Bad Wildbad
Bad Wildbad -  07.02.2021
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Sie gehören zu den besten Teams der Welt: Auch ohne Schnee trainiert Calmbacher seine Schlittenhunden

Bad Wildbad-Calmbach. Was hätte das für eine Saison werden können für den amtierenden Deutschen Meister im Schlittenhunderennen Philipp Bott aus Calmbach: Seit Jahren liegt wieder massig Schnee auf den Höhenzügen rund um Bad Wildbad. Sein Hunde-Team ist so stark wie schon lange nicht mehr. In ganz Europa waren Wettkämpfe terminiert und hätten bei der guten Schneelage überall auch stattfinden können. Doch dann kam der erneute Lockdown und nichts ging mehr.

Der amtierende Deutsche Meister Philipp Bott und seine Hunde wären um diese Zeit eigentlich bei Wettbewerben in ganz Europa unterwegs. Foto: RKL-Foto/Archiv
Der amtierende Deutsche Meister Philipp Bott und seine Hunde wären um diese Zeit eigentlich bei Wettbewerben in ganz Europa unterwegs. Foto: RKL-Foto/Archiv

Bott ist frustriert. Gerade kommt er aus der Tierklinik. Sein Rüde Don hat einen Abszess am Bein. „Die Kosten für die Tierklinik verschlingen einen ganzen Monatslohn“, erzählt er. Dabei ist sein Hobby auch ohne hohe Tierarztkosten ein Drauflegegeschäft. Daran ändert es auch nichts, dass der 32-Jährige seit Jahren an der Weltspitze mitfährt. In Deutschland haben Musher, wie die Schlittenhundeführer genannt werden, nicht den Stellenwert wie in anderen Ländern und finanzieren sich meistens selbst.

Botts Leben gehört seinen Huskys. Der sportliche Calmbacher, der bei der Bad Wildbader Kurgärtnerei arbeitet, würde alles für seine Hunde tun. Darum ist er auch nicht wegen der Tierarztkosten frustriert. Dass er seine vierbeinigen Hochleistungssportler in diesem Jahr nicht ins Rennen schicken kann, ärgert ihn. Schließlich sind die Tiere auf den Punkt trainiert. Vor allem Arlo, der Star im Team, hätte in dieser Saison ganz groß rauskommen können. „Arlo ist wahrscheinlich der stärkste Hund, den ich je hatte“, so Bott.

Durch die Corona-Pandemie ist auch der Schlittenhundesport europaweit lahmgelegt. Und so bleibt Bott nur der Nordschwarzwald, um ein paar Trainingsfahrten zu machen. Wenigstens liegt rund um Bad Wildbad genug Schnee. Es ist schon einige Jahre her, dass der Musher in seiner Heimat auf Schnee trainieren konnte. Echte Wettbewerbsbedingungen herrschen dabei natürlich nicht und so können die jüngeren Tiere im Team keine Erfahrungen mit jubelnden Zuschauern oder lauter Musik machen.

„Das wirft uns in der Hundeausbildung ein Jahr zurück“, so Bott.

Bis der zweite Lockdown kam, hat der Calmbacher gehofft und hart trainiert. Schließlich will der Viertplatzierte der Weltmeisterschaft, die im bayerischen Haidmühle stattfand, auch weiterhin an der Spitze mitfahren. Nun versucht er, sich und seine Hunde so gut wie möglich bei Laune zu halten. Der Schlittenhundeverband bietet für die deutschen Kadersportler beispielsweise ein Trainingslager in Haidmühle an. Eventuell packt er seine Hunde in sein umgerüstetes Wohnmobil, wo jedes Tier seine eigene Box hat, und fährt mit ihnen in den bayerischen Wald. Auch in Schweden steht eine Trainingsmöglichkeit zur Verfügung. „Da habe ich aber Bedenken“, sagt er nachdenklich. Schließlich müsse es nicht sein, in Zeiten von Corona quer durch Europa zu fahren.

Er hofft, dass in den nächsten Tagen wieder Schnee fällt, dann saust er mit seinem Hundeschlitten eben über die Nordschwarzwald-Berge. Immerhin hat die Situation einen kleinen positiven Nebeneffekt: „Ich kann auch mal länger liegenbleiben morgens“, schmunzelt Bott, der in der Rennsaison meistens schon im Morgengrauen auf dem Schlitten steht.

Und Hund Arlo hat in diesem Winter auch mehr Zeit als sonst. Darum darf er eine ganz besondere Aufgabe erledigen: Einer Hundedame seine erfolgreichen Gene weitergeben.

Autor: nic