Straubenhardt
Straubenhardt -  18.03.2026
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Extremsportlerin Tanja Höschele aus Straubenhardt: Laufend durch die Dunkelheit Englands

Straubenhardt. Die Ultraläuferin aus Straubenhardt stellt sich im englischen Bath einer ungewöhnlichen Herausforderung – die für sie nach knapp 190 Kilometern schmerzhaft endet.

Tanja Höschele vor der Rennstrecke des Ultramarathons in Bath.
Tanja Höschele vor der Rennstrecke des Ultramarathons in Bath. Foto: Höschele/Götze

„The Tunnel“: So heißt eine große Herausforderung für die Ultralauf-Szene im südenglischen Bath. Bei dem Rennen geht es über viele Stunden durch einen schwach beleuchteten, nachts ganz dunklen Tunnel – für die Teilnehmer ist es eine Prüfung der extremen Ausdauer und der Entbehrung von Sinneswahrnehmungen, so schreibt es der Veranstalter. Die erfahrene Extremsportlerin Tanja Höschele aus Straubenhardt stellte sich zum zweiten Mal diesem Lauf – und erreichte wie bei ihrer Premiere wenige Jahre zuvor nicht das Ziel.

Dabei war Höschele, wie sie sagt, bestens vorbereitet und hoch motiviert, um die geforderten 200 Meilen (umgerechnet knapp 322 Kilometer) in maximal 55 Stunden zu bewältigen – die Strecke: 200 Mal durch einen der längsten Fußgängertunnel Englands, 100 Mal hin und zurück. „Ich hatte so einen Willen“, sagte die Straubenhardterin. Doch nach 187 Kilometern stieg sie aus, wegen schmerzender Blasen an den Füßen.

Keine Ablenkung mehr

Schon bei der Besichtigung am Tag vor Rennbeginn hatten sie und ihr Laufkollege Frank Götze eine „Riesenpfütze“ von vorherigen Regenschauern an einem der beiden Tunneleingänge gesehen – sie ließ sich nicht umgehen, die Läufer mussten da durch, wenn sie zu ihrer mitgebrachten Verpflegung wollten. Mit der Folge nasser Schuhe und Füße, was bei Tanja Höschele schließlich zur Blasenbildung führte. Klar habe sie Blasenpflaster dabei gehabt, aber als sie das Malheur bemerkte, „da war es schon zu spät“. Auch die Kälte habe sie zermürbt, weniger als fünf Grad war die Temperatur im Tunnel. Hinzu kam, dass Frank Götze zuvor schon aufgegeben hatte – Höschele fehlte somit die Ablenkung durch den Laufgefährten, denn die Mitnahme von Handy und Kopfhörern zur Ablenkung ist bei „The Tunnel“ nicht erlaubt. Ferner hatten sich die Organisatoren bei der Anzahl der absolvierten Runden einmal vertan, nicht nur bei ihr, wie sie erfuhr. „Ich zähle Runden immer gut und konstant mit, aber als ich bei Runde 20 war, hat das System 18 angezeigt“, sagt Höschele. Später, nachdem sie 36 Runden gelaufen war, wies das System 34 aus. Der Veranstalter habe sich zwar mit dem Verweis auf einen kurzzeitigen Systemausfall entschuldigt, den Wert aber letztlich nicht korrigiert. Die Straubenhardterin hätte somit zwei Runden mehr laufen müssen – was das Gefühl der Zermürbung eher noch verstärkte.

Mit ihrer Aufgabe stand Höschele nicht allein: Von den 46 Teilnehmerinnen und Teilnehmern – mehr werden nicht zugelassen – seien nur acht ins Ziel gekommen, sagt sie. Sieben Männer und eine Frau. „Der Ruf des Rennens lebt davon, dass es so schwierig ist und dass kaum jemand ins Ziel kommt“, so Höschele. Dies trägt zum Reiz und zur Zugkraft von „The Tunnel“ bei.

Unerledigte Herausforderung

Für Tanja Höschele steht das Rennen nun weiter als unerledigt in ihrer erfolgreichen Laufkarriere – obwohl ihr Ergebnis besser war als beim ersten Start. Ob sie es ein drittes Mal wagt? „Es gibt so viele wunderschöne Landschaftsläufe. Ich weiß nicht, ob ich mir den Tunnel noch mal antun werde“, sagt sie. Andererseits könne sie mit unerledigten Herausforderungen schwer umgehen. „Ich brauche einen Haken dahinter.“ Beim Frühstück nach dem Rennen habe sie sich dabei ertappt, wie sie mit Frank Götze darüber sprach, was man besser machen könnte beim Lauf in Bath. „Ganz aus dem Kopf ist es nicht“, so Höschele, die zu gern die erste deutsche Läuferin wäre, die „The Tunnel“ bewältigt.

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