Ölbronn-Dürrn
Ölbronn-Dürrn -  12.02.2018
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Raubüberfall in Dürrn vor Gericht: Kontroverse Einschätzung der Tatbeteiligung

Pforzheim. Völlig unterschiedliche Einschätzungen zu einer Tatbeteiligung haben Staatsanwaltschaft und Verteidigung bei einem Raubüberfall in Dürrn.

Symbolbild: dpa
Symbolbild: dpa

Es sind schwere Vorwürfe, die Staatsanwältin Rebecca Vogt am Montag vor dem Schöffengericht unter dem Vorsitzenden Richter Andreas Heidrich und Richterin Heike Schatterny-Schmidt gegen einen 33-Jährigen erhebt: Der in Bangkok (Thailand) geborene Mann soll als einer von vier Tätern im August 2016 dem Opfer auf dessen Arbeitsweg auf einem Feldweg zwischen Bauschlott und Dürrn aufgelauert und es schwer verletzt und ausgeraubt haben. Fünf Jahre und acht Monate Haft fordert Staatsanwältin Vogt, die den Angeklagten zweifelsfrei als Haupttäter und nicht etwa nur – wie von ihm selbst angegeben – als nicht eingeweihten Fahrer der anderen drei Beteiligten ansieht. Der 33-Jährige habe mit seiner Tat später bei einem Bekannten geprahlt, „und das macht man nur, wenn man die Tat selbst begangen hat“, so Vogt. Sie sprach von einer „hochkriminellen Aktion“, die von langer Hand geplant worden sei und wertete diese als schweren Raub, schwere räuberische Erpressung sowie gefährliche Körperverletzung.

Der Angeklagte aus Heilbronn hat bereits einiges auf dem Kerbholz: fahrlässige Trunkenheit am Steuer, Betrug der Arbeitsagentur und der Handel mit Drogen. Ins Gefängnis musste er dafür nicht. Die Strafe von einem Jahr und neun Monaten wegen Dealens mit Betäubungsmitteln war im vergangenen Jahr auf Bewährung ausgesetzt worden. Deshalb forderte die Staatsanwältin nun eine Gesamtstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten. Verteidiger Kristian Frank sieht das ganz anders. Er plädierte für eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten für den aktuellen Fall, ein Jahr länger für die Gesamtstrafe. Seiner Meinung nach sei nicht bewiesen, ob sein Mandat Täter oder nur Teilnehmer der Tat gewesen sei. Er sieht das Mitwirken des Angeklagten als „untergeordnetste Natur“ in einem „minderschweren Fall“ an und sprach im Fall seines Klienten von einem einfachen Raub. Strafmindernd hinzu käme die lange Untersuchungshaft von bereits über einem Jahr und das Geständnis des 33-Jährigen. Am Geschehen sei der Angeklagte nicht beteiligt gewesen, sondern er will lediglich als Fahrer gedient und zudem später die Tatmittel und Teile des Diebesguts bei sich verwahrt haben.

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Das Verfahren wird fortgesetzt. Das Urteil soll am Freitag, 16. Februar, um 10 Uhr fallen.

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Autor: Julia Falk