Remchingen
Remchingen -  12.01.2022
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Ohne Halterung bei über 200 km/h auf einem Porsche: Stuntman aus Remchingen vor nächstem Weltrekordversuch

Geboren in Pforzheim, als Karlsruher Stuntman groß geworden in Baden-Württemberg und mittlerweile als Motivationscoach international tätig in der großen weiten Welt, in die er immer wollte: Eigentlich hätten Marko König und seine Frau Liliana die Festtage an der Costa Blanca verbringen wollen. Neben Seminarräumen in Stupferich haben sie in Spanien mittlerweile ihren Lebens- und Arbeitsmittelpunkt, führen dort unter der Woche zahlreiche Coachings online durch und tanken nach Feierabend Kraft an den Salzseen und im unkomplizierten spanischen Miteinander. Doch zu Weihnachten hat es die beiden ganz klar zurück in die Region und nach Remchingen gezogen, wo Marko König aufgewachsen ist und wo seine Familie lebt.

Seinen eigenen Guinness-Weltrekord übertrumpfen will Marko König in diesem Jahr auf dem Dach eines über 200 Stundenkilometer schnellen Sportwagens. Dafür laufen die Vorbereitungen auf der französischen Rennstrecke Anneau du Rhin auf Hochtouren. Foto: Studio 49
Seinen eigenen Guinness-Weltrekord übertrumpfen will Marko König in diesem Jahr auf dem Dach eines über 200 Stundenkilometer schnellen Sportwagens. Dafür laufen die Vorbereitungen auf der französischen Rennstrecke Anneau du Rhin auf Hochtouren. Foto: Studio 49

„Wir sind Familienmenschen und so wie wir auch in Spanien ganz bodenständig leben und arbeiten, sind uns die regelmäßigen Besuche in der Heimat sehr wichtig“, bringt es König auf den Punkt. „Schließlich hat hier in Singen alles begonnen und das prägt ein Leben lang.“ So kann sich der heute 52-Jährige noch genau erinnern, wie ihm sein Schulfreund auf dem Nachhauseweg vom Guinnessbuch der Rekorde erzählte. „Wow, da will ich auch mal rein“, stand für den damals Elfjährigen fest. Während er als Dreikäsehoch noch dafür belächelt wurde, manifestierte sich der Wille immer mehr.

Kurz nach seiner Ausbildung zum Isolierblechner, die er den Eltern zuliebe gewählt hatte, begann er mit der Stunt-Schule. Wenige Monate später sprang er vor laufenden Kameras von Auto zu Auto, zündete sich selbst an oder ließ Anfang der 2000er-Jahre für „Buffalo Soldiers“-Dreharbeiten mitten in Königsbach-Stein einen 80 Tonnen schweren Panzer ungebremst über einen VW Käfer rollen, in dem bis Sekunden zuvor ein Stuntgirl und ein englischer Kollege von ihm saßen. An Stunts wie diesen erinnert er sich zurück, während er das Anfang Dezember von Oliver Langewitz, Nadine Knobloch und dem Bauschlotter Jeff S. Klotz Verlagshaus herausgegebene 276-seitige Buch „Karlsruhe als Filmkulisse“ durchblättert, das auch Königs Geschichte erzählt.

„Heute wird man Veranstaltungskauffrau oder studiert Eventmanagement – damals gab es meinen Beruf eigentlich gar nicht, also habe ich ihn mir größtenteils selbst beigebracht“, blickt König zurück. Er fange da an, wo andere aufhören und mache das scheinbar Unmögliche möglich: „Auch wir können sicher nicht alles, aber haben eben unsere Stärken erkannt und nutzen sie“, motiviert König, der regelmäßig auch öffentliche und ehrenamtliche Coachingprojekte für den guten Zweck durchführt, sich zu trauen, die eigene Energie zu nutzen. „Man kann jedem helfen, Ängste zu überwinden, der sich helfen lassen will.“

Für den Remchinger zählt nur Willensstärke

1992 gelang ihm dann der Rekordstunt, bei dem er sich auf dem Dach eines Porsche 911 hielt, der mit fast 200 Stundenkilometern über den Hockenheimring raste – ohne Haltegriffe, aber mit umso mehr Kraft und Willensstärke. Unter großem Medienrummel trainiert er zurzeit auf der französischen Rennstrecke Anneau du Rhin erneut: 30 Jahre später will der Stunt-Koordinator eine Schippe drauflegen, seinen eigenen Rekord und die 200 Sachen knacken, über die der damalige Sportwagenmotor mit König auf dem Dach nicht hinauskam. Die Technik habe vor ihm schlappgemacht, stellt König lachend fest und gibt zu: „Als Best-Ager bin ich heute zwar körperlich nicht mehr so fit wie damals mit 23. Aber mental bin ich die Eiger-Nordwand – schließlich kann ich mir den besten Coach der Welt leisten.“ Dabei blickt er zu seiner Frau Liliana Dubau-König, mit der er 2017 in schwindelerregenden 250 Metern Höhe an einem Helikopter hängend die Ringe tauschte: „Es gibt keinen Marko ohne Lili.“ Genauso wenig wie umgekehrt, stellt seine Frau fest, deren Familie in Karlsruhe wohnt, und mit der sie ebenfalls die Zeit zwischen den Jahren verbringen: „Marko und ich ergänzen uns, ohne viel zu reden reichen oft Blicke aus.“

Autor: Julian Zachmann