Nach Feuer im Alten Rathaus in Pinache: Erste Bilder aus dem Inneren
Wiernsheim. Es sind Bilder, die das Ausmaß des Brandes erst richtig sichtbar machen. Bürgermeister Matthias Enz zeigt dem Wiernsheimer Gemeinderat am Mittwochabend erstmals Aufnahmen aus dem Inneren des Alten Rathauses in Pinache. Der Treppenaufgang ins Obergeschoss ist vollständig zerstört. Tapeten hängen in Fetzen von den Wänden, Decken sind schwer beschädigt, Teile der Innenkonstruktion ebenfalls. Auch das Löschwasser hat im Gebäude erhebliche Schäden hinterlassen.
Die Fotos entstanden, nachdem die Gemeinde das denkmalgeschützte Gebäude gemeinsam mit der Gebäudeversicherung erstmals wieder betreten durfte. Bis dahin galt ein Betretungsverbot. Sie dokumentieren, welche Spuren der Dachstuhlbrand vom Dienstag vergangener Woche im historischen Gebäude hinterlassen hat. Der Dachstuhl wurde nahezu vollständig zerstört. Die Flammen fraßen sich bis ins Obergeschoss, das zunächst nicht mehr betreten werden konnte. Erst nach der Freigabe durch die Kriminalpolizei habe die Gemeinde gemeinsam mit der Versicherung das Gebäude hineingehen dürfen. „Man musste ständig damit rechnen, dass Dachziegel herunterfallen.“
Keine Fremdeinwirkung
Inzwischen sind auch die Ermittlungen zur Brandursache abgeschlossen. Bauamtsleiter Timo Steinhilper informierte den Gemeinderat, dass es keine Hinweise auf Fremdeinwirkung oder eine Straftat gebe. Nach derzeitigem Stand gehen die Ermittler von einem technischen Defekt als Brandursache aus. Die Brandstelle im rückwärtigen Bereich des Gebäudeensembles, wo sich das frühere Alte Gefängnis befindet, ist inzwischen an die Gemeinde freigegeben worden. „Ab nächster Woche können wir spätestens mit den Aufräumarbeiten beginnen“, sagte Steinhilper. Zuvor werde das weitere Vorgehen mit der Denkmalpflege abgestimmt. Wie hoch der Schaden letztlich ausfällt, lasse sich derzeit noch nicht beziffern. „Jetzt müssen wir klären, wie die zukünftige Nutzung aussehen kann“, sagte Steinhilper.
Eine gute Nachricht gab es dennoch: Sämtliche Exponate des Waldensermuseums konnten von der Feuerwehr in Sicherheit gebracht werden.
„Wir konnten alles retten“, sagte Enz.
Zwar richteten das Löschwasser und der Regen, der nach dem Brand durch den offenen Dachstuhl in das Gebäude eindrang, erhebliche Schäden in den Museumsräumen an. Verloren gegangen sei jedoch keines der Ausstellungsstücke.
Im rückwärtigen Bereich des Gebäudes, wo das Feuer ausgebrochen war, wurden auch eine Garage und ein dort abgestelltes Auto in Mitleidenschaft gezogen. Während die Garage Schäden davontrug, wurde das Fahrzeug nur leicht beschädigt. Dank des schnellen Feuerwehreinsatzes griffen die Flammen trotz der enormen Hitze nicht auf weitere Gebäude über. „Die Hitze hat sogar Rollläden angeschmolzen, aber ein Übergreifen auf andere Gebäude konnten wir verhindern“, sagte Enz.
Hoffen auf Fördermittel
Die Gemeinde setzt nun auf die Unterstützung von Versicherung und Fördergebern. Hauptamtsleiter Timon Friedel berichtete, die Gebäudeversicherung habe sich zur Höhe einer möglichen Regulierung bislang „sehr bedeckt gehalten“. Bürgermeister Enz kündigte an, sämtliche Fördermöglichkeiten ausschöpfen zu wollen. „Wir versuchen alles, damit der Eigenanteil der Gemeinde gegen null geht“, sagte er.
Neben der Schadensbeseitigung rückt bereits die Zukunft des Alten Rathauses in den Blick. CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Mondon regte an, das Gebäude nach einer Sanierung nicht wieder zu Wohnzwecken zu vermieten. Stattdessen könne er sich dort einen Gemeinschaftsraum oder Räumlichkeiten für Jugendliche vorstellen. Eine Entscheidung darüber steht allerdings noch aus. Zunächst müssten das denkmalgeschützte Gebäude gesichert, die Schäden bewertet und die Finanzierung geklärt werden. Für notwendige Abbrucharbeiten werde die Ortsdurchfahrt in Pinache voraussichtlich erneut teilweise gesperrt werden müssen. „Die nächsten Wochen und Monate liegt viel Arbeit vor uns“, sagte Enz.
