dann wäre den Tieren schon sehr geholfen“, sagt Redinger-Kraus.
