Remchingen
Remchingen -  23.02.2021
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Klare Kante gegen „Patridioten“: Bordkapelle Akkermann schreibt Song über "Mahnwache" am 23. Februar

Remchingen. Mit ihren Bands sind Jochen Kröner und Markus Bodemer in den Neunziger- und frühen 2000er-Jahren in Deutschland viel herumgekommen. „Aber egal, wo man ist: Wenn man erklärt, dass man aus der Nähe von Pforzheim kommt, assoziieren die Leute unwillkürlich zwei Themen – den Stau auf der A8 und den Neonazi-Aufmarsch am 23. Februar“, verdeutlichen der Sänger der Folk-Punk-Band Across the Border und der Schlagzeuger der Punk-Band Ferdich ab unisono. Während sie die Straßenplanung lieber den Ingenieuren überlassen, setzen sie mit der ersten Veröffentlichung ihres neu gegründeten Bandprojekts Bordkapelle Akkermann bewusst ein Zeichen gegen die alljährliche Fackel-„Mahnwache“ auf dem Wartberg.

Neue Segel setzen Markus Bodemer (links) und Jochen Kröner mit ihrer Bordkapelle Akkermann und dem Lied zum 23. Februar.
Neue Segel setzen Markus Bodemer (links) und Jochen Kröner mit ihrer Bordkapelle Akkermann und dem Lied zum 23. Februar.

Ebenso wie die „Mahnwache“ im Zuge des Veranstaltungsverbots aufgrund der Pandemie in diesem Jahr nicht vor Ort stattfinden wird, verlagern die Musiker die Präsentation ihres Titels „23. Februar“ ins Netz: „Sonst hätten wir natürlich mitten auf dem Marktplatz gespielt“, erklärt Jochen Kröner, der es nicht länger mit ansehen wolle, wie die Fackelträger seit Jahrzehnten am Pforzheimer Gedenktag sich wieder und wieder auf dem Wartberg versammeln. „Und wieder einmal stehen sie dort oben, gedenken der Toten – sagen sie. Schau sie an diese ,Patridioten‘, andere Zeit, selbe Ideologie“, heißt es im Refrain des von ihm geschriebenen und von seinen Bandkollegen vertonten Lieds, das auf dem Youtube-Kanal der Bordkapelle Akkerman zu sehen ist.

„Jake“ Kröner und „Bodi“ Bodemer haben mit ihren Bands aus den Bereichen Punk-Rock, Ska und Reggae mit politischen Botschaften kein Blatt vor den Mund genommen und sorgten mit einer gesunden Portion leidenschaftlichen Trotzes und Durchsetzungswillens für Lust am Leben und Feiern. Die Idee zum neuen Bandprojekt hatten sie schon länger. Im Sommer 2020 komplettierten sie es mit ihren musikalischen Freunden Sascha (Bass und Gesang), „Gockel“, Markus (beide Gitarre und Gesang) sowie „Specki“ (Trompete und Keyboard).

„Während Accross the Border und Ferdich ab alte Öltanker sind, die durchs Weltmeer schippern und immer wieder mal andocken, haben wir jetzt wieder ein Piratenschiff mit neuen Liedern“, umschreibt Bodemer die neue Band. Der Name Akkermann gehe auf den auf der Insel Borkum weit verbreitetsten Nachnamen zurück – passend zum insgesamt maritim angehauchten Stromgitarren-Retro-Stil zum Mittanzen.

Die gerade noch vor dem zweiten Lockdown eingespielten, mit weiteren Einzelauftritten im Hobbyraum komplettierten und von Johannes Riedl gemischten ersten vier Lieder wollen die Musiker im Herbst auf Vinyl herausgeben. „Sobald wir die Freigabe vom Hafenmeister haben und wieder in den Südwesten auslaufen dürfen, werden wir das tun“, erklärt Kröner. Bis dahin veröffentlichen sie die Songs, von denen der „23. Februar“ die wohl deutlichste Botschaft hat, auch in den Sozialen Medien und auf ihrem Youtube-Kanal.

Der Text zum Song „23.Februar“

„Viele Fackeln in der Nacht doch warum seh ich nicht – wieder mal…

Trotz Flammen, Feuerschein kein einzig helles Licht – wieder mal…

Versteinerte Gesichter und Masken weit und breit – wieder mal…

Die Kirchenglocken läuten, es ist wieder soweit – wieder mal…

Wieder mal…

Und wieder einmal stehen sie dort oben, gedenken der Toten – sagen sie

Schau sie an diese „Patridioten“, andere Zeit, selbe Ideologie.

Die Toten dieser Nacht würden sich im Grabe drehn` – wieder mal…

Würden sie euch hören, da oben stehen sehn – wieder mal…

Verloren doch gefährlich, oh Mann ihr tut mir leid – wieder mal…

Geschichte ist das Ganze nicht nur ein Puzzleteil – wieder mal…

Wieder mal…

Und wieder einmal stehen sie dort oben, gedenken der Toten – sagen sie

Schau sie an diese „Patridioten“, andere Zeit, selbe Ideologie.

Leute wie ihr waren der Grund dafür,

dass diese Welt in Schutt und Asche sank.

Dass ein Bombenregen diese Stadt umgrub…

…in ein einzig großes Grab

Und wieder einmal stehen sie dort oben, gedenken der Toten – sagen sie

Schau sie an diese „Patridioten“, andere Zeit, selbe Ideologie.

Autor: Julian Zachmann