Calmbacher kämpfen um ihre Feuerwehr: Laut Kommandant und Bürgermeister völlig ohne Grund
Bad Wildbad. „Jede Sekunde zählt. Wenn die Feuerwehr nur eine Minute zu spät kommt, sterben Menschen“, sagt Roland Schwabenland aufgebracht am Telefon. Deshalb sammeln er und Kamerad Thomas Glossek seit einiger Zeit Unterschriften: „Für den Erhalt des Gerätehauses Calmbach“, sagt SPD-Gemeinderat Schwabenland, der selbst fast 50 Jahre im aktiven Dienst gewesen ist. Doch der Standort steht aktuell überhaupt nicht zur Diskussion, entgegnen die Verantwortlichen.
Das sagen die Initiatoren der Unterschriftenaktion: Die Vorwürfe von Schwabenland wiegen durchaus schwer. Der Feuerwehrstandort Calmbach solle bewusst geschwächt werden, um ihn am Ende dicht machen zu können. Doch ohne den wären drei Menschen nach Einsätzen nicht mehr am Leben, meint der langjährige Feuerwehrmann, der nun in der Alterswehr ist. Weil Einsatzkräfte aus Bad Wildbad zu spät an Ort und Stelle gewesen wären, argumentiert er. „Menschenleben kann man nicht mit Geld aufwiegen“, sagt er. Die Sanierung des Gerätehauses würde 1 bis 1,5 Millionen Euro kosten. Doch seit dem der Feuerwehrbedarfsplan überarbeitet wird, höre man ständig von der Schließung. „Selbst in Höfen ist das Thema“, so Schwabenland. Deshalb die Unterschriftensammlung. 250 Namen seien bisher zusammengekommen, weitere Listen lägen noch in Geschäften im Ort aus. Die Protestler wollen jetzt auch Flyer verteilen und Banner aufhängen. Mit dem Slogan: „Jede Sekunde zählt.“
Sie seien weit mehr Mitstreiter, so der Gemeinderat. „Viele wollen anonym bleiben. Geschäftsleute unterstützen uns mit Geld für Werbematerial oder lassen uns unsere Listen auslegen.“ Die Calmbacher reagierten empört, wenn sie von einer möglichen Schließung des Feuerwehrstandorts in ihrem Ort hörten. Die Unterschriften sollen später an den Bürgermeister übergeben werden. „Vielleicht wird noch mal etwas geändert am Feuerwehrbedarfsplan“, sagt Schwabenland (Archivfoto: SPD). Wenn der im Gemeinderat zur Debatte steht, will er für eine namentliche Abstimmung kämpfen. Damit die Befürworter einer möglichen Schließung des Standorts am Ende für die Konsequenzen geradestehen müssen. Schwabenland – der auch Schöffe ist – hat sich schon kundig gemacht, ob Strafen für seine Ratskollegen möglich wären.
Das sagt die Feuerwehr: Gesamtkommandant Michael Rentschler (Archivfoto: Röhr) ist erst hörbar aufgebracht, als die PZ mit ihm zum Thema telefoniert. „Die Unterschriftenaktion geht schon eine Weile. Das sorgt für einen ganz schönen Rummel“, erzählt er. Bürgerinnen und Bürger würden beispielsweise beim Einkaufen zur Signatur aufgefordert. Andere erzählen, dass dies auch an der Haustüre geschehe. „Ich verstehe die Aktion nicht“, sagt Rentschler. Er spricht von einem großen Schaden, die Situation sei schwierig und zermürbend. Der Wildbader Gesamtkommandant erklärt: Der Feuerwehrbedarfsplan müsse fortgeschrieben werden. Dafür habe die Stadt den Experten Sebastian Fischer engagiert, Chef der Pforzheimer Feuerwehr. Der nehme beispielsweise die Mannschaftsstärke jeder Abteilung am Tag und in der Nacht oder die Verteilung der Fahrzeuge unter die Lupe. Fischer, der externe Dienstleister, prüft auch, ob die Einsatzkräfte nach einer Alarmierung in der vorgeschriebenen Zeit vor Ort sein können. Und er schaut sich auch die Standorte der Feuerwehr an. Das sei aber nur ein Punkt von vielen.
Im vergangenen Dezember hat der Gemeinderat diese Studie in Auftrag gegeben. Im Frühsommer informierte Rentschler die Abteilungskommandanten, wie ein solcher Plan entsteht und was auf die Feuerwehr zukommen könnte. Die Initiatoren der Unterschriftenaktion seien nicht dabei gewesen, erzählt jemand, der es wissen muss. „Danach bin ich x-mal angerufen worden und die Leute dachten, es ginge um den Erhalt der Abteilung Calmbach. Aber dafür gibt es keinen Grund zur Sorge“, sagt der Gesamtkommandant. Der Feuerwehrbedarfsplan entstehe aktuell und solle erst Ende des Jahres fertig sein. Dann könnten mehrere Optionen auf dem Tisch liegen. Zum Beispiel, ob der Feuerwehrstandort in Calmbach renoviert oder gar neu gebaut wird? Die Sanitäranlagen dort seien in die Jahre gekommen, so Rentschler. Zudem sei das Gebäude mitten im Ort in einer 30er-Zone, mit einer Kita und Schule in der Nähe, stelle der Bedarfsplan fest. Oder werden die Abteilungen Calmbach und Wildbad in der Wache im Hauptort zusammengelegt? Die sei vor einigen Jahren so gebaut worden, dass sie problemlos erweitert werden kann.
„Damals wurde schon über eine Zusammenlegung diskutiert“, so Rentschler, der seine Stelle in Bad Wildbad 2024 angetreten hat.
Der Gemeinderat entscheide am Ende – nicht er. Solche Debatten gebe es seit den 1980er-Jahren, sagt Calmbachs Abteilungskommandant Gerhard Wurster. Doch aktuell sei dies überhaupt kein Thema innerhalb seiner Wehr. Er sehe den Ergebnissen des neuen Bedarfsplans gelassen entgegen. Von der Unterschriftensammlung habe er durch Zufall erfahren, weil in einem Gasthof eine Liste ausgelegen habe. „Ich finde es grenzwertig mit dem Leid anderer Leute Politik zu machen“, sagt Rentschler zu Schwabenlands Behauptung, drei Menschen wären ohne den Standort Calmbach nicht mehr am Leben. Bei einem Fall habe er sich das Einsatzprotokoll angeschaut: „Die Abteilung hat eine Frau gerettet. Die Wildbader Kollegen waren eine Minute später vor Ort.“ Die Zusammenarbeit funktioniere reibungslos.
Das sagt der Bürgermeister: „Als Dienstherr stehe ich 112 Prozent hinter dem Standpunkt der Feuerwehr“, antwortet Gauger (Archivfoto: Stadt). Beim Bedarfsplan gehe es grundsätzlich darum, die Leistungsfähigkeit systematisch abzusichern, gesetzliche Vorgaben zu erfüllen und Investitionen in Ausrüstung, Personal und Gebäude langfristig zu planen. „Welche Maßnahmen aus den erhobenen Daten resultieren werden, wird dann diskutiert und entschieden, wenn der Bedarfsplan fertiggestellt ist. Aufgrund dieser Sachlage erübrigt sich ein Kommentar zu dieser Unterschriftenaktion.“ Bürger, die zur Unterschrift aufgefordert worden seien, würden das als unangenehm und irreführend empfinden.
