Niefern-Öschelbronn
Niefern-Öschelbronn -  22.06.2026
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Brandschutzmängel an Nieferner Realschule: Sechs Klassen müssen ihre Räume sofort räumen

Enzkreis. Kein normaler Unterricht möglich, heißt es am Montagmorgen für die Klassen sechs, sieben und neun der Nieferner Realschule. Ihre Klassenzimmer sind erst mal dicht. Dazu zwei Fachräume. Fünf Wochen vor den Sommerferien. Am Freitag, so schildert es Bürgermeister Uwe Engelsberger, ist ein Schreiben der Baurechtsbehörde beim Landratsamt Enzkreis ins Haus geflattert, das es ab sofort untersagt, sich länger in den Räumen aufzuhalten – bis mit einem weiteren Rettungsweg der Schutz im Fall eines Brandes verbessert worden ist. Die Gemeinde arbeitet daran unter Hochdruck, will in zwei Wochen ein Gerüst als Provisorium stehen haben. Doch am Montag muss die Schulleitung erst mal eilig neue Räume für heimatlose Klassen finden. Das Ziel: An diesem Dienstag oder Mittwoch soll der Unterricht wieder uneingeschränkt laufen können.

Kirnbach-Schule Brandschutz
Eines der gesperrten Klassenzimmer im ersten Stock der Kirnbachschule: Nieferns Rathauschef Uwe Engelsberger ist unglücklich darüber, dass Versäumnisse beim Brandschutzkonzept die Einrichtung nun zur großen Umorganisation zwingen. Die heimatlosen Klassen müssen umziehen – etwa in Fachräume. Foto: Meyer

Problem schwelt seit Jahren

Aus heiterem Himmel kommt das Problem nicht. Engelsberger tut das leid für die Schüler und für die Schule. Denn dahinter steckt ein Ringen um ein neues Brandschutzkonzept, das sich zu lange hingezogen hat. Darauf verweist auch das Landratsamt. Eine Neuordnung der Flucht- und Rettungswege sei schon seit Februar 2020 vorgesehen gewesen. Die Freigabe fürs Brandschutzkonzept sei 2023 erfolgt, sagt Rathauschef Engelsberger. Danach hätten Personalausfälle im Fachamt, darunter eine längere krankheitsbedingte Auszeit, die Umsetzung aufgehalten. Im April hatte das Landratsamt sich vor Ort umgesehen und festgestellt, dass eine ganze Liste an Maßnahmen noch fehlte: Treppenhäuser, die nicht über Flure, sondern direkt ins Freie führen, sichere Rauch- und Brandabschnitte und einen weiteren Rettungsweg neben den bestehenden Treppenhäusern. Die Gemeinde versuchte aufs Tempo zu drücken.

Engelsberger, Rathauschef seit dem Sommer 2024, schaltete sich selbst in die Planungsbesprechungen ein, um schnelle Entscheidungen möglich zumachen. Heute sei es möglich, dass die provisorische zweite Rettungstreppe in zwei Wochen stehen könnte. Sollte das klappen, könnten die Klassen zurück in ihre angestammten Räume. Auch beim Gesamtkonzept sei man mittlerweile auf einem guten Weg – in enger Abstimmung mit dem Landratsamt. Er habe gehofft, dass die Kraftanstrengungen, „unsere Versäumnisse schnellstmöglich aufzuholen“, anerkannt würden, um das Schuljahr normal beenden zu können. Das habe leider nicht geklappt. Umso dankbarer ist Engelsberger Rektorin Sylvia Schleifer-Dürr, dass sie mit ihrem Team eine schnelle Lösung etwa mit Fachräumen erarbeitet, dass es mit dem Unterricht weiter geht. Möglich, so Engelsberger, dass Bio dann erst mal nicht mehr im Bio-Raum stattfinden könne. Das wären Einschränkungen, die das ganze Schulzentrum betreffen.

Insofern hat die Teilsperrung Folgen für alle der rund 700 Kinder und Jugendlichen der Real- oder der Grund- und Werkrealschule. Direkt ohne Klassenzimmer seien insgesamt sechs Klassen, so der Rathauschef. Froh ist Engelsberger darüber, dass die Prüfungen zur Mittleren Reife so gut wie vorbei seien. In anderen Jahrgängen werden freilich noch Arbeiten geschrieben.

Wird Ende des Jahres alles fertig?

Die Schule sei unglücklich über die Situation, sagt der Bürgermeister. Er habe die Leitung zwar schon vor einigen Tagen vorwarnen können, doch viel Zeit war nicht. Den Elternbeirat hat Engelsberger selbst informiert.

Im Schulgebäude – betroffen ist der Altbau an der Enz, der laut Hauptamtsleiter Ekkehard Vogel aus den 1950er-Jahren stammt – sieht man an den Treppenhäusern, dass mit Veränderungen begonnen wurde. In den Sommerferien und danach wird weitergearbeitet. An die Westfassade des Altbaus kommt die endgültige Stahl-Außentreppe. Engelsbergers Ziel ist es, Ende des Jahres fertig zu sein. Bis dahin soll das Provisorium für Entspannung sorgen.

Dem Enzkreis hat am Ende alles zu lange gedauert. Man vermisse weiter ausreichende Nachweise und umgesetzte Maßnahmen. Bei Schulen müsse man besonders sensibel sein, so das Landratsamt. Es gehe um den Schutz von Leben und Gesundheit, sollte es einmal brennen. Das habe Vorrang „vor organisatorischen oder wirtschaftlichen Erwägungen“.

Engelsberger hat dafür Verständnis. Er denkt an die Brandkatastrophe von Neujahr im Skiort Crans Montana. Dort sind neben den Betreibern auch die Behörden ins Visier geraten, weil der Brandschutz nicht überprüft worden war.

Fluch der strengen Auflagen: Ein Kommentar von Alexander Heilemann

"Gut, eines vorneweg: Die Gemeinde Niefern-Öschelbronn hat zu lange gebraucht, um ein vor Jahren erarbeitetes Brandschutzkonzept umzusetzen. Das räumt Bürgermeister Uwe Engelsberger offen ein. Und das Landratsamt kann nicht die Augen schließen, wenn ein Sicherheitsproblem lange bekannt ist. Aber hinter allem stehen mal wieder die immer strengeren Brandschutzbestimmungen, die Lösungen oft technisch schwierig und teuer machen. Sie sind längst ein Lieblingsbeispiel vieler für überbordende Bürokratie. Aber eigentlich zeigen sie etwas anderes. Falls wirklich mal etwas passiert, sind wir als Gesellschaft immer sofort auf der Suche nach Schuldigen. Wer hat nicht genug getan, um das Unglück zu verhindern? Also versucht man, Sicherheit so detailliert wie möglich zu planen. Und diese Regeln müssen die Fachbehörden durchsetzen. Koste es, was es wolle."