Niefern-Öschelbronn
Niefern-Öschelbronn -  12.09.2018
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Graffiti-Frage in Niefern trennt Künstler und Gegner

Niefern-Öschelbronn. Niefern diskutiert über geplante Ausstellung von gesprayten Werken. Künstler der Szene melden sich zu Wort und sehen Vorteile.

Die Schmierereien an der Rückseite der alten Schulturnhalle in Niefern sollten eigentlich Leinwänden mit Graffiti weichen. Es gibt Gegner aber auch Befürworter des Vorschlags. Foto: Steinert, pz-archiv
Die Schmierereien an der Rückseite der alten Schulturnhalle in Niefern sollten eigentlich Leinwänden mit Graffiti weichen. Es gibt Gegner aber auch Befürworter des Vorschlags. Foto: Steinert, pz-archiv

An der Rückseite der Schulturnhalle in Niefern sollen Graffiti gezeigt werden, die im Jugendhaus entstanden sind. Das Anti-Graffiti-Mobil hält das wegen möglicher illegaler Schmierereien, die in der Nähe hinzukommen könnten, für keine gute Idee (die PZ berichtete). Sollte es dazu kommen, werde man die Arbeit, Schmierereien in Pforzheim und dem Enzkreis kostenlos und mit Hilfe straffälliger Jugendlicher entfernen, in der Gemeinde einstellen, drohen die Projektleiter. Unterstützung kommt auch von der FW/FDP-Fraktion in Niefern-Öschelbronn, die das Thema im Gemeinderat behandeln möchte. Graffiti-Künstler aus der Region warnen vor schnellen Vorurteilen. Einer von ihnen, Sebastian Bauer aus Wilferdingen, sieht in dem Projekt an der Schulturnhalle gar Vorteile für den Ort – solange gewisse Dinge beachtet würden.

Durch legale Möglichkeiten, sich mit der Spraydose austoben zu können, würden sich Künstler akzeptiert fühlen und im Gegenzug auch auf die Gemeinde zugehen, meint Bauer – sprich weniger illegal sprühen. Der 28-Jährige und weitere Kenner und Mitglieder der Szene, die sich mittlerweile an die Redaktion gewandt haben, plädieren dafür, Kunst und Vandalismus nicht über einen Kamm zu scheren. „Die Kritzeleien, die das Anti-Graffti-Mobil entfernt, haben nichts mit Graffiti zu tun“, sagt der Wilferdinger, der das Projekt lieber Anti-Schmierer-Mobil nennen würde. Die Macher vom Haus des Jugendrechts sowie Mitglieder der Malerinnung Pforzheim/Enzkreis/Neuenbürg würden aber keinen Unterschied machen. Dabei werde Graffiti immer mehr salonfähig und eben als Kunst wahrgenommen. Erst im vergangenen Jahr hatte Bauer mit weiteren Kunstschaffenden der Szene in der mittlerweile abgerissenen Kundenhalle der Hauptsparkasse in Pforzheim mit der Ausstellung „Playground“ für Aufsehen gesorgt.

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Doch lediglich die Fläche für Kreatives aus der Spraydose zur Verfügung zu stellen, mache keinen Sinn und gehe nach hinten los, so Bauer weiter. „Zuallererst müssen die Jugendlichen gefragt werden, ob sie überhaupt Lust auf eine Graffitiwand haben.“ Und dazu gehöre auch, den Platz sauber zu halten und ihn zu pflegen. „Wenn kein Bedarf und auch keine Bereitschaft dazu da ist, würde ich es sein lassen“, sagt der Wilferdinger. Sonst könne ein solcher Sprayer-Treff schnell ein negatives Bild abgegeben und es auch wie befürchtet in der Umgebung zu Schmierereien kommen.

PZ-news.de hat nach der Meinung seiner Nutzer gefragt. Die Ergebnisse sind unter dem Link www.pzlink.de/graffiti zu lesen.

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Autor: Dennis Krivec