Niefern-Öschelbronn
Niefern-Öschelbronn -  20.07.2020
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Rassler, Bauer, Goldschmied – eine musikalisch-literarische Spurensuche mit Folkclub Prisma

Niefern-Öschelbronn. Ländler und langsame Polka, Walzer und Mazurka, Volkslied und Polonaise: Abwechslungsreiche Musik umrahmte die Zeitreise in die Ära der Goldschmiedsbauern in der gut besuchten Öschelbronner Steighalle. Vier Musiker des Folkclubs Prisma einten ganz unterschiedliche Puzzle-Steine – Lieder, Texte und Zitate – zu einer facettenreichen Hommage an die „Rassler“ vom Land, die fast ein Jahrhundert auch das Pforzheimer Stadtbild geprägt haben.

Die Erinnerung an die Pendler, die zwischen 1850 und 1945 täglich bereit waren, für einen sicheren Arbeitsplatz in der Schmuckindustrie Fußmärsche von bis zu sechs Stunden auf sich zu nehmen, wurde so lebendig – und manch einer der knapp 50 Zuhörer in der Steighalle schien daran teilzuhaben. „Immer wieder“, so schilderte Initiator Christian Roch im PZ-Gespräch, sei es „bei zurückliegenden Veranstaltungen zu Begegnungen mit dem Publikum gekommen, bei denen auch schon mal die genagelten Schuhe des Großvaters mitgebracht wurden.“

Die musikalisch-literarische Spurensuche begann Christian Roch im Vorfeld des Jubiläumsfestivals „250 Jahre Goldstadt Pforzheim“. Die Lebensbedingungen der Rassler, die „keine Solidarität mit den Städtern zeigten“ und deren (einzige) Absicherung der eigene Acker blieb, seien nach wie vor von Interesse. Anfragen, das Programm erneut aufzuführen, kämen vor allem aus dem Enzkreis, aus den Herkunftsorten der Rassler. Die Aufführung vom Sonntag war im Rahmen des vom Regionalverband Nordschwarzwald initiierten „Kultursommers 2020“ geplant – und ursprünglich für den Kultur-Bahnhof in Niefern vorgesehen. Doch die Abstandsregeln machten das Ausweichen in die größere Steighalle notwendig: Technisch eine Herausforderung, was die konzertante Beschallung anlangt – und von Markus Korn hervorragend gelöst.

Auf der Bühne musizierten, sprachen und sangen: Christina Geruschkat (Violine und Concertina), Roland Bliesener (Keyboard und Sound-Effekte), Sven Puchelt (Gitarre, Ukulele, Hackbrett, Bodhrán) und Christian Roch (Akkordeon, Flöte, Kazoo und Ukulele), dem initialen Ideengeber der Rassler-Recherche, wie des Programms. Der Repertoirebogen reichte vom Volkslied „O Schwarzwald, o Heimat“, das auf den Pforzheimer Dichter Ludwig Auerbach zurückgeht, über Willy Rosens 20er-Jahre-Evergreen „Miese Zeiten“, bis zu Roland Blieseners Eigenkomposition „Wer bist Du“. Am Ende des Konzerts applaudierten zahlreiche Zuschauer stehend.

Weitere Infos unter www.niefern-oeschelbronn.de

Autor: Robin Daniel Frommer