Wiernsheim
Wiernsheim -  21.04.2026
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Kupferdiebe plündern Solarpark bei Iptingen und stehlen bis zu 30 Kilometer Kabel – Polizei geht von Bande aus

Wiernsheim. Unbekannte Täter haben in der Nacht zum Montag einen Solarpark in Wiernsheim-Iptingen ins Visier genommen und kilometerweise Kabel entwendet. Die Polizei geht von einer Bande aus – der Schaden liegt bei bis zu 300.000 Euro.

Solarpark Iptingen Serres
Im Solarpark im Wiernsheimer Ortsteil Iptingen haben Unbekannte kilometerweise Kupferkabel entwendet. Foto: Röhr

Mit erheblichem Aufwand und offenbar planvoll sind Unbekannte in der Dunkelheit der Nacht in einen Solarpark im Wiernsheimer Ortsteil Iptingen eingedrungen und haben kilometerweise Kupferkabel entwendet. Der Schaden geht nach ersten Schätzungen in die Hunderttausende.

Nach Angaben der Polizei drangen die Täter im Zeitraum zwischen Sonntag, 20.30 Uhr, und Montag, 6 Uhr, gewaltsam auf das Gelände ein. An mehreren Stellen wurde der Sicherheitszaun geöffnet. Anschließend trennten die Unbekannten spezielle Leitungskabel für Solaranlagen aus den einzelnen Modulreihen und zogen sie aus den Führungsschienen.

Nach bisherigen Erkenntnissen beläuft sich die Gesamtlänge der gestohlenen Kabel auf 20 bis 30 Kilometer. Allein der Wert des Kupfers wird auf rund 70.000 Euro geschätzt, der entstandene Gesamtschaden liegt nach ersten Einschätzungen bei etwa 200.000 bis 300.000 Euro.

Für den Abtransport dürften die Täter mehrere Fahrzeuge eingesetzt haben. Konkrete Hinweise dazu gibt es bislang jedoch nicht.

„Hinsichtlich des Abtransports können nur Vermutungen angestellt werden“, teilte Polizeisprecherin Anna Schwalb mit.

Aufgrund der Menge des Diebesguts geht die Polizei jedoch davon aus, dass größere Fahrzeuge eingesetzt wurden, etwa Transporter in Sprinter-Größe oder Lastwagen mit Ladefläche.

Der Diebstahl wurde durch einen Mitarbeiter entdeckt. Hinweise auf Tatverdächtige liegen derzeit nicht vor. Auch zu möglichen Zusammenhängen mit anderen Fällen kann die Polizei bislang keine Angaben machen.

Kriminalpolizei übernimmt Ermittlungen

Die Kriminalpolizei hat am Dienstagnachmittag die Ermittlungen übernommen. Nach Einschätzung der Polizei spricht vieles dafür, dass mehrere Täter beteiligt waren.

„Wir gehen von einer Bande aus“, sagte Polizeisprecher Alexander Uhr.

Die Polizei bittet daher insbesondere Zeugen, die über Videoaufnahmen verfügen oder verdächtige Fahrzeuge beobachtet haben, sich beim Kriminaldauerdienst unter Telefon (07231) 186-4444 zu melden.

Kupferdiebstähle seien kein neues Phänomen, so Uhr weiter. Es handle sich um ein lukratives Geschäft, bei dem die Täter häufig überregional agierten. Aus früheren Fällen wisse man, dass die Gruppen gut organisiert und vorbereitet vorgingen. „Die Täter haben das nötige Wissen, die passenden Werkzeuge und sind geübt in ihrer Tätigkeit“, sagte Uhr. Sie wüssten, wie sie sich Zugang verschaffen, welches Material für sie interessant sei und wie sie die Beute abtransportieren.

Solarpark versorgt rund 4000 Haushalte

Bei der betroffenen Anlage handelt es sich um eine der größten Photovoltaik-Freiflächenanlagen im Enzkreis, betrieben von der wpd onshore GmbH & Co. KG. Der Solarpark im Ortental bei Iptingen erstreckt sich über eine Fläche von rund neun Hektar und erreicht eine Leistung von etwa zehn Megawattpeak. Pro Jahr erzeugt die Anlage rund zwölf Millionen Kilowattstunden Strom – genug, um rechnerisch etwa 4000 Haushalte zu versorgen. Das Unternehmen teilte auf Anfrage mit, dass der Schaden derzeit untersucht wird. Genauere Angaben seien in den kommenden Tagen zu erwarten.

Serie von Kupferdiebstählen in der Region

Auch in der Region kommt es immer wieder zu Diebstählen von Kupfer und anderen Metallen. So wurden im Februar 2026 in Niefern-Öschelbronn mehrere hundert Meter Kupferkabel entlang der Autobahn entwendet. Ende Februar und Anfang März 2026 hatten es Täter in Tiefenbronn auf Regenrinnen, Fallrohre und einen Blitzableiter abgesehen. Im April 2026 wurden in Pforzheim Kabeltrommeln mit Buntmetall aus einem Firmengelände gestohlen. Bereits im Dezember 2025 entwendeten Unbekannte in Neuenbürg mehrere hundert Meter Kupferkabel von einer Baustelle. Im März 2026 versuchten zudem mehrere Männer, Kupfer aus einem leerstehenden Gebäude zu stehlen.

Bereits im Herbst 2024 hatte es in der Region eine auffällige Häufung von Einbrüchen gegeben, bei denen neben Werkzeugen immer wieder auch Metalle wie Kupfer entwendet wurden. Tatorte lagen unter anderem in Stein, Dietlingen, Maulbronn, Ispringen, Niefern, Neuenbürg und Mühlacker. Ob damals eine oder mehrere Tätergruppen aktiv waren, blieb offen.

Das Landeskriminalamt (LKA) hatte damals auf Anfrage mitgeteilt, dass solche Täterstrukturen häufig arbeitsteilig organisiert, mobil und oft überregional oder international vernetzt seien. Die Täter verfügten demnach über spezielles Fachwissen und suchten gezielt nach geeigneten Objekten wie Baustellen, Werkstätten oder Betrieben. Die Beute werde in vielen Fällen schnell weiterverkauft – im In- oder Ausland, über Hehler oder Online-Plattformen. Zuvor werde sie häufig „aufgearbeitet“ oder neu gekennzeichnet, was eine Rückverfolgung erschwert.