Tiefenbronn
Tiefenbronn -  12.10.2026
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Nach Tod des Bürgermeisters: Tiefenbronn muss schweren Herzens neu wählen – und erhält vom Enzkreis mehr Zeit

Enzkreis. Tiefenbronn/Enzkreis. Nach dem Tod von Tiefenbronns Bürgermeister Frank Spottek sind die Fristen der Gemeindeordnung für Neuwahlen hart. Das Landratsamt reagiert menschlich. Der Antrag der Tiefenbronner, die Dreimonatsfrist zu verlängern, ist bewilligt worden. Damit wird eine Weihnachtswahl verhindert. Denn der wahrscheinlichste Termin nach der rechtlichen Frist wäre der 27. Dezember gewesen. So werden die Tiefenbronner erst deutlich im neuen Jahr an die Urnen gehen.

Helfer zählen bei einer früheren Tiefenbronner Bürgermeisterwahl Stimmen aus. Nach Frank Spotteks Tod muss trotz der Trauer eine Neuwahl organisiert werden.
Helfer zählen bei einer früheren Tiefenbronner Bürgermeisterwahl Stimmen aus. Nach Frank Spotteks Tod muss trotz der Trauer eine Neuwahl organisiert werden. Foto: Seibel (Archivfoto)

Gerade erst am Samstag haben Hunderte Menschen aus Tiefenbronn und dem ganzen Enzkreis Abschied von Frank Spottek genommen. Voller Mitgefühl für die Familie des 52-Jährigen. Der Tod des Bürgermeisters hat besonders die Gemeinde tief erschüttert. In dieser hochemotionalen Situation muss sich die Kommune mit der Wahl eines Nachfolgers auseinandersetzen. Allerdings: Das Landratsamt Enzkreis hat Tiefenbronns Antrag stattgegeben, die Frist von höchstens drei Monaten für eine Neuwahl zu verlängern. Das bestätigt Pressesprecher Jürgen Hörstmann auf Anfrage der PZ.

Damit erhält die Kommune ein bisschen mehr Luft – und es bleibt ihr das Szenario einer Bürgermeisterwahl am 27. Dezember erspart, direkt nach dem zweiten Weihnachtstag. Für einen möglichen Wahltermin am 20. Dezember hätte schon jetzt die Vorbereitungszeit nicht mehr gereicht, sagt der ehrenamtliche Bürgermeister-Stellvertreter Stefan Kunle.

„Das Landratsamt hat Tiefenbronns Antrag auf Fristverlängerung für eine Neuwahl stattgegeben. “

Jürgen Hörstmann, Pressesprecher des Landratsamts Enzkreis

Tatsächlich dürfte nun tief im neuen Jahr in Tiefenbronn gewählt werden. Wann genau, wird der Gemeinderat in der nächsten regulären Sitzung am 23. Oktober beschließen. Ein Urnengang zwischen den Jahren, sagt Kunle, „wäre ein Unding gewesen – für die Kandidaten, für die Bürger oder für die Wahlhelfer“. Mal ganz abgesehen von der emotionalen Seite. Ohne Fristverlängerung hätte die Verwaltung noch vor der Beerdigung eine Sondersitzung des Gemeinderats anberaumen müssen. Solche Einladungen müssen acht Tage vor dem tatsächlichen Termin stehen. Und die Sitzung selbst hätte schon in dieser Woche stattfinden müssen, um die Frist für die Stellenausschreibung im Staatsanzeiger einhalten zu können. Die Gemeindeordnung Baden-Württembergs gibt da einen extrem engen Takt vor. Der Hintergrund ist das Ziel, den Chefposten einer Verwaltung so kurz wie möglich unbesetzt zu lassen.

