Remchingen
Remchingen -  09.04.2019
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp
Anzeige

Kicker brauchen Rap und Reggae in der Kabine

Ohne „Mucke“ geht es nicht! Wir haben mal bei den Vereinen in der Region nachgefragt, welche Musik die Spieler vor und nach den Spielen in der Kabine auflegen. Dabei stellte sich heraus: die Geschmäcker sind verschieden. Einig waren sich aber alle: zu einer Spielvorbereitung gehört auch Musik in der Kabine dazu. Doch wer hört nun was?

Ein Bierchen und gute „Mucke“ gehören nicht nur bei den Kickern der SG Unterreichenbach/Schwarzenberg nach dem Spiel dazu. Zur Vorbereitung auf die Partie ziehen sich die Fußballer in der Region allerdings ganz unterschiedliche Musik rein. Foto: privat
Ein Bierchen und gute „Mucke“ gehören nicht nur bei den Kickern der SG Unterreichenbach/Schwarzenberg nach dem Spiel dazu. Zur Vorbereitung auf die Partie ziehen sich die Fußballer in der Region allerdings ganz unterschiedliche Musik rein. Foto: privat

Bei den Oberliga-Kickern des FC Nöttingen spielt Niklas Kolbe den DJ. Mit Deutschrap und Hip-Hop kurbelt er die Motivation seiner Teamkollegen vor den Begegnungen an. Die Anspannung steigt, das Adrenalin kocht. „Was von Eminem darf natürlich nicht fehlen“, sagt Timo Brenner, der es nach dem Spiel dann – bei Siegen – kräftig krachen lässt. „Ich bin für die Party-Mucke zuständig“, so der Mittelfeldspieler.

Anzeige

Trainer Michael Wittwer hebt sich in der Kabine schon mal die Ohren zu. „Meine Musikrichtung ist das nicht“, sagt der 52-Jährige. Was hat er denn damals mit seinen Profikollegen beim Karlsruher SC in der Kabine gehört? „Da lief Van Halen oder die Scorpions“, erinnert sich Wittwer und verrät noch ein besonderes Schmankerl: „Immer kurz bevor der KSC-Bus in den Wildpark eingebogen ist, hat Trainer Winnie Schäfer so einen französischen Hit aufgelegt. Keine Ahnung, wie der hieß. Den hat er angeblich mal in Saint Etienne aufgeschnappt. Ob gut oder schlecht, sei mal dahingestellt, auf jeden Fall mussten wir ihn immer über uns ergehen lassen“, schmunzelt Wittwer.

Beim 1. CfR Pforzheim – wie kann es anders sein – läuft vor den Spielen die Musik von Stanley Ratifo. Der singende Fußballer hat vor einigen Monaten sein zweites Album herausgebracht. Die Auswahl an Liedern, die in den Katakomben des Holzhofstadions ertönen, ist somit groß. Sollten aber Ratifos Songs mal nicht auf der „Spieltagesordnung“ des CfR stehen, dann sorgt Angreifer Dominik Salz für eine knallige Abwechslung in der Kabine.

Beim Verbandsligisten TuS Bilfingen sorgt hingegen Sascha Mörgenthaler für den guten Ton. „Bei uns läuft alles. Von Indie-Pop, Reggae über Rock- und Pop-Klassiker bis hin zu Schlager“, erzählt der 29-jährige Stürmer. Aktuell angesagt sei „Si Tú La Ves“ von Nicky Jam featuring Wisin oder auch „Benzema“ von Capital Bra. Für Mörgenthaler ist Musik vor dem Spiel extrem wichtig. „Ich kann damit super entspannen, bin fokussierter aufs Spiel“.

Die Bilfinger sollten aber wohl mal ihre Musikauswahl überdenken. Im Jahr 2019 konnte man noch kein einziges Spiel gewinnen. Mörgenthaler lacht. „Ja, da könnte was dran sein. Ich würde gerne auch mal wieder Ballermann-Hits nach einem Sieg hören.“

Mickie Krause und Co. ziehen sich vor und auch nach dem Spiel meist die Kicker des FSV Buckenberg rein. „’Scheiß drauf, Malle ist nur einmal im Jahr’, läuft bei uns rauf und runter“, grinst Michael Wolf vom Trainerduo des Kreisligisten. „Alles was mit Mallorca zu tun hat, ist bei uns angesagt. Unsere Jungs sind eben fanatisch veranlagt“, sagt der Coach mit einem Augenzwinkern.

Immer gute Stimmung verbreitet auch Uli Huber. Mit Toni Cerasuolo hat der Trainer des TSV Maulbronn (B1) vor Jahren die Band „Herzblatt“ gegründet. Beide sorgen bei allen möglichen Festivitäten dafür, dass die Halle bebt. Singt Uli Huber auch in der TSV-Kabine? „Ich will meine Jungs ja nicht demotivieren“, lacht der Entertainer.

Nein, in Maulbronn geht es rockig zu. Mit „Hells Bells“ von AC/DC wird die Motivation hochgefahren. „Und dann kommt auch noch mein Geschrei dazu“, grinst Uli Huber, der seine Jungs zusätzlich mit einer Vitaminbar versorgt (siehe Foto). Am Spieltag nicht fehlen darf natürlich die TSV-Maulbronn-Hymne. Daniel Burns hat vor gut sechs Jahren den Track „Rot und Weiss“ komponiert. Nicht nur die TSV-Anhänger fahren darauf voll ab.

Deutscher, amerikanischer aber auch französischer Hip-Hop ist dagegen bei der Spvgg Coschwa angesagt. „Die Songs wechseln“, sagt Kreisliga-Trainer Damir Licina. Ganz vorne in der Playlist rangiert derzeit „Gon‘ Give It To Ya“ von DMX. „Bestimmte Lieder laufen immer“, so Licina. Und nach den Spielen? „Wenn wir gewinnen wird es länger laut in der Kabine“, weiß der Coach.

Ein verschworener Haufen sind die Kreisliga-Kicker vom FV Wildbad. Klar, dass sie sich auch gerne Hip-Hop von der „187 Strassenbande“ reinziehen. „Vor dem Spiel ist es richtig laut“, so Trainer Erdogan Aksoy. Ihn stört das nicht. „Wenn’s den Jungs gefällt.“ Immer wieder gern gehört wird beim Schwarzwald-Verein auch der FV-Wildbad-Song, selbst getextet vor dem Aufstiegsspiel zur Kreisliga. „Das ist Gänsehaut pur“, sagt Aksoy.

Einen eigenen Song über sich hat Peter Sieben noch nicht. Bei der Autofahrt zum Spiel setzt sich der Trainer der SG Unterreichenbach/Schwarzenberg (A2) aber mit „Breaking The Law“ von Judas Priest unter Strom. In der Kabine geht es dann weniger „hardrock-mäßig“ zu. „Musik spielt bei uns keine so große Rolle“, sagt der Coach, „sinnvoller ist es, die passenden Worte für die Spieler zu finden.“ Nach Siegen werden die SG-Kicker dann aber zu richtigen „Draufgängern“ und besingen in den höchsten Tönen ihre „Cordula Grün“.

Autor: Dominique Jahn