Vor der Wahl in Ötisheim: Fünf Fragen an die Bürgermeisterkandidaten
Ötisheim. Diesen Sonntag findet die Bürgermeisterwahl in Ötisheim statt. Fünf Kandidaten wollen den Chefposten im Rathaus erobern, nachdem sich Amtsinhaber Werner Henle nach 32 Jahren in den Ruhestand verabschiedet. PZ-news hat ihnen vorab fünf Fragen gestellt.
1. Was ist aus Ihrer Sicht aktuell die größte Baustelle in Ötisheim?
Julius Terhorst: Ötisheim wurde durch die Verwaltung und den Gemeinderat über Jahrzehnte vorausschauend und verantwortungsbewusst geführt. Die kommenden Jahre werden gerade finanziell sehr herausfordernd. Deshalb muss gut und zielgerichtet gearbeitet werden, damit unser Haushalt nicht zur Baustelle wird. Wichtig ist auch, die Transparenz und den Informationsfluss zu den Bürgern zu verbessern.
Matthias Speidel: Die größte Baustelle ist für mich derzeit, Vertrauen und Stabilität in der Verwaltung zu stärken. Dabei zählt kein blinder Aktionismus. Ich will zuerst zuhören, die Lage offen beurteilen und die Mitarbeitenden durch Wertschätzung und gelebte Fürsorge mitnehmen. Dazu gehören auch direkte, konstruktive Gespräche. Denn nur einer Verwaltung, die sich selbst vertraut, können auch die Bürger vertrauen.
Stefanie Ayasse-Repple: Die größte Baustelle ist aus meiner Sicht, Ötisheim zukunftsfest zu machen, ohne dabei seine Stärken zu verlieren. Wir müssen die Kinderbetreuung stärker an die Lebensrealität berufstätiger Familien anpassen, unsere Verwaltung bürgernäher und digitaler aufstellen und gleichzeitig unsere finanzielle Handlungsfähigkeit sichern. Die Herausforderung besteht darin, die richtigen Prioritäten zu setzen: Bewährtes erhalten, neue Impulse zulassen und die Menschen bei wichtigen Entscheidungen frühzeitig mitnehmen.
2. Was möchten Sie in den ersten 100 Tagen Ihrer Amtszeit konkret anpacken?
Julius Terhorst: Aktionismus ist hier fehl am Platz. Es wird zunächst darum gehen, alle Mitarbeiter der Gemeinde persönlich kennenzulernen. Für eine leistungsfähige Verwaltung brauchen wir eine motivierte und engagierte Mannschaft. Das Betriebsklima spielt dabei eine entscheidende Rolle. Das möchte ich gezielt fördern.
Matthias Speidel: Die ersten 100 Tage sind für mich keine Schonfrist. Ich möchte Verwaltung und Einwohnerschaft näher zusammenbringen, Vertrauen schaffen und die Lage sorgfältig beurteilen. Zugleich will ich Digitalisierungsprozesse anstoßen, etwa die Heimat-Info-App, welche in rund acht Wochen umsetzbar wäre. Danach beginnt frühzeitig die Haushaltsberatung 2027; laufende Projekte begleite ich konsequent weiter.
Stefanie Ayasse-Repple: In den ersten 100 Tagen möchte ich vor allem zuhören, vernetzen und Strukturen schaffen. Dazu gehören feste Bürgersprechstunden, Gespräche mit Vereinen, Unternehmen, Schulen und Kindergärten sowie die Einrichtung erster „Runder Tische“. Gleichzeitig möchte ich mir einen umfassenden Überblick über laufende Projekte, Finanzen und Handlungsbedarfe verschaffen.
3. Die Kommunen stehen finanziell unter Druck. Wo würden Sie sparen – und wo auf keinen Fall?
Julius Terhorst: Der finanzielle Druck in Ötisheim ist nicht hausgemacht. Er ist das Ergebnis der Übertragung einer Vielzahl an Aufgaben auf die Kommunen, ohne diese entsprechend finanziell auszustatten. Diese Entwicklung muss umgekehrt werden. Wir wollen die Gemeinschaft stärken und eine lebenswerte Gemeinde sein. Deshalb müssen Einrichtungen wie das Freibad erhalten werden.
Matthias Speidel: Der Erhalt unseres Freibades ist für mich ein klares Ziel. Darüber hinaus müssen wir Ausgaben und Projekte stets langfristig bewerten – wirtschaftlich, transparent und mit gesundem Menschenverstand. Nicht jeder Zuschuss macht ein Vorhaben dauerhaft tragfähig. Wir müssen Fördermittel voll ausschöpfen. Ötisheim muss neben seiner Unabhängigkeit auch seine finanzielle Handlungsfähigkeit bewahren.
