Bad Wildbad
Bad Wildbad -  09.06.2022
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Ein Glücksfall für Heimatkundler: Historische Sammlung von Hans Dieter Metzger wird digitalisiert

Höfen/Bad Wildbad. Hans Dieter Metzger ist 91 Jahre alt und lebt geistig ungemein frisch in Stuttgart. Rasch wird im Gespräch deutlich, dass er nicht nur an der Historie interessiert ist, sondern die Dokumente aus seiner großen Sammlung und sein weit zurückreichendes Wissen auch späteren Generationen erhalten möchte. Ein Glücksfall ist dies für das Obere Enztal, wo er in Höfen aufwuchs und bis 1949 lebte. Schon Vater Hans Otto Metzger (1901-1968) sammelte Unterlagen, hatte Interesse an der Geschichte.

Alfred Kiefer (rechts) und Hans Dieter Metzger sichten in Stuttgart historisch interessante Bilder und Dokumente, die digitalisiert werden sollen. Foto: Schabert
Alfred Kiefer (rechts) und Hans Dieter Metzger sichten in Stuttgart historisch interessante Bilder und Dokumente, die digitalisiert werden sollen. Foto: Schabert

Bewegte Familiengeschichte

In mehreren Büchern hatte der Sohn Fakten zusammengefasst und alles samt der Archivalien und vielen Bildern sorgfältig geordnet. Darunter ist auch ein Telegramm von Hindenburg, der den Eltern – die Mutter Ruth ist eine geborene Fleck (1906–1976) – zur Heirat gratulierte. Wen wundert es da, dass der eine Großvater des 91-Jährigen der Apotheker Metzger in Wildbad war, der andere General Wolfgang Fleck (1879–1939). Dessen Bestattung war 1939 in Höfen ein regelrechter Staatsakt. Es wurde Salut geschossen und die Grabrede hielt General Hermann Geyer (1882–1946), der nach dem Krieg bis zu seinem Freitod als Höfens Bürgermeister wirkte.

Im Namen des Kreisgeschichtsvereins Calw (KGV) hatte Alfred Kiefer aus Calmbach angeboten, das Material, das Hans Dieter Metzger in Stuttgart verwahrt, zu sichten und zu digitalisieren. Damit setzt sich die Vervollständigung des Höfener Archivs, die auch den Nachlass des verstorbenen Heimatkundlers Kurt Neuweiler umfasst, im Höfener Rathaus fort (die PZ berichtete).

Bereitwillig überließ Metzger die Dokumente und Bilder, die in Kiefers Auto ordentlich Platz beanspruchten. Er wird damit in den nächsten Monaten mächtig Arbeit haben, die er ehrenamtlich verrichtet.

Bei der Unterhaltung zwischen Metzger und Kiefer wird deutlich: So manch historisches Ereignis hat der gut ein Jahrzehnt ältere Metzger noch persönlich miterlebt.

Die Vorfahren

„Aus meiner Sicht. Lebensgeschichten“ ist der Titel von einem der dicken Bücher, das Metzger über das Wirken seines Vaters in kleiner Auflage herausgebracht hat. Darin geht es um Persönlichkeiten, Handwerker und Lebensmittelgeschäfte aus Höfen, die Schmuckwarenfabrik Schaich, die Firma Krauth oder auch das ehemals riesige Sägewerk im Enztal. Die umfangreichen Unterlagen von Ur-Ur-Großvater Ferdinand von Steinbeis (1807–1893) hat bereits das Staatsarchiv Ludwigsburg in Verwahrung genommen.

Im Buch „Hoffnung – Krieg – Not“ schreibt der 2021 verstorbene Fritz Barth nach dem Bericht einer Zeitzeugin über Metzgers Vater: „Wochenlang beschafften Hermann Geyer und Hans Otto Metzger in den umliegenden bäuerlichen Orten Nahrungsmittel, um die Höfener vor dem Verhungern zu bewahren. Zum Transport diente unter anderem auch ein Lastwagen der Firma Krauth.“

Von Bayern nach Schweden

Letzteres ist kein Zufall, denn dort war Vater Metzger in leitender Stellung tätig. Auch Sohn Hans Dieter Metzger machte dort eine kaufmännische Ausbildung und ging nach Tätigkeiten in Tübingen und Köln dann seinen eigenen Weg, von Bayern bis nach Schweden.

In Stuttgart stieg der Betriebswirt bei der 1814 gegründeten, ins Landeswohlfahrtswerk überführten Landesstiftung ein. Dort war er Chef für Wirtschaft und Finanzen. Bei Krauth wirkte als Nachfolger des Vaters der Bruder Konrad Metzger.

Autor: Hans Schabert