Niefern-Öschelbronn
Niefern-Öschelbronn -  01.07.2020
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Kraftakt gegen die Krise: Trotz Finanzschwächen stemmt Niefern-Öschelbronn diese beiden Großprojekte

Niefern-Öschelbronn. Nächste Woche will der Gemeinderat Niefern-Öschelbronn in einer Sondersitzung Nägel mit Köpfen machen, wie es nach Einbrüchen bei den Finanzen in der Corona-Krise weitergeht. Verluste vor allem bei der Gewerbesteuer schlagen heftig zu Buche. Und noch ist nicht ganz klar, wie kräftig Bund und Land in diesem Punkt den Kommunen unter die Arme greifen.

Dennoch hat die Ratsrunde jetzt die Weichen für zwei wichtige Projekte gestellt, die viel Geld kosten. So steht fest, dass der Umbau der historischen Schmiede in Öschelbronn zu einer Kulturstätte anläuft. Außerdem beschloss das Gremium den Einstieg in ein Nahwärmenetz, das in Niefern den Bereich von den Schulen und Bädern bis zu zahlreichen Wohnhäusern abdecken wird.

Der Verein Alte Schmiede, dessen Gründungsväter vor acht Jahren ein Konzept für die Sanierung des Industriedenkmals aus dem Hut gezaubert hatten, brenne darauf, dass es endlich losgeht, sagte Bürgermeisterin Birgit Förster. Die Gemeinde hatte 2012 das Schöpf’sche Haus gekauft, die Sanierung musste allerdings zwei Mal verschoben werden – die Kommune musste zuerst den Bahnhof modernisieren und das neue Schulgebäude finanzieren. Das Geld reichte nicht auch noch für die Schmiede. Für das Leuchtturmprojekt, das „Identität schafft“, wie SPD-Ratsmitglied Jürgen Aydt sagte, kann die Verwaltung nun aber das Baugesuch ans Landratsamt schicken. Das Ratsgremium gab dafür einstimmig grünes Licht. Architekt Tilman Holzer, der schon den Bahnhof in ein Schmuckstück verwandelt hat, erläuterte dem Gemeinderat seine Vorstellungen.

Die Schmiede erhält demnach ein Café mitsamt einem Mehrzweckraum für Veranstaltungen, das Obergeschoss wird zu einer Galerie für Ausstellungen oder Führungen durch den musealen Bestand des früheren Betriebs. Die Kosten des Umbaus stehen noch nicht fest. Fachingenieure untersuchen zunächst den Aufwand für die Elektro- und Gebäudetechnik. Kosten für die Arbeit der zwei Büros: 100.000 Euro. Für die gesamte Umrüstung des einstigen Industriegebäudes sind bisher grob zwei Millionen Euro veranschlagt worden. Der Verein wird mit Eigenleistungen den Etat um bis zu 125.000 Euro entlasten.

Offen ist allerdings, wie die einzelnen Bauabschnitte ablaufen. „Da sind noch viele Gespräche nötig, auch über die Zahl der Veranstaltungen in der Schmiede“, sagte Erik Schweickert, Vorsitzender der FW/FDP-Fraktion. Eine Art Kopie des Bahnhofs könne das Haus in Öschelbronn nicht werden, so Schweickert. „Das darf nicht ein Millionengrab sein“, warnte Friedhelm Burkhard (CDU).

Wärme für viele Wohnungen

Auf den Weg macht sich die Gemeinde auch mit einem Großprojekt für den Klimaschutz. Nahwärme soll in Niefern künftig ein ganzes Quartier im Umfeld von Schulen und Kirnbachhalle versorgen – das Gebiet erstreckt sich zwischen Bohnenberger Straße, Siedlungsstraße und Schauinsland bis hin zur Hauptstraße.

In der ersten Stufe ist in den Schulgebäuden eine Heizzentrale mit einem Blockheizkraftwerk vorgesehen. Noch nicht bestimmt hat die Ratsrunde den weiteren Ausbau mit zwei Systemen bei der Kläranlage. Die Planer bereiten eine Informationsveranstaltung für die Einwohner vor.

Autor: Ralf Steinert