Niefern-Öschelbronn
Niefern-Öschelbronn -  06.06.2021
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Schnellste Deutsche seit 2007: Carolina Krafzik rennt zum DM-Titel - auch Constantin Preis siegt

Braunschweig. Bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften haben sich Carolina Krafzik und Constantin Preis die Titel über 400 Meter Hürden geschnappt. Die 26-jährige aus Öschelbronn siegte in Braunschweig mit überragender Zeit. Im Finale war Carolina Krafzik nach 54,89 Sekunden im Ziel, nachdem sie im Vorlauf zwar persönliche Bestzeit gelaufen, in 55,43 Sekunden aber noch an der Olympia-Norm vorbeigeschrammt war.

Leichtathletik: Deutsche Meisterschaft
Carolina Krafzik jubelt im Ziel.

„Ich bin einfach nur glücklich, ehrlich gesagt. Ich wollte die Norm unbedingt“, sagte Carolina Krafzik noch auf der Bahn im ARD-Interview. Während sie im Finale von Beginn an auf Kurs war, konnte der Pforzheimer Preis, der ebenfalls für den VfL Sindelfingen startet, erst zum Ende hin die gesamte Konkurrenz hinter sich lassen. Auch er konnte sich deutlich steigern. Preis bewältigte die lange Hürden-Distanz im Finale in 49,32 Sekunden. Am Samstagvormittag war er bei seinem Sieg im Vorlauf um 59 Hundertstel Sekunden langsamer gewesen.

Als Zweiter schaffte es am Sonntag Emil Agyekum (Berlin/50,20) aufs Podest. Luke Campbell (Frankfurt/ 50,70), der schnell angegangen war, rettete immerhin den dritten Platz.

Krafzik von Beginn an vorne

Bei den Frauen ging Carolina Krafzik auf Bahn 6 ins Rennen. Schon nach 14 Sekunden hatte sie beide vor ihr gestarteten Läuferinnen eingeholt, und bald danach war offensichtlich, dass sie in einem einsamen Rennen ihren dritten DM-Titel erlangen würde.

Im Ziel machte Carolina Krafzik kurz einen ungläubigen Eindruck. Dann jubelte sie und feierte noch mehr als den Sieg ihre deutliche Steigerung. Die Kölnerin Christine Salterberg (58,04) als Zweite lief immerhin auch persönliche Bestzeit für 2021, war aber über drei Sekunden hinten dran. Die stärker eingeschätzte Djamila Böhm (Düsseldorf) 58,29 belegte Platz drei. Carolina Krafzik braucht sich mit ihrer neuen Bestzeit auch europaweit nicht mehr zu verstecken. Die Lehrerin gab allerdings auch zu verstehen, dass sie nicht sicher war, ob sie nach der knapp verpassten Norm am Samstag im Finale schneller laufen könnte. Bei Olympia in Tokio würde sie ihre Zeit gerne bestätigen oder sogar unterbieten. Bei der DM könnte die nasse Bahn Hundertstel Sekunden gekostet haben. Doch Carolina Krafzik mochte kein Haar in der Suppe suchen, sondern den Tag so gut als möglich genießen.

Carolina Krafzik will noch mehr

Fünf Stunden nach dem Rennen, während der Heimfahrt stand die Hürdenläuferin der „Pforzheimer Zeitung“ Rede und Antwort. „Es ist schon ’ne Wahnsinnszeit, auf jeden Fall, ich bin super-happy damit.“ Die Trippelschritte, die die Fernseh-Kommentaroren leicht kritisch angemerkt hatten, waren nach Aussage von Carolina Krafzik teilweise geplant. Vorgesehen sind nun auf jeden Fall erst einmal zwei, drei Tage Ruhe, an denen die Hürdenläuferin nicht zuletzt auf etliche Glückwünsche reagieren will: „Ich freue mich über jede einzelne Nachricht.“

Am Ort des Geschehens hatte sie sich quasi auch über jeden einzelnen Zuschauer gefreut. Anders als vor einem Jahr musste das Stadion wegen der Corona-Pandemie immerhin nicht komplett leer bleiben. Auf den letzten 50 Metern, als sie schon klar vorne lag, konnte Carolina Krafzik die Anfeuerungen genießen.

In Tokio wird sie maximal dreimal im Einsatz sein. „Halbfinale? Auf jeden Fall – und dann mal schauen, was noch passiert“, sagte sie. Noch lange nach dem Zieleinlauf äußerte sie sich voll Euphorie.

Einige Minuten nach Carolina Krafzik war Preis an der Reihe. Der 23-Jährige hat die Norm noch nicht unterboten, doch das beunruhigt den dreimaligen Meister nicht: „Eine 49,3 beim Saisoneinstieg, darauf lässt sich aufbauen.“