Wiernsheim
Wiernsheim -  26.10.2021
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„Die Eigenständigkeit der Gemeinden ist bedroht“: Bürgermeister von Wiernsheim über die vergangenen 40 Jahre

Wiernsheim. „Ich bin zufrieden und stolz, was wir gemeinsam in fast 40 Jahren in Wiernsheim erreicht haben“, sagt Bürgermeister Karlheinz Oehler. Vermutlich belegt er mittlerweile sogar einen Rekord, was die Länge von Bürgermeisteramtszeiten anbelangt. Denn am 30. Januar 1982 wurde der heute 67-Jährige erstmals zum Chef der Plattengemeinde mit ihren aktuell rund 7000 Einwohnern gewählt. Und genau am 30. Januar 2022 findet die nächste Bürgermeisterwahl statt, bei der sich Oehler für seine dann sechste Amtszeit bewirbt (die PZ berichtete).

Im Januar 1982 wurde Bürgermeister Karlheinz Oehler zum ersten Mal als Bürgermeister in Wiernsheim gewählt. Am 31. Januar 2022 stellt sich der heute 67-Jährige erneut zur Wahl für seine dann sechste Amtszeit.  Foto: Prokoph
Im Januar 1982 wurde Bürgermeister Karlheinz Oehler zum ersten Mal als Bürgermeister in Wiernsheim gewählt. Am 31. Januar 2022 stellt sich der heute 67-Jährige erneut zur Wahl für seine dann sechste Amtszeit. Foto: Prokoph

Schon vor Jahren hat er darauf hingewiesen, dass er noch lange nicht amtsmüde sei. Nach der aktuellen Gesetzeslage kann er bis zum Alter von 73 Jahren im Amt bleiben. Bei seiner ersten Wahl 1982 war Oehler 27 Jahre alt und in Wiernsheim mit seinen Teilgemeinden Pinache, Iptingen und Serres ein Unbekannter. Sein Vorgänger Rolf Gockeler hörte damals nach 20 Jahren auf. „Mein damaliger Gedanke war, dass ich in Wiernsheim als junger Mann lernen konnte, wie ein Wahlkampf abläuft“, blickt Oehler zurück. Schon damals wusste der ausgebildete Verwaltungsfachmann im gehobenen Dienst, dass eher Ortsfremde als einheimische Bewerber gewählt würden.

Allerdings: „Ich habe damals gar nicht damit gerechnet, dass ich gewählt werde“, sagt er schmunzelnd. Aber mit 68 Prozent der Stimmen gewann er die Wahl 1982 auf Anhieb. Seine zweite Wahl 1990 sei schon schwieriger gewesen, räumt er ein. Denn: „Die große Umwälzung mit vielen Baumaßnahmen sowie die Umgestaltung der Ortschaften in den ersten acht Jahren hat nicht jedem gefallen“, sagt er. Und es sei damals nicht einfach gewesen, den Bürgern zu erklären, dass die Projekte gut finanziert waren. Aber genau dieses Versprechen, neue Baugebiete zu schaffen, hätten die Bürger bei seinem ersten Wahlkampf honoriert. Seine Wahlen ab 1998 in Folge seien dann eher problemlos gewesen.

„Ich möchte unsere aktuellen Projekte noch vollenden“, sagt Karlheinz Oehler dazu, warum er nochmal antritt. Dazu gehören unter anderem die künftigen neuen Einkaufsmärkte im Gebiet „Seite“, das betreute Wohnen, das zurzeit entsteht, das Seniorenpflegeheim sowie der Kindergarten in Serres. „Eines der Projekte, die ich leider nicht geschafft habe, ist die Ortsumgehung von Pinache, aber die scheiterte am Widerstand der Bürger“, sagt Oehler. Was er zurzeit allerdings immer öfter bemerkt: „Die Eigenständigkeit der Gemeinden ist bedroht“, sagt Oehler. Denn immer mehr Bürokratismus, Vorgaben, Gesetze und Richtlinien von Bund und Land, wie zum Beispiel beim Flächennutzungsplan, gäben den Gemeinden weniger Spielraum für ihre eigenen Entwicklungen und schrieben die Nutzung der Flächen engmaschiger vor.

Die von ihm schon 1982 initiierte Vereinsförderung in Millionenhöhe mit neuen Hallen und Sportstätten, wie Sportplätzen und aktuell der neue Kunstrasenplatz in Wiernsheim gehören mittlerweile zum Wohlfühlfaktor der Einheimischen. Baugebiete und das Gewerbegebiet Wammeser, bei dem noch eine Fläche mit 85 Ar frei ist, sorgten zudem für gute Steuereinnahmen. Und im Gemeindesparkässle liegt ein Polster von rund 15 Millionen Euro. „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu“, lautet die Devise von Oehler. „Ein Bürgermeister muss kommunikativ sein und seine Ideen dem Gemeinderat und der Bevölkerung auf ehrliche Weise nahebringen“, sagt Oehler. Das Erreichte der vergangenen 40 Jahre gibt ihm recht.

Autor: Ilona Prokoph