Sternenfels
Sternenfels -  22.04.2026
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253 Unterschriften zeigen Wirkung: Abriss vom ehemaligen Volksbankgebäude in Sternenfels vorerst gestoppt

Sternenfels. Der geplante Abriss des ehemaligen Volksbankgebäudes am Etzweg wird vorerst nicht entschieden. Bürgermeisterin Antonia Walch kündigte an, den Punkt kurzfristig von der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung am Donnerstag abzusetzen. Hintergrund ist der wachsende Widerstand in der Bevölkerung. 253 Bürgerinnen und Bürger haben am Wochenende gegen das Vorhaben unterschrieben – bei nicht einmal 3000 Einwohnern im Ort ein deutliches Signal. Organisiert wurde die Aktion von Gemeinderätin Bianca Lillich (Liste für Sternenfels und Diefenbach), dem langjährigen Alt-Gemeinderat Hans-Dieter Schäfer und Thorsten Konrad. Der Gemeinderat soll sich nun zunächst formal mit einem Einwohnerantrag befassen. Eine Entscheidung darüber wird in der Sitzung im Mai erwartet. Bis dahin ist der Abriss zumindest vorerst gestoppt.

Sternenfels Unterschriften Volksbankgebäude
Bianca Lillich (links) übergibt Bürgermeisterin Antonia Walch die Liste mit 253 Unterstützer-Unterschriften. Foto: Röhr

„Das Thema kocht in der Bevölkerung hoch“, sagt Schäfer, der mehr als 40 Jahre dem Gemeinderat angehörte. Viele Menschen könnten nicht nachvollziehen, warum ein bestehendes Gebäude abgerissen werden soll, „nur um am Ende vielleicht zwei oder drei Parkplätze mehr zu schaffen“. Die Reaktionen, die er in den vergangenen Tagen erlebt habe, seien teils sehr deutlich gewesen. Auch Lillich berichtet von großer Resonanz. „Wir sind offene Türen eingelaufen“, sagt sie. Innerhalb weniger Tage seien die Unterschriften zusammengekommen. „Hätten wir mehr Zeit gehabt, wären es deutlich mehr geworden.“

Im Zentrum der Kritik steht vor allem der Verlust von Wohnraum. „Man sollte vorhandenen Wohnraum nicht einfach vernichten“, sagt Schäfer. Aus seiner Sicht ließe sich das Gebäude mit überschaubarem Aufwand umnutzen. Konrad bringt zusätzlich ökologische Aspekte ins Spiel. Ein Abriss verursache unnötige CO2-Belastungen, zudem würden bestehende Ressourcen zerstört. „Man reißt ein funktionierendes Gebäude ab und baut etwas Neues – das passt nicht in die Zeit“, sagt er.

Zugleich betonen die Initiatoren ausdrücklich, dass sich ihr Protest nicht gegen den benachbarten Frischmarkt richtet.

„Wir sind alle froh und dankbar, dass es den Laden gibt“, sagt Lillich.

Gerade nach dem plötzlichen Tod des früheren Inhabers vor rund eineinhalb Jahren habe man im Ort mit Sorge auf die Zukunft geblickt. Dass die Witwe den Markt weiterführt, werde von vielen bewusst unterstützt. „Wir kaufen dort ein, um den Laden zu stärken“, sagt Lillich. Die aktuelle Aktion richte sich daher nicht gegen die Nahversorgung, sondern ausschließlich gegen den geplanten Abriss des Gebäudes.

Die Gemeindeverwaltung verfolgt mit dem Projekt allerdings ein klares Ziel: die langfristige Sicherung genau dieser Nahversorgung mittels mehr Parkmöglichkeiten direkt vor Ort. „Die Sicherung und Stärkung unserer Nahversorgung mitten im Ort hat für uns eine besonders hohe Priorität“, betont Bürgermeisterin Walch. Der Frischmarkt sei ein zentraler Bestandteil des täglichen Lebens im Ort – mit kurzen Wegen und hoher Bedeutung für ältere Menschen.

Ein wesentliches Problem sieht die Verwaltung in den begrenzten Parkmöglichkeiten in der engen Ortslage. Diese seien ein strukturelles Hindernis für die weitere Entwicklung des Marktes. Auf dem Grundstück des ehemaligen Volksbankgebäudes könnten nach der im März beschlossenen Planung bis zu 13 Stellplätze entstehen – das Maximum dessen, was an dieser Stelle möglich ist.

„Ich bin felsenfest überzeugt, dass das die richtige Zukunftsentscheidung ist“, sagt Walch.

Finanziell wird das Vorhaben durch das Landessanierungsprogramm unterstützt. Insgesamt sind für Abriss und Neugestaltung rund 300.000 Euro eingeplant, etwa 60 Prozent davon könnten über Fördermittel abgedeckt werden. Der eigentliche Abriss des Gebäudes soll nach aktueller Beschlussvorlage rund 68.400 Euro kosten.

Auch diese Zahlen stoßen bei den Kritikern auf Skepsis. Sie halten den finanziellen Aufwand für unverhältnismäßig – insbesondere im Verhältnis zur Zahl der entstehenden Stellplätze. „Das ist auch unser Geld“, sagt Lillich mit Blick auf die Fördermittel. Für sie ist entscheidend, dass öffentliche Mittel zielgerichtet eingesetzt werden.

Die Verwaltung verweist dagegen auch auf die Zukunft: Mit dem Baugebiet „Nähere Hofstatt“ werden voraussichtlich Parkmöglichkeiten wegfallen. Der neue Parkplatz soll diesen Verlust ausgleichen und die Erreichbarkeit sichern. Mit der Absetzung des Tagesordnungspunkts reagiert das Rathaus nun auf den öffentlichen Druck. Gleichzeitig kündigte Walch eine Informationsveranstaltung an. Wie es mit dem Projekt weitergeht, ist damit wieder offen. Eine Entscheidung dürfte nun frühestens im Mai fallen.