Straubenhardt
Straubenhardt -  14.01.2026
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Der Reiz besonderer Rennen: Ultraläuferin Tanja Höschele wird auch in diesem Jahr nicht zu stoppen sein

Straubenhardt. Die Ultraläuferin Tanja Höschele hat ihr Sportjahr 2025 mit einem internationalen Wettbewerb abgeschlossen – auch für 2026 nimmt sich die 54-Jährige aus Straubenhardt zumindest ein besonderes Rennen im Ausland vor.

Beim 24-Stunden-Lauf in Barcelona war Tanja Höschele die Beste in ihrerAltersklasse und die Fünftschnellste aller Frauen.
Beim 24-Stunden-Lauf in Barcelona war Tanja Höschele die Beste in ihrerAltersklasse und die Fünftschnellste aller Frauen. Foto: Steffen Blaich

In Bath im Südwesten Englands gibt es einen Tunnel-Lauf, an dem Höschele schon einmal teilnahm, damals wegen Kniebeschwerden aber abbrechen musste. Bei „The Tunnel“, wie der Ultramarathon genannt wird, durchqueren die Sportler den mit einer Meile (circa 1,6 Kilometer) längsten Fußgänger-Tunnel in Großbritannien 200-mal – je 100-mal hin und zurück. In maximal 55 Stunden müssen die Teilnehmer die 200 Meilen (umgerechnet rund 320 Kilometer) zurückgelegt haben. Die Zeit betrachtet Tanja Höschele, die mit ihrem Freiburger Laufpartner Frank Götze starten wird, nicht als Problem. „Das ist machbar. Wenn es gut läuft, sind wir nach 45 bis 48 Stunden fertig“, sagt sie. Als größere Herausforderung erscheint die Müdigkeit. In dem ohnehin schwach beleuchteten Tunnel seien die Lichter nachts aus, die Läufer dürfen weder Musik hören noch sich unterhalten. Es sei nicht einmal erlaubt, nebeneinander zu laufen, so Höschele.

Kein Problem mit Monotonie

Grundsätzlich komme sie mit Monotonie bei derart langen Läufen klar und mag sie ein Stück weit auch, sagt die 54-Jährige. „Für meine innere Gelassenheit gibt es nichts Besseres.“ Im Gelände dagegen, wenn die Strecke von Punkt zu Punkt führe und die Beschilderung mitunter spärlich ist, da könne man kurzzeitig schon mal die Orientierung verlieren.

„The Tunnel“ in Bath an einem „Wochenende in Dunkelheit“, wie die BBC den Lauf mal beschrieb, ist sehr speziell und setzt den Sportlern nicht nur körperlich, sondern auch mental zu. Der Wettbewerb, zu dem nur 30 Teilnehmer zugelassen sind, sei „mit nichts anderem zu vergleichen“, sagt Tanja Höschele.

Außergewöhnlich sind aber die meisten Läufe, für die sich die Extremsportlerin aus Straubenhardt interessiert. Dazu zählt der 24-Stunden-Lauf in Barcelona, den sie im vergangenen Dezember bestritt. Einen Tag lang legen die Läufer auf der Tartanbahn im Stadion Joan Serrahima in der katalanischen Metropole Runde um Runde zurück. „Alle drei Stunden wird die Richtung gewechselt, damit die Gelenke nicht einseitig belastet werden“, so die 54-Jährige.

Nachts ist das Stadion beleuchtet, und anders als in Bath, wo der Veranstalter nur Wasser bereitstellt, ist in Barcelona für eine umfangreiche Verpflegung der rund 250 Teilnehmer (die verschiedene Distanzen und entsprechend auf unterschiedlichen Bahnen des 400-Meter-Stadionrunds laufen) gesorgt.

Höschele nahm 2025 zum dritten Mal in Barcelona teil – und kam in den 24 Stunden auf 160 Kilometer. „Ich hatte ein etwas höheres Ziel, so 180 bis 190 Kilometer“, sagt die 54-Jährige. „Aber 160 sind auch in Ordnung.“ Damit war sie die Beste in der Altersklasse W55, die Fünftschnellste aller Frauen und belegte den 35. Platz im Gesamtklassement.

Für Tanja Höschele ist der Lauf im Nordosten Spaniens ein willkommener Jahresabschluss. „Es ist im Dezember eine tolle Gelegenheit, bei einigermaßen guten Temperaturen zu laufen“, sagt sie. Zumindest tagsüber, wenn es wie zuletzt 15 bis 20 Grad hat. Nachts war es auch dort kühl.

Mit den 160 Kilometern von Barcelona und weiteren in den Trainingsläufen in den letzten Dezember-Tagen summierte sich Höscheles Laufleistung im Jahr 2025 auf 3633 Kilometer, wie sie auf Instagram mitteilte. Für die 54-Jährige ist das keine außergewöhnliche Zahl, „normal laufe ich zwischen 3500 und 4000 Kilometer im Jahr“, sagt Höschele. An Motivation mangelt es der Straubenhardterin, die vor zwei Jahrzehnten mit dem Laufen begonnen hatte, selten – den Schweinehund zu überwinden, wenn der sich doch mal meldet, das gelingt ihr stets. Und gerade Einheiten, bei denen man anfangs nicht so motiviert sei, „fühlen sich hinterher oft besser an“, so die leidenschaftliche Sportlerin.

In der Regel zieht es sie nach draußen – oder aufs Laufband zu Hause, wenn das Wetter zu schlecht oder es viel zu kalt ist im Freien. Aber auf Bewegung zu verzichten, das kommt für sie nicht infrage. Das Laufen schenke ihr so viel, sagt Höschele. „Motivation, Freude pur.“ Auch helfe es beim Stressabbau, wenn mal was im Argen liegt, bei Sorgen und Problemen. „Es gibt einem eine gelassenere Haltung“, so die 54-Jährige. „Für das Laufen muss ich keine Kraft aufbringen, es gibt mir so viel Kraft.“

Inhaberin von Weltrekorden

Daher läuft Tanja Höschele weiter – für sich zum Training, bei außergewöhnlichen Wettkämpfen oder für ungewöhnliche Bestmarken. Das Rekordinstitut für Deutschland weist die Straubenhardterin als Inhaberin von rund einem Dutzend Weltrekorden auf – beispielsweise für die meisten von einer Frau „in zwölf Stunden erzielten Höhenmeter zu Fuß“, nachdem sie im Frühjahr 2025 so oft wie möglich auf den Aussichtsturm des Baumwipfelpfads in Bad Wildbad gelaufen war (und dabei insgesamt auf knapp 5641 Höhenmeter kam), oder für die „weiteste gelaufene Distanz in einer Woche (Laufband Damen)“ – ihr Ergebnis: 847,24 Kilometer.

Solche Rekordversuche seien in nächster Zeit nicht geplant, sagt Tanja Höschele. Davon gebe es auch nicht sehr viele. Daher konzentriert sie sich für 2026 erst mal auf den herausfordernden Tunnellauf in Bath – und stellt sich im Herbst vielleicht auch noch dem landschaftlich reizvollen Kappadokien-Ultra-Trail in der Türkei. Auch dieser Wettkampf reizt sie schon länger.

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