Remchingen
Remchingen -  16.09.2020
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Spraydose auf Achse: Der Künstler hinter dem Riesen-Kunstwerk in Remchingen

Remchingen. Der Remchinger Bürgermeister, Luca Wilhelm Prayon, spricht von Sebastian Bauer als „Haus- und Hofkünstler“ der Gemeindeverwaltung – scherzhaft zwar, doch steckt ein Körnchen Wahrheit darin. Wenngleich Bauer bescheiden abwinkt, so ist der 30-Jährige doch ein bekanntes Gesicht in seiner Heimat. Nicht nur wegen seiner übergroßen Spraydose, die zuvor am Wilferdinger Kreisverkehr stand und seit Samstag aus dem Boden des Foyers im neuen Rathaus herauszubrechen scheint.

Schwer zu übersehen, weil exponiert, steht die Plastik von Sebastian Bauer (rechts) im neuen Rathaus in Remchingen. Das besondere Kunstwerk schätzt auch Luca Wilhelm Prayon, Bürgermeister der Gemeinde.
Schwer zu übersehen, weil exponiert, steht die Plastik von Sebastian Bauer (rechts) im neuen Rathaus in Remchingen. Das besondere Kunstwerk schätzt auch Luca Wilhelm Prayon, Bürgermeister der Gemeinde.

Bevor sie ihren derzeitigen Platz bei der Gemeindeverwaltung gefunden hatte, stand sie einige Zeit auch im Eingangsbereich der Sparkasse in Pforzheim, bis sie dort aufwendig und mit großer Sorgfalt abgebaut worden war.

Mittlerweile ziert die Plastik den im Eingangsbereich des architektonisch eindrucksvollen neuen Rathauses – nicht für immer, wie Prayon erklärt: „Grundsätzlich ist die Kunst im neuen Rathaus immer temporär.“ Es sei wichtig, dass die ausgestellten Stücke Emotionen weckten. Dies könnte sich unter Umständen im Laufe der Zeit verlieren, so Prayon. Sein Werk könnte aber noch über die nächsten Monate dort betrachtet werden, ergänzt Bauer. Danach finde sie eventuell Platz in der Kulturhalle.

Bauers soziale Ader

Als karitativ engagierter Bürger ist der Street-Art-Künstler Farbfehler, so Bauers Künstlername, auch in verschiedenen Jugendprojekten aktiv. Die soziale Ader habe er schon immer, doch sieht er sie als eine Art Verpflichtung: „Ich habe immer Unterstützung bekommen von Familie, Freunden oder von anderen Künstlern.“ Das sei schon etwas Besonderes. „Aus diesem Grund versuche ich, etwas zurückzugeben. So entstand unter anderem das Sozialprojekt „Streetart hinter Gittern – verpönte Kunst mit verpönten Jungs“ oder auch Projekte in der Nachsorgeklinik in Tannheim“, berichtet der 30-Jährige .

Geprägt habe ihn ganz besonders das Hip-Hop-Kulturzentrum Combo in Karlsruhe. Diese Einflüsse seien nicht nur in seiner Kunst erkennbar, sondern hätten ihn auch gelehrt, was es bedeutet, in einer Gruppe gemeinsam an Projekten zu arbeiten. Doch allein schafft Farbfehler vieles. Wie etwa seine gleichnamige Modemarke. Die ersten Teile der selbstgestalteten Kleidungsstücke waren schnell vergriffen. Ab Ende des Jahres soll es aber Nachschub geben, sagt er. Die Spraydose ist für Bauer mehr als ein Werkzeug, häufig sei sie auch Teil seiner Kunst und des Modedesigns. Wie etwa in der kommenden Mützenkollektion „Cap To Cap“, auf deren Front sich eine angedeutete Spraydosenkappe erkennen lässt. „Des Weiteren werde ich Ende September das erste Mal in einem Frauengefängnis ein Projekt durchführen. Es ist wichtig, neben der Kunst auch gesellschaftliche Thema durch eine kreative Aktion ins Gespräch zu bringen.“ Das gebe ihm viel, auch Inspiration für Kommendes, so Farbfehler.

Autor: tim