Wiernsheim
Wiernsheim -  10.10.2021
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Am Pulsschlag des christlichen Glaubens: Festpredigt zu 300 Jahre Waldenserkirche Pinache

Wiernsheim-Pinache. Die erste steinerne Waldenserkirche Deutschlands, die in Pinache steht, ist 300 Jahre alt. Zum Jubiläum hielt Frank Otfried July, Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, am Sonntag die Festpredigt – wenn auch coronabedingt im kleinen Kreis. Doch der Festgottesdienst wurde in die Waldenserhalle übertragen. Der Geburtstag soll im kommenden Jahr nachgefeiert werden.

Wiernsheims Bürgermeister Karlheinz Oehler, Dekan Jürgen Huber, Landesbischof Frank Otfried July, Pfarrerin Karina Beck, Pfarrer Matthias Back, Bernd Dingler (Vorsitzender des Kirchengemeinderats Pinache/Serres), Kirchengemeinderätin Stefanie Jäger und die Vorsitzende der Deutschen Waldenservereinigung, Dorothea Vincon, feiern ein besonderes Jubiläum. Foto: Fux
Wiernsheims Bürgermeister Karlheinz Oehler, Dekan Jürgen Huber, Landesbischof Frank Otfried July, Pfarrerin Karina Beck, Pfarrer Matthias Back, Bernd Dingler (Vorsitzender des Kirchengemeinderats Pinache/Serres), Kirchengemeinderätin Stefanie Jäger und die Vorsitzende der Deutschen Waldenservereinigung, Dorothea Vincon, feiern ein besonderes Jubiläum. Foto: Fux

„Lux lucet tenebirs – das Licht leuchtet in der Finsternis, ist der Wahlspruch der waldensischen Christen“, so der Landesbischof. Finsternis-Erfahrungen dieser Tage – auch wenn sie als Nachrichten hell aufflimmerten auf Handys, Bildschirmen und Fernsehgeräten – seien Flucht, Vertreibung, religiöse Verfolgung, Krieg, Hunger und Mangel, Angst vor Klimaveränderungen, so der oberste Kirchenmann der Evangelischen Württembergischen Landeskirche, der auch persönliche Krisen von Menschen im Blick hatte.

„Doch das Licht scheint in der Finsternis“, verwies July auf das Wappen der Waldenser, auf eine Kerze, deren Licht sich ausbreite und die Dunkelheit vertreibe. Es sei ein einfaches und zugleich zutiefst einprägendes Symbol einer Kirche, die nicht ständig nach einem neuen Logo suchen müsse. „Es geht aber nicht nur um ein Geschichtsjubiläum, sondern um den lebendigen Pulsschlag des christlichen Glaubens in der heutigen Gesellschaft, darum, die Kirche in die Zukunft zu führen“, unterstrich der württembergische Landesbischof.

Jürgen Huber, Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Mühlacker stellte die Kirche als Kleinod heraus und zeigte die Zäsur in der Kirchen- und Waldensergeschichte auf. Denn man habe die Kirche aus Stein erst gebaut als keine Hoffnung auf Rückkehr mehr bestanden hätte. Pfarrerin Karina Beck schilderte die Not der waldensischen Glaubensflüchtlinge, die vor über 300 Jahren eine andere Konfession hatten und obendrein die Sprache nicht verstanden. Auch sie zog Parallelen in die Gegenwart – in Zeiten, in denen, Pfarrstellen gekürzt werden. Eine Jubiläumstasche, gefüllt mit Geschichtlichem zu den Waldensern und ihrer Kirche, Wein und Kartoffeln, die einst die Glaubensflüchtlinge aus ihrer Heimat mitbrachten, hatte Pfarrer Matthias Back für den Landesbischof parat und betonte, dass nun die Pinacher nicht mehr neidisch nach Serres blicken müssten, wo einst der König zu Gast gewesen sei. „Denn Pinache hatte nun den Landesbischof“, so Back.

Dorothea Vincon, Vorsitzende der Deutschen Waldenservereinigung, ließ Zahlen sprechen und kam bei 53 Gottesdiensten im Jahr zum Jubiläum auf 15 900 Gottesdienste. „Wie viel Freud und Leid steckt in diesen Mauern?“, fragte sie sich.

Wiernsheims Bürgermeister Karlheinz Oehler sagte in seinem Grußwort: „Wenn ich an die Waldenser denke, bin ich sehr stolz auf die Männer und Frauen, die Serres und Pinache gegründet haben, aber ich bin auch traurig, wie wenig daraus gelernt wurde“, schlug Oehler einen großen Bogen in die heutige Zeit.

Autor: Silke Fux