Tiefenbronn
Tiefenbronn -  31.07.2020
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Helfer mit Kanne, Schere und Herz: Beetpaten in Tiefenbronn

Tiefenbronn. Sie wollen es gerne schön haben: vor ihrer Haustür und in der Gemeinde. Deshalb greifen die Tiefenbronner Beetpaten zu Hacke und Gießkanne und sorgen dafür, dass es an den Rabatten im Ort, am Bachlauf oder bei den Feldkreuzen gepflegt aussieht. Die Beetpaten tun ihre Arbeit gewissenhaft, ohne viel Aufhebens darum zu machen - teilweise schon seit Jahrzehnten. „Wir machen das gerne“, sagt Petronilla Friedl stellvertretend für ihre Mitstreiter.

Das Feldkreuz in Mühlhausen wird von Petronilla und Adolf Friedl gepflegt. Mit Kanne, Schere und Hacke sind sie regelmäßig im Einsatz. Foto: Meyer
Das Feldkreuz in Mühlhausen wird von Petronilla und Adolf Friedl gepflegt. Mit Kanne, Schere und Hacke sind sie regelmäßig im Einsatz. Foto: Meyer

Dazu gehören zum Beispiel etliche Anwohner der Tiefenbronner Brunnenstraße, wo so gut wie jedes Beet von Bürgern gepflegt wird. „Mir gefällt es besonders gut, wenn im Frühjahr die Tulpen und Osterglocken blühen und alles bunt ist“, meint Wilhelm Hoffmann, der sich gemeinsam mit seiner Frau Karin um das Beet vor ihrem Haus kümmert. Sie pflanzen, hacken, beseitigen das Unkraut und gießen. „Trotzdem ist es jetzt etwas kahl geworden, weil es einfach zu trocken ist“, bedauert Hoffmann. So geht es auch Heinz Marschler, der früher einen Garten hatte und sich jetzt um das Beet kümmert. „Es fehlt einfach der Regen, da nützt auch das Gießen nichts“, erzählt er. Aber er ärgert sich nicht lange: wenn es zu unansehnlich werde, pflanze er eben nach.

Auch Michael Schwarzbach ist in der Brunnenstraße aktiv. Er kümmert sich um den Schwillbach in der Nähe seines Hauses und entsorgt regelmäßig den Müll, den Passanten achtlos dorthin werfen. Getränkedosen, Flaschen oder Chipstüten fischt er immer wieder aus dem Gebüsch. Nachdem er einige Zeit in Südamerika gelebt hat, ist es ihm besonders wichtig, dass die Umgebung schön sauber bleibt. „Dort funktionierte die Müllabfuhr nicht und jeder hat seinen Unrat einfach in die Gegend geworfen.“ Da genieße er die Zustände in Deutschland umso mehr - und tue auch selbst gerne etwas dafür. „Es überfordert mich nicht, einmal pro Woche Müll einzusammeln“, lacht er.

In einer anderen Straße in Tiefenbronn sorgt Bernd Kohl für das Beet vor seiner Haustür. Als er vor sechs Jahren in Ruhestand ging, hat er die Aufgabe von seiner Schwiegermutter übernommen, die sich viele Jahre darum gekümmert hat. Er tut das gerne, schließlich gibt es auch angenehme Nebenaspekte: „Wenn Leute vorbei kommen, kann man ein Schwätzchen halten“, meint er schmunzelnd. Da er praktisch jeden Tag an der Rabatte vorbei komme, entgehe ihm kein Unkraut. „Ich habe das immer im Blick“, meint er lachend.

Gerlinde Hasenmaier in Lehningen und Petronilla Friedl in Mühlhausen sind damit beschäftigt, dass es um die Feldkreuze herum immer ordentlich aussieht. Petronilla Friedl hat die Aufgabe gemeinsam mit ihrem Mann Adolf vor 21 Jahren übernommen, als die Vorgänger aufgehört haben. „Wir gehen eh in der Gegend spazieren, dann können wir das auch machen“, erzählt sie von den Beweggründen. Ihr Mann fährt mit dem Rad Wasser hin, sie setzt die Blumen, hackt und schneidet. Nur bei wenigen Dingen haben sie sich die Pflege über die Jahre einfacher gemacht: So hat sie die Blumenschale aufgegeben und stattdessen Lavendel in den Boden gepflanzt, damit man nicht so oft gießen muss. Außerdem mäht inzwischen der Bauhof das Gras, früher hat auch das ihr mittlerweile 82-jähriger Mann erledigt.

Gerlinde Hasenmaier hat bereits vor 35 Jahren die Pflege für das Lehninger Feldkreuz übernommen und sie ist bis heute dabei geblieben. Drei Mal im Jahr bepflanzt sie die Schale in eigener Regie, fährt regelmäßig über den Feldweg hin, gießt die Blumen und sieht nach dem rechten. „Im Urlaub organisiere ich sogar eine Vertretung, damit nichts kaputt geht.“ Diese Verantwortung für ihr Stückchen Gemeinde-Grün zeichnet alle Tiefenbronner Beetpaten aus, von denen es noch viel mehr gibt. Gerlinde Hasenmaier bringt es auf den Punkt: „Die Arbeit muss eben regelmäßig gemacht werden, wenn es schön aussehen soll.“

Das Engagement der insgesamt 25 Tiefenbronner Beetpaten wird sehr geschätzt. Allen voran ist die Gemeinde sehr dankbar:  „Damit entlasten sie unseren Bauhof ganz erheblich“, meinen Bürgermeister Frank Spottek und Bauamtsleiterin Manuela Krentzel. Schließlich sei Tiefenbronn umfangreich begrünt, da seien die vier Mitarbeiter vom Bauhof, die sich um die Grünanlagen in den drei Ortsteilen kümmern, über jede Unterstützung froh. Auch viele Bürger drücken ihre Anerkennung aus. Machmal wird den Helfern aber durch Unachtsamkeit oder Unwissenheit das Leben schwer gemacht. So ist es zum Beispiel ärgerlich, wenn Autos beim rückwärts Einparken zu dicht an die Pflanzen kommen: Der heiße Auspuff bereitet ihnen schnell den Garaus. Unangenehm ist es auch, wenn Hunde ihr Geschäft in den Beeten oder direkt vor den Feldkreuzen verrichten. Und überhaupt nicht angebracht ist es, die Helfer auf ihrer Fahrt zum Einsatzort anzumeckern, weil sie vermeintlich unerlaubt auf den Feldwegen unterwegs sind. Der Weg zu so manchem Feldkreuz ist so weit, dass man das Wasser mit dem Auto dorthin fahren muss. Die Gemeinde betont deshalb, dass den Beetpaten die Zufahrt gestattet ist - das sollen die Spaziergänger beachten. Das oft langjährige Engagement der Beet-Paten „verdient unser aller Hochachtung und Anerkennung“, so der Bürgermeister.

Wer sich selbst gerne um ein Beet kümmern würde, kann sich bei der Gemeinde melden.

Weitere Infos bei Manuela Krentzel unter Telefon (07234)9500-30

Autor: sab