Wiernsheim
Wiernsheim -  12.12.2018
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Nach Anschlag auf Flüchtlingsunterkunft: 24-Jähriger muss ins Gefängnis

Karlsruhe/Wiernsheim. Zu zwei Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe wegen versuchter schwerer Körperverletzung und Brandstiftung wurde am Mittwoch ein 24-jähriger Franzose verurteilt, der im Juni dieses Jahres einen Brandanschlag auf die Flüchtlingsunterkunft in Wiernsheim verübt hatte.

Beim Anschlag in Wiernsheim entstand zum Glück nur Sachschaden. Foto: PZ-Archiv
Beim Anschlag in Wiernsheim entstand zum Glück nur Sachschaden. Foto: PZ-Archiv

Richter Leonhard Schmidt erklärte bei der Urteilsverkündung vor dem Karlsruher Landgericht, dass der Angeklagte die Verletzung von Personen in Kauf genommen habe. Der Richter sprach von einer heimtückischen Tat aus niedrigen Beweggründen. Dabei habe der Täter einen Amoklauf inszeniert, welcher aber unvollendet blieb. Schmidt machte deutlich, dass sich der Verdacht, die Tat sei aus einem fremdenfeindlichen Hintergrund verübt worden, nicht erhärten ließ. „Die Hauptverhandlung hat diese im Raum stehende Mutmaßung wiederlegt“, stellte der Richter fest.

Der Angeklagte und sein Umfeld zeigten sich nach dem Urteil erleichtert. In seinen Schlussworten hatte der Mann beteuert, dass er sich für die Tat schämt und sich bei allen Beteiligten entschuldigt.

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Verteidiger Mathias Bürckle charakterisierte den Täter in seinem Plädoyer als einen in sich zurückgezogenen Menschen, der sich im Verfahren geöffnet und Einblicke in sein Denken gegeben habe. Bürckle legte offen, dass der Täter seine Tat abgebrochen und demnach von der Tötungsabsicht abgesehen hat. „Er ist aus freien Stücken vom weiteren Tatverlauf zurückgetreten“, so der Anwalt. Er schloss im Gegensatz zum Gutachter nicht aus, den Paragrafen 21 der verminderten Schuldfähigkeit anzuwenden. Aufgrund des Rücktritts von der Tat forderte Bürckle eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung. Trotz der letztlich verhängten Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten zeigte sich am Ende auch der Anwalt zufrieden und sieht das Urteil als Chance für seinen Mandanten.

Staatsanwalt Marius Walz hatte zuvor eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren gefordert. Zunächst ging er nochmals auf den Tathergang ein. Dabei verdeutlichte er, dass ungeklärt bleibt, weshalb der Täter von seinem Plan des Amoklaufs in der Grundschule abwich und stattdessen das Flüchtlingsheim ins Ziel nahm. Walz schloss eine Tat mit fremdenfeindlichem Hintergrund aber ebenso aus wie das Gericht. Laut des Staatsanwalts hatte der 24-Jährige nicht zwingend die Absicht, zu töten, nahm dies bei seiner Vorgehensweise aber billigend in Kauf.

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Autor: Stefan Meister