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Ötisheim -  29.06.2026
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Stichwahl am 12. Juli: So schätzen Speidel und Terhorst ihre Chancen ein

Ötisheim. Der erste Wahlgang ist vorbei, der Wahlkampf beginnt praktisch von vorn. Die Ausgangslage ist allerdings klar: Mit 48 Prozent der Stimmen geht Matthias Speidel als Favorit in die Stichwahl um das Ötisheimer Rathaus. Julius Terhorst liegt zwar deutlich zurück, hat das Rennenaber noch nicht abgeschrieben. Bis zum 12. Juli wollen beide Kandidaten möglichst viele Wähler überzeugen, die sich im ersten Wahlgang für einen anderen Bewerber entschieden hatten.

Stapel für Stapel werden die Stimmzettel ausgezählt: Erst nach der Arbeit der Wahlhelfer stand fest, dass die Bürgermeisterwahl in Ötisheim in die Stichwahl geht.
Stapel für Stapel werden die Stimmzettel ausgezählt: Erst nach der Arbeit der Wahlhelfer stand fest, dass die Bürgermeisterwahl in Ötisheim in die Stichwahl geht. Foto: Röhr

Dass ihn die knapp verpasste Entscheidung beschäftigt, verhehlt Speidel nicht. „Es wäre gelogen, wenn ich das sagen würde“, sagt der 39-jährige Oberstleutnant einen Tag nach dem Wahlabend. Ein bis zwei Stunden habe er gebraucht, um das Ergebnis zu verarbeiten. Immer wieder habe er überlegt, welche Faktoren am Ende den Ausschlag gegeben haben könnten. „46 Stimmen – da rechnet man natürlich nach.“ Viel Zeit zum Grübeln blieb allerdings nicht. Noch am Sonntagabend begann er gemeinsam mit seinem Team mit den Vorbereitungen auf die Stichwahl.

„Wir waren fest darauf eingestellt. Das war die wahrscheinlichste Option“, sagt er.

Strategie hat sich bewährt

An seiner Strategie will der 39-Jährige nichts ändern. Der persönliche Austausch mit den Bürgern habe sich im bisherigen Wahlkampf bewährt. „Jetzt heißt es, weiter das zu verfolgen, was ich bisher gemacht habe – demütig, offen und ehrlich mit den Leuten sprechen.“ Die mehr als 1100 Stimmen verstehe er als großen Vertrauensbeweis. Nun gelte es, diese Unterstützung in den kommenden zwei Wochen zu erhalten.

Auch nach dem ersten Wahlgang bewertet Speidel die Situation nüchtern. „Militärisch gesprochen würde ich sagen: keine wesentliche Lageänderung.“ Dass Julius Terhorst sein Gegner in der Stichwahl sein würde, habe er ebenso erwartet wie den eigenen Einzug. Deshalb müsse die Strategie nicht grundlegend angepasst werden. Ob ihm am Ende 46 oder 100 Stimmen zur absoluten Mehrheit gefehlt hätten, spiele dafür keine Rolle.

Sein Kontrahent Julius Terhorst will den deutlichen Rückstand aus dem ersten Wahlgang in den kommenden zwei Wochen noch aufholen. Der 28-jährige Diplom-Verwaltungswirt (FH) und Polizeioberkommissar sieht trotz der Ausgangslage weiterhin Chancen. „Ich habe zwei Wochen Zeit, das Blatt zu wenden“, sagt er.

Überrascht habe ihn vor allem das Abschneiden der übrigen drei Bewerber. „Ich hätte erwartet, dass sie mehr Stimmen bekommen.“ Dadurch hätten sich viele Wähler wohl für Speidel entschieden. Die knapp 800 Stimmen für seine Kandidatur wertet Terhorst dennoch als klaren Auftrag. „Die Menschen, die mich gewählt haben, finden gut, was ich mache.“ Nun wolle er erneut möglichst viele Bürger persönlich erreichen – unter anderem mit einem weiteren Haustürwahlkampf.

An Wahlprogramm orientiert?

Als möglichen Grund für den Rückstand nennt Terhorst sein Alter. „Mutmaßlich lag es daran“, sagt der 28-Jährige. Dieses Thema sei immer wieder aufgegriffen worden. Gleichzeitig ist Terhorst überzeugt, inhaltlich einen starken Wahlkampf geführt zu haben. Er habe großen Wert auf ein ausführliches Wahlprogramm gelegt, Bürger über eine Umfrage eingebunden und beobachtet, dass einzelne Themen später auch von Mitbewerbern aufgegriffen worden seien. „Das habe ich für mich festgestellt.“ Aufgeben kommt für ihn deshalb nicht infrage.

„Ich bin keiner, der beleidigt ist oder ein gekränktes Ego hat“, sagt Terhorst. „Ich bin bereit, weiter zu kämpfen.“

Unterdessen laufen im Rathaus die Vorbereitungen für die Stichwahl am 12. Juli. Der Gemeindewahlausschuss hat das Ergebnis des ersten Wahlgangs am Montagvormittag offiziell festgestellt. Danach werden die Stimmzettel gedruckt, damit die Briefwahlunterlagen möglichst schnell verschickt werden können. Bürgermeister Werner Henle wies am Wahlabend allerdings auf Probleme bei der Zustellung der Wahlbenachrichtigungen hin. In den vergangenen Tagen hätten sich mehrfach Bürger gemeldet, die ihre Unterlagen nicht erhalten hätten. Wer bis zum Wochenende noch keine Wahlbenachrichtigung im Briefkasten habe, solle sich deshalb an das Rathaus wenden. Nach Einschätzung Henles geht die Wahlbeteiligung, die am Sonntag bei 61,8 Prozent lag, bei Stichwahlen erfahrungsgemäß leicht zurück. Ob sich dieser Trend auch in Ötisheim bestätigt, wird sich am 12. Juli zeigen.