Remchingen
Remchingen -  15.06.2026
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300 Kippen in zehn Minuten: Remchingen hat trotz Mülleimern ein großes Problem

Remchingen. Schnell den Einweghandschuh an und das Eimerchen zur Hand – und dann geht es los. Sabine Krieg und Ulrich Kirchenbauer von der BUND-Aktivengruppe Remchingen wagen gemeinsam mit PZ-Redakteurin Bärbel Schierling den Selbstversuch: Wie viele achtlos weggeworfene Zigarettenstummel lassen sich auf dem Parkplatz am Remchinger Rathaus in der Nähe des Unterstands in zehn Minuten einsammeln? 97 hat die PZ-Redakteurin am Ende der Zeit gezählt.

Sabine Krieg und Ulrich Kirchenbauer von der BUND-Aktivengruppe Remchingen zeigen das Ergebnis von nur wenigen Minuten Sammlung beim Parkplatz am Remchinger Rathaus.
Sabine Krieg und Ulrich Kirchenbauer von der BUND-Aktivengruppe Remchingen zeigen das Ergebnis von nur wenigen Minuten Sammlung beim Parkplatz am Remchinger Rathaus. Foto: Schierling

Die Behälter ihrer Mitstreiter sind ähnlich voll. Rund 300 Stummel kommen so in kürzester Zeit zusammen. Es könnten noch deutlich mehr werden. Und das obwohl – zugegebenermaßen recht volle – Mülleimer vorhanden sind. Das Experiment spielt zwar in Remchingen, würde wohl aber auch in vielen anderen Gemeinden zu einem ähnlichen Ergebnis führen.

Giftige Hinterlassenschaften in der Natur

Weiter geht es vorbei am Remchinger Bahnhof – auch hier finden sich zahlreiche Stummel am Bordstein, am Bahnsteig, am Rand der Dohle – zum Spielplatz in der Nähe des Sportplatzes. Unter der Sitzgruppe, in nächster Nähe zu Schaukel und Karussell, jede Menge Zigarettenkippen. „Kinder nehmen alles auf und stecken es in den Mund“, warnt Krieg. „Das kann bei Zigaretten auch tödlich sein.“

Generell sind die achtlos weggeworfenen Kippen nicht nur unschön – sondern eine Gefahr für die Natur. „Die Filter werden aus Celluloseacetat hergestellt“, sagt Krieg. Das halte sich ewig in der Natur und werde außerdem von Vögeln und Fischen aufgenommen. „Die denken dann, dass das Futter ist“, erklärt Krieg. Im Filter sammelten sich zudem Tausende Giftstoffe. „Wenn es regnet, lösen sich die Schadstoffe im Wasser“, führt sie weiter aus. So können sie im Grundwasser landen. „Das ist ein Riesenproblem“, sagt Krieg und Kirchenbauer ergänzt: „Eine Zigarette kann 1000 Liter Wasser vergiften.“

Taschenaschenbecher statt Wegschnippen

Schon ein einzelner Stummel kann also Schadstoffe ins Wasser abgeben – und am Rathausparkplatz nahe der Pfinz liegen davon binnen zehn Minuten fast 100 im Eimer. Krieg und Kirchenbauer bitten deshalb ausdrücklich darum, Stummel im Müllbehälter zu entsorgen. Sie weisen zudem darauf hin, dass es handliche Taschenaschenbecher gebe, die man unterwegs nutzen könne.

Und was tut die Gemeinde Remchingen? Die ernüchternde Antwort lautet: Gezielt kontrolliert wird nicht. Das teilt Pressereferentin Alina Di Sannio auf Nachfrage mit. Wenn der Gemeindevollzugsdienst zufällig etwas beobachte, werde die Person mündlich darauf hingewiesen. „Ein tatsächliches Bußgeld wurde bisher nicht verhängt“, so Di Sannio. Dieses würde bei 25 Euro liegen. „Wir glauben, dass eine direkte persönliche Ansprache in diesem Fall mehr bewirken kann als ein Bußgeld“, erklärt Di Sannio.

In Neuenbürg wurde bereits ein Verfahren eingeleitet

Ein Blick nach Neuenbürg zeigt: Bußgelder sind möglich – in der Praxis aber selten. Dort wurde jüngst im Gemeindeblatt auf die Gefahren durch Zigarettenstummel hingewiesen. In Neuenbürg würden beim Stadtputz jedes Jahr „unzählige Zigarettenkippen“ gefunden, hieß es . Auch dort ist ein Bußgeld möglich – sogar ein höheres. Je nach Sachlage könne es zwischen 50 und 100 Euro setzen, erklärt Hauptamtsleiterin Renate Ziegler auf Nachfrage. Und anders als in Remchingen wurde im aktuellen Jahr bereits ein Bußgeldverfahren eingeleitet.

Allerdings sind die Übeltäter wohl schwer zu überführen. Sowohl der Gemeindevollzugsdienst als auch der Polizeivollzugsdienst könnten entsprechende Vergehen feststellen und anzeigen, so Ziegler. Allerdings müsse dafür der Verursacher bekannt sein. „In der Praxis stellt dies meist eine Herausforderung dar“, erklärt sie. Erwischt der Gemeindevollzugsdienst jemanden beim Wegschnippen von Zigaretten sei er angehalten die Verursacher zunächst auf ihr Vergehen anzusprechen und zur ordnungsgemäßen Entsorgung aufzufordern. Erst bei Missachtung oder mehrfachen Feststellungen werde ein Bußgeldverfahren eingeleitet.