Remchingen
Remchingen -  16.10.2017
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Humorige Banalitäten: Duo liest dadaistische Gedichte in Nöttingen

Remchingen-Nöttingen Man muss nicht immer alles verstehen. Schon gar nicht die Frage, warum Zilinski tot ist. Und nicht nur Zilinski, sondern auch Borowski. Ob nun der eine nach dem anderen starb, darüber streiten sich Erik Rastetter und Martin Wacker bei ihrer szenisch-musikalischen Lesung im Löwensaal Nöttingen.

Eingespielt: Erik Rastetter (links) und Martin Wacker. Foto: Molnar
Eingespielt: Erik Rastetter (links) und Martin Wacker. Foto: Molnar

„Das ist mir egal“, sagt Wacker eher beiläufig und bringt seinen Duopartner auf die Palme: „Aber mir nicht. Hörst du! Mir ist das nicht egal“, erwidert dieser und schlägt zur Freude des Publikums mit der Faust auf den Tisch. Das herrlich unsinnige Minidrama „Zilinksi ist tot“ von Franz Mon ist nur einer von vielen dadaistisch-satirischen Kurztexten, Gedichten und Sprachspielereien, die das Karlsruher Duo rastetter & wacker bei seinem Programm „Völlig DADA!“ zu Gehör, oder vielmehr zum Klingen bringt. Denn wenn schon die Inhalte der Texte von Ernst Jandl, Kurt Schwitters, Karl Valentin oder Richard Huelsenbeck bewusst nicht viel Sinn machen, so stellen sie doch oft rhythmische Klangbilder dar. Das Lautgedicht „Karawane“ von Hugo Ball beispielsweise, das sich wie ein Kauderwelsch aus afrikanisch anmutenden Silben anhört. Doch nicht nur die Dadaisten des frühen 20. Jahrhunderts stehen auf dem Programm, das 2016 anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Kunstbewegung konzipiert wurde. Auch zeitgenössische Schriftsteller wie Matthias Polyticki oder Franziska Polanski kommen zur Sprache. Passende Kinderlieder, einen Trauermarsch oder Swing von Hugo Strasser streut der Klarinettist Hubert Esser ein. Da kann auch eine einfache Registerübung das absurde und bierernst gelesene „Sonnett“ von Gerhard Rühm aufpeppen.

Ein komischer und tiefsinniger Abend zugleich.

Autor: Anita Molnar