Stefanie Ayasse-Repple: Sparen darf nicht zum Selbstzweck werden. Ich möchte deshalb nicht pauschal kürzen, sondern Ausgaben konsequent auf ihren Nutzen prüfen und Prioritäten setzen. Nicht sparen möchte ich bei Kinderbetreuung, Bildung, Ehrenamt und der öffentlichen Daseinsvorsorge. Gleichzeitig müssen wir Prozesse effizienter gestalten (Digitalisierung), Fördermittel konsequent nutzen und Investitionen langfristig planen, um teure Reparaturlösungen zu vermeiden.
4. Welches Projekt möchten Sie bis zum Ende Ihrer ersten Amtszeit unbedingt umgesetzt haben?
Julius Terhorst: Das Neubaugebiet Hofäcker bietet uns als Gemeinde die Möglichkeit, Wohnraum für verschiedenste Bedürfnisse und Lebenssituationen zu schaffen. Häuser und Wohnungen für Familien und barrierefreier Wohnraum für Senioren sollen in angemessenem Verhältnis entstehen, damit Menschen in Ötisheim ihr Zuhause finden.
Matthias Speidel: Ich möchte das Baugebiet Hofäcker bis zum Ende meiner ersten Amtszeit entscheidend voranbringen. Die Diskussion darüber ist kontrovers, deshalb braucht es Transparenz und eine saubere Abwägung. Kosten, Wasserversorgung, Verkehr und Folgewirkungen müssen von Beginn an mitgedacht werden. Über die gesamte Amtszeit möchte ich dabei ein erreichbarer Bürgermeister für die Bürgerinnen und Bürger sein.
Stefanie Ayasse-Repple: Ich möchte, dass Ötisheim noch stärker zu einer Gemeinde für alle Generationen wird. Dazu gehören generationenübergreifende Begegnungsorte, ebenso wie die Schaffung von bedarfsgerechtem Wohnraum für Familien, Singles und Senioren. So stärken wir den Zusammenhalt, schaffen Lebensqualität und sorgen dafür, dass Menschen in jeder Lebensphase in Ötisheim zuhause sein können.
5. Warum sind Sie der richtige Bürgermeister für Ötisheim?
Julius Terhorst: Ich bin Diplomverwaltungswirt und habe damit den gleichen Abschluss wie der scheidende Bürgermeister. Ich bringe zehn Jahre Erfahrung als Polizist mit. Ich engagiere mich seit Jahren im Verein, habe zur Gemeinderatswahl 2024 eine eigene Liste aufgestellt und wurde als jüngstes Mitglied mit dem drittbesten Ergebnis gewählt. Die Erfahrungen, die ich bei all diesen Aufgaben sammeln durfte, haben mich gut auf die Aufgaben eines Bürgermeisters vorbereitet. Als richtiger Aizemer bringe ich auch die notwendige Heimatverbundenheit mit. Die Summe all dieser Punkte macht mich zum richtigen Bürgermeister für Aize.
Matthias Speidel: Ich verbinde 20 Jahre Führungserfahrung mit einem modernen Verständnis von Zusammenarbeit und Wertschätzung. Ich kann Menschen mitnehmen, Entscheidungen klar vorbereiten und Verantwortung übernehmen. Dazu kommen mein Studium als Vermessungsingenieur mit Schwerpunkt Land- und Stadtentwicklung, meine Verbundenheit mit Ötisheim und der feste Wille, unsere Gemeinde verlässlich weiterzuentwickeln.
Stefanie Ayasse-Repple: Weil ich Probleme pragmatisch anpacke, statt sie nur zu verwalten. Ich bringe die nötige Kompetenz mit, um klare Strukturen im Rathaus zu schaffen, und habe das Ohr nah an den Bürgern. Ich höre zu, entscheide transparent und setze entschlossen um. Ötisheim braucht keine Ideologien, sondern mutige, sachorientierte Lösungen.
Warum zwei Kandidaten fehlen
PZ-news hat allen fünf Kandidaten dieselben fünf Fragen gestellt. Antworten gingen von Julius Terhorst, Matthias Speidel und Stefanie Ayasse-Repple ein. Alexander Steblau wurde über zwei bekannte E-Mail-Adressen sowie telefonisch kontaktiert. Eine Antwort ging bis Redaktionsschluss nicht ein. Bereits nach der Landtagswahl 2026, als Steblau für die AfD kandidierte, reagierte er nicht auf Anfragen von PZ-news.
Auch nach der Bekanntgabe seiner Kandidatur für die Bürgermeisterwahl in Ötisheim war er für die Redaktion weder telefonisch noch per E-Mail erreichbar. Bei Matthias Barth lagen der Redaktion keine direkten Kontaktdaten vor. Die
Fragen konnten auch nicht über die Gemeindeverwaltung weitergeleitet werden. Ein über Dritte vermittelter Kontakt kam ebenfalls nicht zustande. Bis Redaktionsschluss lag keine Rückmeldung vor.
