Wahlkampf in Wimsheim: CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel findet seinen Rhythmus
Wimsheim. Vor rund 200 Zuhörern hat CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel zusammen mit dem Enzkreis-Bewerber Nico Gunzelmann am Sonntagabend Wahlkampf gemacht. Auch stimmliche Probleme wegen einer Erkältung können den 37-Jährigen dabei nicht bremsen. Er holt die Menschen emotional ab. Inhaltlich setzt Hagel dabei vor allem auf Wirtschaft, Bildung und Sicherheit.
„Ich kämpfe um jede Stimme – auch um meine!“ Wahlkampf in Wimsheim. Manuel Hagel ist angeschlagen. Hörbar kratzig und verschnupft begrüßt er die Neugierigen, von denen sich an diesem Sonntagabend, 55 Tage vor der Landtagswahl, wohl immer noch etliche fragen: „Manuel wer?“ Hagel! 37 Jahre alt. Spitzenkandidat der CDU. Vom Bekanntheitsgrad immer noch deutlich hinter Ex-Bundesminister Cem Özdemir von den Grünen, der nach dem 8. März ebenfalls Ministerpräsident werden möchte.
„Ich komme aus Oberschwaben - ich hoffe, man hört’s.“
Manuel Hagel versucht erst gar nicht, sienen Dialekt zu verstecken.
Für 200 Zuhörer ist bestuhlt – es kommen einige mehr. Das CDU-Wahlkampfteam stellt weitere Stuhlreihen auf. Auch die lokale Parteiprominenz ist da. Und Nico Gunzelmann natürlich, der CDU-Landtagskandidat für den Enzkreis, der zu dieser Veranstaltung eingeladen hat und die Menschen dann auch begrüßt. Einzelne im Publikum schließen hier schon andächtig die Augen. Nun – der Altersschnitt ist hoch, der Abend spät.
Erst gegen Ende der Rede des 23-Jährigen kommt Schwung in den Abend. Aufgeregtes Winken vom Helferteam hinten – Hagel ist da! Gunzelmann, der bis dahin alles äußerst routiniert abgespult, auf seine christlichen Werte und seine Wirtschaftsnähe verwiesen hat, gibt Gas, verhaspelt sich ein paar Mal, macht die Bühne frei.
Wirtschaft im Blick
Einmarsch des Spitzenkandidaten mit Musik. Mit Applaus wird er in der Hagenschießhalle begrüßt. Das Publikum ist ihm wohlgesonnen. Und Hagel geht – mit unüberhörbar oberschwäbischen Einschlag – auch gleich in die Vollen: „Die US-Zölle belasten unsere Autohersteller!“ Von einer Amerika-Reise wisse er, es drohe „eine Dekade der Abschottung“. Aber auch die aktuelle chinesische Politik sei ein „Angriff auf den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg“. Das ist so wahr wie beklagenswert. Aber auch wenn Hagel später beteuert, zwei Sätze seien bei ihm verboten – „Da können wir nix machen!“ und „Da sind wir nicht zuständig!“ – liegen diese beiden Themen dann doch nur bedingt im Einflussbereich eines Ministerpräsidenten, der er ja werden will. Aber Hagel kennt die Sorgen der Bürger im Ländle um ihren Wohlstand. Um „Wirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft!“ müsse es der neuen Landesregierung deshalb gehen.
Inhaltlich folgt im Vergleich zu anderen Auftritten in der Region (die PZ berichtete) wenig Neues. Wie auch – die CDU hat ein Programm, das Hagel jedes Mal aufs Neue vertritt: Der personelle Wasserkopf in der Landesverwaltung müsse abgebaut werden. Die frühkindliche Bildung müsse gestärkt werden, inklusive verpflichtendem, kostenlosen Kindergartenjahr zum Spracherwerb.
„Ein Kind muss in Klasse 1 die deutsche Sprache sprechen. Das hat doch nichts mit links oder rechts zu tun, sondern mit gesundem Menschenverstand.“
Manuel Hagel zum Spracherwerb im Kindergarten
Man müsse von der Akademisierung wegkommen, es müsse gelten „Meister und Master.“ Die Meisterausbildung müsse kostenlos werden: „Das kostet einen zweistelligen Millionenbetrag – aber das ist es mir wert!“ Das Land müsse in Forschung investieren und brauche eine neue KI-Uni: „Pforzheim wäre dafür ein heißer Favorit!“ Für das Sicherheitsgefühl der Bürger brauche es mehr Videoüberwachung und weniger Datenschutz – entscheiden sollen die Gemeinden selbst.
Kein Kulturkampf gegen’s Auto
Der Kulturkampf gegen das Auto müsse aufhören: „Wer was für die Autoindustrie im Land tun will, muss auch danach schauen, dass Auto gefahren wird. Egal mit welchem Antrieb, Hauptsache in Baden-Württemberg gebaut.“ In Zeiten großer Verunsicherung streichelt er die Seele seiner Zuhörer: Sie schießen Feuerwerk ab? Sie essen eine rote Wurst? Sie tanken Diesel? „Dann sind Sie trotzdem kein schlechter Mensch!“
Hagel hat seinen Rhythmus gefunden: Rück, Side, Step. Side, Side, Step. Mit dem Mikro in der Hand geht’s in kleinen Tanzschritten über die Bühne, wenn auch etwas hüftsteif. Seine Rede folgt dabei immer dem gleichen Muster. Thema anreißen, Stimme anheben, Schlagworte raushauen. Applaus.
Oft sind es Allgemeinplätze, denen parteiübergreifend Zustimmung sicher ist: „Opferschutz vor Täterschutz!“, „Runter mit Standards und Regeln!“, „Neuer Optimismus, neue Arbeitsplätze, neue Produktivität!“, „Mittelmaß in den Bildungsrankings – das passt doch nicht zu Baden-Württemberg. Wir müssen wieder aufs Treppchen!“ Den größten Applaus bekommt Hagel allerdings, als er sagt: „Die AfD darf keine Verantwortung bekommen in diesem Land!“
Trotz angeschlagener Stimme hält Hagel samt Fragerunde knapp zwei Stunden durch. Mit Macarons aus Wimsheimer Produktion wird ihm der Abschied versüßt. Weiter geht’s noch in der Nacht nach Bühl. Die Wahlkampftermine des CDU-Spitzenkandidaten sind eng getaktet. Manuel Hagel hat noch einiges an Arbeit vor sich, um sich bis zum 8. März im Land richtig bekannt zu machen.
