Wiernsheim
Wiernsheim -  23.08.2020
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Unzufrieden mit dem Bürgerentscheid in Wiernsheim: Wo sollen die jungen Menschen wohnen?

Wiernsheim-Serres. Der Wiernsheimer Bürgerentscheid in Sachen Baugebiet „Mühlackerstraße“ habe Spuren hinterlassen und manche Bürger sogar entzweit. So empfinden das der Serremer Stefan Mondon und der Wiernsheimer Horst Wolff, die vom Ergebnis der Abstimmung – nämlich dass dort kein neues Baugebiet entstehen soll – nicht begeistert sind. Deshalb haben die beiden kürzlich ihren Arbeitskreis „Dorf Stad(t)t Land – der unverblümte Arbeitskreis“ begründet und wie bereits berichtet in einer Wiernsheimer Gemeinderatssitzung halb im Spaß und halb im Ernst dafür plädiert, in Serres, wo es bereits drei Neubaugebiete gibt, doch auch noch Kohlplatte vier, fünf und sechs zu entwickeln.

Stefan Mondon aus Serres sucht Interessierte, die in der neuen Aktionsgemeinschaft „Dorf-AG“ die Zukunft von Wiernsheim und seinen Ortsteilen Pinache, Serres und Iptingen mitgestalten wollen. Foto: Prokoph
Stefan Mondon aus Serres sucht Interessierte, die in der neuen Aktionsgemeinschaft „Dorf-AG“ die Zukunft von Wiernsheim und seinen Ortsteilen Pinache, Serres und Iptingen mitgestalten wollen. Foto: Prokoph

Falls der Gemeinderat das nicht wolle blühe Wiernsheim der „Sexit“ (Austritt von Serres aus der Gemeinde). Ihr Anliegen: Auch die Jüngeren sollten schließlich die Möglichkeit bekommen, in ihrem Heimatort zu wohnen. Mittlerweile haben sie den Arbeitskreis umbenannt in „Dorf-AG“ (Dorf-Aktionsgemeinschaft), mit dem Mondon und sein Mitstreiter Wolff nun Interessierte gewinnen wollen, die sich Gedanken machen, wie sich Wiernsheim entwickeln könnte.

„Mich hat das Ergebnis des Bürgerentscheides erschüttert“, sagt Mondon. Mit der Entscheidung gegen das Baugebiet würde die bereits angespannte Wohnsituation im Ort auf der Platte ja nicht besser. 49 Prozent der über 5000 Wahlberechtigten hätten beim Bürgerentscheid gar nicht abgestimmt, weiß Mondon. „Das ist zwar Demokratie, aber für mich fragwürdig“, sagt der 47-Jährige. Deshalb haben sein Freund Horst Wolff (47) und er überlegt, wie man die Menschen ansprechen könnte, die bislang geschwiegen hätten. Für sie sei es schlichtweg „befremdlich“, wenn eine Liste im Wiernsheimer Gemeinderat die Bevölkerung spalte, indem sie nur den Aspekt der Landwirtschaft verfolge.

Sein Appell im Gemeinderat, die Serremer Baugebiete Kohlplatte vier, fünf und sechs zu entwickeln, habe bereits für Furore in der Bevölkerung gesorgt, weiß Mondon. „Wir wollen mit unserer Dorf-AG die Spaltung im Ort aufheben und die Menschen wieder zusammenbringen“, sagt er. Dazu könnte man eine Umfrage an alle Haushalte verteilen und eine Diskussion über die gemeinsame Zukunft anstoßen. Über die Dorf-AG ließen sich auch Veranstaltungen auf den Weg bringen, bei denen man miteinander und nicht übereinander rede. Dialog, Brainstorming, Diskussionsrunden, Aufklärung zu einzelnen Sachthemen und das Ganze auch gerne über Satire und mit viel Humor hält er für den richtigen Weg.

„Unsere Dorf-AG soll eine Zukunftswerkstatt sein mit vielen Themen und Meinungen, um gemeinsam etwas Neues zu kreieren“, sagt Mondon. Deshalb wünschen sich er und Wolff viele weitere Mitstreiter aus allen Schichten der Bevölkerung. Wer mitmachen möchte, könne sich gerne per Mail an dorfag@web.de melden.

Autor: Ilona Prokoph