Bad Wildbad
Bad Wildbad -  23.07.2026
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Bad Wildbad: Als ein Tornado vor 40 Jahren eine Schneise der Verwüstung hinterließ

Bad Wildbad. Der 23. Juli 1986 zeigte sich im Oberen Enztal zunächst als ganz normaler Sommertag. Der Nachmittag brachte dann gewittrigen Regen. Vom Eyachtal her wurde es zwischen Höfen und Calmbach ungewöhnlich dunkel. Dann erreichte kurz nach 18.45 Uhr die sich immer schneller von oben nach unten drehende Windhose eines Tornados das Gebiet Leimenäcker.

Das Geräusch beschreiben Zeitzeugen des Geschehens von vor 40 Jahren ähnlich dem von fahrenden Panzern, das sich mit lautem Zerbersten von Holz verband. Baumwipfel und Äste flogen durch die Luft und Bäume wurden abgeknickt wie Streichhölzer. Nach einer Minute war der Spuk vorbei. Wie durch ein Wunder wurde kein Mensch verletzt. Abgesehen von der forstwirtschaftlichen Katastrophe mit fast 50.000 Festmetern Sturmholz auf 160 Hektar Waldfläche gab es auch keinen weiteren ganz großen Sachschaden.

In Angst und Schrecken

Die Einwohner von Calmbach und Höfen versetzte das gleichermaßen unaufhaltbare wie unvorhersehbare Naturereignis in Angst und Schrecken. Im Wald über den Dörfern am Hengstberg machte der Wirbelsturm auf halber Strecke vor Langenbrand und Schömberg Halt. Aber Glück hatten nicht nur diese Dörfer, sondern vor allem das unterhalb der Leimenäcker gelegene Calmbacher Wohngebiet Raugrund und das Höfner Neubaugebiet Neue Äcker. Denn genau zwischen diesen suchte sich der Wirbelsturm seinen Weg. Vom Eiberg hinunter ins Enztal und hinauf zum Hengstberg zog sich eine sechs Kilometer lange und bis zu 600 Meter breite Schneise. Oberhalb vom Raugrund lagen abgeknickte Bäume kreuz und quer. Das Dach eines Hauses am Rand wurde auf einer Seite abgedeckt. Sonst mussten lediglich kleinere Gebäudeschäden registriert werden. Auf der B 294 zwischen Calmbach und Höfen stürzten Bäume auf einen 30.000 Liter Kraftstoff mitführenden Tanklastzug. Aber rundum hatten die Menschen Glück: Niemand wurde verletzt. Der Tornado wurde der Stufe 2 zugeordnet. Dies bedeutet, dass er mit einer Geschwindigkeit von 180 bis 250 Stundenkilometern über das Enztal jagte und seine zerstörerische Wucht zeigte. Blockiert waren vorübergehend die Bahnstrecke und die B 294. Mit 100 Mann waren die Feuerwehren von Wildbad, Calmbach und Höfen im Einsatz.

An das Geschehen von vor 40 Jahren erinnern zwei Gedenksteine. Der eine steht am ausgewiesenen Wanderweg oberhalb vom Eyachtal in Richtung Spitzhütte – anders als am Wegweiser mit 600 Metern ausgewiesen – einen knappen Kilometer und etwa 150 Höhenmeter oberhalb von der Eyachmühle.

Gesetzt hat diesen nach Aufarbeitung der Sturmhölzer dort die Forstverwaltung. Der zweite Stein sitzt seit Mai 1988 hoch über dem Enztal auf dem Oberen Hengstberg und wurde von einer Bürgerinitiative geschaffen. Eingemeißelt sind das Höfener Wappen und die Angabe, dass 14 Hektar Höfener Wald zerstört wurden. Die Initiatoren waren Eugen Bäuerle, Ewald Bay, Karl Knöller, Heinz Mettler und Hubert Meyer. Sie freuten sich über den – von Wanderwegweisern bis heute angekündigten – weiten Blick übers Tal bis Dobel, den inzwischen wieder Wald verdeckt. Auch wenn sich die Wetterprognosen verfeinert haben, können laut dem Deutschen Wetterdienst Tornados nicht vorausgesagt werden.

Meist treten sie laut Experten zwischen Mai und August in den Nachmittags- oder Abendstunden auf. Entstehen können sie – vereinfacht dargestellt –, wenn gewittrige Wolken niedrig hängen und sich in den unteren 500 bis 1000 Metern die Windstärken und -richtungen stark ändern. Dann kommt es zu Windscherungen, welche die Luft in Rotation versetzen und eine zerstörerische Windhose bilden können.

Jährlich treten laut Statistik der letzten 30 Jahre in Deutschland im Schnitt 40 Tornados auf. Von diesen sind allerdings nur vier gleich stark oder stärker, als der vor 40 Jahren zwischen Calmbach und Höfen registrierte.