Nach dem „Ja“ des Landratsamts zur Fristverlängerung kann der Gemeinderat nach dem normalen Sitzungskalender handeln. Sollte Ende Januar gewählt werden, müsste die Stelle entsprechend erst Ende November ausgeschrieben werden. Und noch einen Faktor muss die Gemeinde einkalkulieren. Die Fasnet steht 2027 schon früh ins Haus – zwischen dem 4. und dem 10. Februar. Und gerade im Teilort Tiefenbronn mit seiner Tradition in der fünften Jahreszeit wäre auch das ein schwieriger Termin für einen Urnengang oder auch für eine mögliche Stichwahl zwei bis höchstens vier Wochen nach der ersten Runde.

„Eine mögliche Bürgermeisterwahl am 27. Dezember wäre ein Unding gewesen – für die Kandidaten, für die Bürger oder für die Wahlhelfer.“

Stefan Kunle, Tiefenbronner Gemeinderat und stellvertretender Bürgermeister, auf Anfrage der PZ

Wer auch immer am Ende als Sieger die Amtsgeschäfte in Tiefenbronn übernehmen wird – er wird vor allem menschlich in große Fußspuren treten müssen. Die Trauerfeier für Frank Spottek hat noch einmal ganz deutlich gemacht, wie beliebt der nach langer Krankheit verstorbene Rathauschef war. Bei denjenigen, die sich ehrenamtlich in der Gemeinde engagieren, bei Gemeinderäten und Verwaltungsteam und auch bei den Amtskollegen im Enzkreis. Weil er einer war, der den anderen immer mit Respekt gegenübergetreten ist. Und der ein offenes Ohr hatte, ohne dem Gesprächspartner den Eindruck zu vermitteln, ihn jetzt mal hastig zwischen zwei Termine zu quetschen.

Wie emotional schwierig es ist, für einen beliebten Amtsinhaber einen Nachfolger finden zu müssen, hat sich in Baden-Württemberg zuletzt etwa in Gerabronn gezeigt. Der Rathauschef der Stadt in der Region Hohenlohe war Mitte Februar dieses Jahres bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Die dortige stellvertretende Bürgermeisterin hatte sich bestürzt gezeigt, dass Gerabronn die Stelle des Verstorbenen zwischen Beerdigung und Trauerfeier ausschreiben musste. „Das ist für mich pietätlos“, hatte sie damals dem Südwestrundfunk gesagt.

„Sieg für die Menschlichkeit“: PZ-Redakteur Alexander Heilemann hat zur Regelung für die notwendige Neuwahl in Tiefenbronn folgende Meinung:

Wirklich niemand hat in Tiefenbronn derzeit einen Kopf dafür, die Wahl eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin für den verstorbenen Frank Spottek zu organisieren. Und doch muss das in aller Eile passieren. Das gibt die Gemeindeordnung Baden-Württembergs vor – damit der Spitzenposten in einer Verwaltung nicht zu lange unbesetzt bleibt. Natürlich ist so etwas im Interesse einer Kommune. Doch, dass die kurze Frist einen Ort emotional fast zerreißen kann, hat das Beispiel von Gerabronn im Februar gezeigt. Mitten in der Trauer musste dort die Stelle des bei einem Autounfall gestorbenen Bürgermeisters ausgeschrieben werden. Die Tiefenbronner haben dafür ein wenig mehr Luft. Vielleicht nur drei oder vier Wochen. Aber die machen in diesen Tagen des Schmerzes einen großen Unterschied. In diesem Fall hätte die strenge Vorgabe von höchstens drei Monaten für eine Neuwahl ohnehin absurde Begleiterscheinungen gehabt. Der wahrscheinlichste Tiefenbronner Wahltermin wäre der 27. Dezember gewesen. Der Wahlkampf wäre voll in die Adventszeit gefallen, der Endspurt sogar in die Weihnachtsfeiertage. Nicht nur in einer so katholisch geprägten Gemeinde wie Tiefenbronn mag man sich so etwas gar nicht vorstellen. Ein guter Nebeneffekt ist, dass Kandidaten ein paar Tage mehr Zeit haben, für die Nachfolge ins Rennen zu gehen. Die Gerabronner haben übrigens am Ende den Bruder des Verstorbenen ins Amt gewählt.