Ölbronn-Dürrn
Ölbronn-Dürrn -  27.07.2020
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Nach brutalem Banküberfall in Ölbronn vor sechs Jahren: Mehrjährige Freiheitsstrafe für 48-jährigen Italiener

Pforzheim/Ölbronn-Dürrn. Ruhig, beinahe stoisch, nahm der 48-jährige Italiener, der am Montag vor der auswärtigen Großen Strafkammer des Landesgerichts Karlsruhe zum zweiten und finalen Verhandlungstag auf der Anklagebank im großen Saal des Amtsgerichts Pforzheim Platz genommen hatte, das Urteil des vorsitzenden Richters, Andreas Heidrich, entgegen: „Der Angeklagte wird wegen besonders schweren Raubs zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die Einziehung des Wertersatzes in Höhe von 5900 Euro wird angeordnet.“

Ein Geständnis führte am Montag zu einem schnellem Urteil für einen Bankräuber. Symbolbild
Ein Geständnis führte am Montag zu einem schnellem Urteil für einen Bankräuber. Symbolbild

Der nunmehr verurteilte Bankräuber mit italienischer Staatsangehörigkeit hatte im Mai 2014 die Volksbankfiliale in Ölbronn betreten, bewaffnet mit einem Messer und einer Pistole. Nachdem er einen der Bankmitarbeiter bedroht hatte, gelang es ihm, mit der Beute von 5900 Euro nach Sizilien zu flüchten und dort unterzutauchen. Rund 100 Polizeibeamte waren seinerzeit an der umfangreichen Suche nach dem damals Flüchtigen vor Ort beteiligt. Straßen wurden gesperrt, Anwohner befragt, ein Hubschrauber eingesetzt.

Viele Indizien

Teile des Kennzeichens, auf dem Nummernschild des Fluchtautos waren durch Zeugen notiert und der Polizei mitgeteilt worden. Auch die Sturmhaube, die der Täter während des Überfalls getragen hatte, konnte wenig später sichergestellt werden.

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Das habe vor allem an der schlecht vorbereiteten Tat gelegen, wie es Verteidiger Stefan Holoch formulierte:

„Mit dem Klammerbeutel gepudert ist jeder potenzielle Bankräuber, der mit dem eigenen Auto zum Tatort fährt und dort die Aufmerksamkeit verschiedener Zeugen auf sich zieht, weil er so auffällig parkt.“

Da habe sich einer so blöd angestellt, wie es schlimmer kaum gehe, so Holoch. Dieser offensichtliche Dilettantismus bei der Tatvorbereitung sei ein eindeutiges Zeichen für die Notlage des Angeklagten. Daher sollte ein minderschwerer Fall angenommen werden.

Staatsanwältin Christine Roschinski sagte zuvor in ihrem Plädoyer, dass es sich aufgrund der Bewaffnung des Räubers eben nicht um eine minderschwere Tat gehandelt habe: „Was in Frage steht, ist, ob man dem Angeklagten abkaufen möchte, dass es sich um ein Feuerzeug und nicht um eine Pistole gehandelt hat – Ich mache das nicht.“ Roschinski sprach sich für eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten aus.

Richter Heidrich näherte sich in seinem Urteil dem von der Staatsanwaltschaft angedachten Strafmaß an. Der Angeklagte sei bewaffnet mit einem Messer in die Bank gegangen und einen Gegenstand bei sich gehabt, der wie eine Pistole ausgesehen habe.

„Auch ohne das Geständnis des Angeklagten, wäre die Tat – wenngleich sehr viel mühsamer – nachzuweisen gewesen“, so Heidrich.

Der Strafrahmen für besonders schweren Raub liege bei fünf bis 15 Jahren. Für den Angeklagten spreche sein frühes Geständnis. Die Erwägung des Verteidigers, er habe aus Geldnot heraus gehandelt, treffe sicher zu, aber damit reihe sich sein Fall in eine Legion von Raubtaten ein, die genau deswegen begangen würden. „Wer keine finanzielle Not hat und schlau ist, der begeht ja keinen Raub“, so Heidrich. „Wir haben hier jemanden vor uns, der im Laufe seines Lebens mehrfach und massiv straffällig geworden ist und der offensichtlich ein Problem hat mit Waffen.“ Wenn man alles zusammennehme, dann spreche das gegen einen minderschweren Fall.

Autor: tim