Remchingen
Remchingen -  12.02.2020
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Das Leben in der Ungewissheit: Die Geschichte einer Flüchtlingsfamilie aus Remchingen, die freiwillig zurück in den Irak reist

Remchingen. Khalid Al-Hilfi erträgt es nicht mehr, das Leben in der Ungewissheit. Geduldet zu sein in Deutschland – aber nur auf Zeit. Während seine Familie die Koffer packt, um am Donnerstag freiwillig zurückzukehren in den Irak, gehen Khalid die schrecklichen Bilder einer bewaffneten Gruppe durch den Kopf.

Sitzen auf gepackten Koffern: Mit gemischten Gefühlen begeben sich Mustafa, Zainab, Yasmin und Abbas Al-Hilfi mit ihren Eltern Jinan und Khalid (von links) auf die freiwillige Rückreise in den Irak. Der Remchinger Integrationsmanager Matthias Lajer (Mitte) unterstützt die Familie dabei. Foto: Zachmann
Sitzen auf gepackten Koffern: Mit gemischten Gefühlen begeben sich Mustafa, Zainab, Yasmin und Abbas Al-Hilfi mit ihren Eltern Jinan und Khalid (von links) auf die freiwillige Rückreise in den Irak. Der Remchinger Integrationsmanager Matthias Lajer (Mitte) unterstützt die Familie dabei. Foto: Zachmann

Maskierte Männer, die ihn 2015 in seiner Heimat bedroht hatten: „Schüsse sind über meinen Kopf geflogen, das Auto und die Reifen waren zerschossen, später bekam ich einen Drohbrief“, erinnert sich der 42-Jährige. Er fühlte sich verfolgt, erfuhr übers Internet von der deutschen Flüchtlingspolitik und schöpfte Hoffnung, hier einen Job zu finden. Er nickt bei der Frage, ob das vielleicht eine Illusion war – aber auch bei der, ob es rückblickend richtig war, loszuziehen, die Chance zu nutzen.

München, Mannheim, Königsbach-Stein und dann Wilferdingen

2015 hat er sich mit seiner schwangeren Frau Jinan und den Kindern auf den vierwöchigen Weg nach Deutschland gemacht. Kaum angekommen, kam Sohn Abbas auf die Welt. München, Mannheim, Königsbach-Stein – und dann eine Anschlussunterbringung in Wilferdingen.

2017 wurde der Asylantrag der Familie abgelehnt. Begründung: in der südirakischen Stadt Al-Basra gebe es zwar strukturell große Schwierigkeiten, der Anschlag könne aber ohne konkreten Hintergrund nicht auf politische Unruhen zurückgeführt werden, die einen positiven Asylantrag begründen würden. Allerdings: Ablehnung bedeutet nicht gleich Abschiebung – Khalid und seine Kinder, die allesamt örtliche und umliegende Schulen und den Kindergarten besuchen, sind geduldet. Wieder und wieder um ein halbes Jahr.

Der Entschluss steht fest: „Keine Aufenthaltserlaubnis, keine Chance – besser wir gehen gleich, als weiter in der Ungewissheit zu leben. Vielleicht gibt es ja irgendwann neue Gesetze.“ Konsequenter fände er es, gleich eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen – oder eine Abschiebung. Sehr dankbar blickt er auf die vergangenen Jahre zurück: „Deutschland ist ein sehr gutes Land: Wenn man hier Hilfe braucht, wird einem geholfen.“

Mehr über den Entschluss der Familie lesen Sie am Donnerstag, 13. Februar, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.

Autor: zac