Niefern-Öschelbronn
Niefern-Öschelbronn -  30.07.2020
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Beim A8-Gewerbegebiet geht es um alles: Bürgermeisterin Förster will notfalls vor Gericht ziehen

Niefern-Öschelbronn. Zum dritten Mal nimmt jetzt die Gemeinde Niefern-Öschelbronn Anlauf fürs große Gewerbegebiet an der A8. Der Gemeinderat hat die überarbeiteten Pläne Reisersweg 1 für die Felder gegenüber dem Queens-Hotel mit Grundstücksaufteilungen und Bauvorschriften einstimmig verabschiedet. Vor 13 Jahren hatte die Ortsverwaltung die Wirtschaftsfläche anvisiert, musste das Vorhaben dann aber zwei Mal nach Einsprüchen der Stadtwerke Pforzheim (SWP) kippen. Die SWP-Geschäftsführung befürchtete, die Bebauung der Äcker an der A8 im Enztal bedrohe Trinkwasserbrunnen. Nach umfangreichen Untersuchungen des Bodens und des Grundwassers sehen Bürgermeisterin Birgit Förster und das Ratsgremium allerdings keine Gefahren.

So groß wie 15 Fußballfelder: An der A8 beim Nieferner Reisersweg will die Gemeinde Niefern-Öschelbronn für die Wirtschaft ein neues Gebiet anbieten. Die Pläne wurden im Jahr 2007 erstmals entwickelt, stießen aber auf den Widerstand der Stadtwerke Pforzheim. Foto: PZ-Grafik
So groß wie 15 Fußballfelder: An der A8 beim Nieferner Reisersweg will die Gemeinde Niefern-Öschelbronn für die Wirtschaft ein neues Gebiet anbieten. Die Pläne wurden im Jahr 2007 erstmals entwickelt, stießen aber auf den Widerstand der Stadtwerke Pforzheim. Foto: PZ-Grafik

Ganz im Gegenteil: Die Gestaltung des rund 300 auf 350 Meter großen Gewerbegebiets mit eingeschnittenen Terrassen auf Terrassen werde „den Schutz des Grundwassers sogar verbessern“, verspricht die hydrogeologische Analyse.

Vor Jahren schien alles in Butter

Die Gemeinde schreibe den Firmen außerdem vor, das Untergeschoss besonders gut abzudichten, so Bauverwaltungsleiter Uwe Engelsberger. Dritte Sicherheitsschiene: Lager oder Betriebe mit gefährlichen Stoffen sowie Speditionen, die mit vielen Lastern arbeiten, dürften sich dort gar nicht erst ansiedeln. Ob all diese Regeln die Stadtwerke überzeugen, ist unklar. Die Rathauschefin stellt sich jedoch schon darauf ein, dass Pforzheim das Projekt erneut ablehnt. Das sei kürzlich bei den Beratungen für den neuen Flächennutzungsplan deutlich geworden, sagte Förster - die Stadtwerke hätten beantragt, auf einen Schlag „sogar alle drei bisher festgeschriebenen Gewerbegebiete an der A8 zu streichen“.

Damit kam das Unternehmen aber nicht durch: „Die Pläne Reisersweg 1 bis 3 sind seit über zwei Jahrzehnten rechtlich fixiert, bei der Fortschreibung können sie nicht angetastet werden.“ Blockierten die Stadtwerke erneut die nun ins Reine gebrachten Pläne der Gemeinde, werde sie den Konflikt notfalls vor Gericht ausfechten, kündigte Förster an. Der SWP-Leiter Netze Bernd Hagenbuch verfolgte im Ameliussaal die Präsentation der Baupläne.

Dabei schien vor vier Jahren alles in Butter. Pforzheims damaliger Oberbürgermeister Gert Hager versprach Alt-Schultes Kurz und dann auch seiner Nachfolgerin, die Stadt werde den Widerstand aufgeben. Dafür sollte Niefern-Öschelbronn gemeinsam mit Wurmberg und Pforzheim das angedachte Gewerbegebiet Ochsenwäldle an der A8-Ausfahrt Süd anpacken. Die Übereinkunft hielt nicht lange: Hager wurde abgewählt und für OB-Erbfolger Peter Boch ist noch offen, ob sich die Stadt eher dem umstrittenen Gebiet Klapfenhardt an der A8 Pforzheim-West zuwendet.

Niefern-Öschelbronn macht Nägel mit Köpfen

Derweil macht Niefern-Öschelbronn nun Nägel mit Köpfen für sein rund 10,5 Hektar großes Gewerbegebiet – eine Fläche, so groß wie 15 Fußballfelder. Der Schutz vor Verkehrslärm müsse noch reguliert werden, so Engelsberger. Nachts werden Grenzwerte überschritten, das Gutachten habe aber die Wirkung der an der A8 vorgesehenen Erdwälle nicht berücksichtigen können.

Ein Teil des mit dem angrenzenden Lutzenrain neu bestimmten Areals schließt dort Mischgebiete ein. Das Rathaus legt demnächst die Pläne für die öffentliche Beteiligung aus.

Auto-Hahn baut im leergeräumten Gebiet in Niefern-Vorort

Großes Autounternehmen im Anmarsch: Die Katze ist aus dem Sack. Das Autohaus Hahn aus Pforzheim mit Fahrzeugmarken aus dem VW-Konzern wird in Niefern-Vorort im Gewerbegebiet die Tafel auf der großen Gewerbefläche neu decken.

"Das ist schon mal besser als vorher."
Gemeinderat Erik Schweickert (FDP)

Vor zwei Wochen hatten zehn Autofirmen überraschend auf einen Schlag das Gebiet geräumt. Unter dem Titel „Gebrauchtwagenwelt und Weltauto“ hat Hahn einen Bauantrag eingereicht, den der Gemeinderat in der jüngsten Sitzung zur Kenntnis nahm. Die Firma will ein Gebäude für die Aufbereitung der Autos bauen und Bürocontainer aufstellen. Auf dem Areal sind rund 240 Parkstreifen für Fahrzeuge vorgesehen.

„Das ist schon mal besser als vorher“, kommentierte FW/FDP-Fraktionsvorsitzender Erik Schweickert die Ansiedlung. „Auto Hahn ist ein sehr seriöses Unternehmen“, sagte Alexander Kirbis (CDU). „Schon wieder eine Menge Gebrauchtautos“, so jedoch weitere Stimmen aus der Ratsrunde. Das bisherige Gewirr von Händlern und Autos zwischen dem Bereich gegenüber Rewe und der Fastfood-Filiale von Burger King war den Kommunalpolitikern seit vielen Jahren ein Dorn im Auge. Mehrere Betriebe, denen der Grundstücksbesitzer gekündigt hatte, blieben Niefern allerdings treu, sie fanden rasch Ersatzstandorte in der Gemeinde.

Autor: Ralf Steinert