So hat sich Bad Wildbads Bürgermeister in den ersten vier Jahren seiner Amtszeit geschlagen
Bad Wildbad. Besonnen, meist ruhig und und auf Ausgleich bedacht: So lässt sich die Sitzungsführung von Bad Wildbads Bürgermeister Marco Gauger im Gemeinderat zusammenfassen. Gauger ist keiner, der auf den Tisch haut. Keiner, der Erfolge hinausposaunt. Er gilt als friedfertig und kompromissbereit. Dabei ist es gar nicht so einfach, einen 21-köpfigen Gemeinderat in Zeiten wie diesen bei Laune zu halten. Viele neue Gesichter prägen das Gremium, zahlreiche Routiniers haben in den vergangenen vier Jahren Abschied genommen. Drei Fraktionen und zwei Vertreter der AfD sitzen am Ratstisch. Wie bewerten die Fraktionsvorsitzenden die erste Halbzeit ihres Bürgermeisters?
Für Jürgen Schrumpf, Fraktionsvorsitzender der SPD fällt die Halbzeitbilanz des Bürgermeisters eher gemischt aus.
„Ich vermisse es, dass Entscheidungen im Gemeinderat gefällt werden“, sagt er.
Themen, die für die Stadt von absoluter Relevanz seien, würden nicht angegangen. Als Beispiel nennt er wichtige Infrastrukturmaßnahmen. Wenn die Stadt zukunftsfähig bleiben wolle, müsse sie auch unpopuläre Themen angehen, wie etwa längst überfällige Erschließungen. Da wünscht er sich von Gauger mehr Mut. Als Beispiel nennt er die Reichertsklinge, die nach 30 Jahren Fertigstellung immer noch nicht vollständig abgerechnet sei. Aber auch wichtige Verbesserungen in der Infrastruktur seien ausgeblieben. Noch immer sei der Gehweg in der Paulinenstraße marode, die Olgastraße sei nur notdürftig geflickt und auch die König-Karl-Straße sei uneben. „Mein Eindruck ist, man wagt sich nicht an unbequeme Sachthemen“, so Schrumpf. Eines davon sei auch die Zukunft der Feuerwehren.
„Die Frage ist, wann kommt die Zusammenlegung der Abteilungen Wildbad und Calmbach. Dass diese Fusion kommen muss, ist sicher“, so der langjährige Stadtrat. Er geht davon aus, dass bald die Zeit kommt, in der es nicht mehr genug Feuerwehrleute geben wird. Kritik übt Schrumpf auch an der Verwaltungsarbeit. Er habe das Gefühl, dass innerhalb der Verwaltung verschiedene Ziele verfolgt würden. Doch Schrumpf bewertet die Zwischenbilanz nicht nur negativ. „Als Mensch schätze ich Herrn Gauger sehr. Er ist sehr freundlich und intelligent.“ Der Bürgermeister habe ein gutes Verhältnis zu seinen Mitarbeitern und die Leute im Rathaus seien mit ihrem Chef sehr zufrieden. Außerdem habe er sich zu 100 Prozent hinter den Erhalt des Calmbacher Waldfreibads gestellt.
Uwe Göbel, Fraktionsvorsitzender der CDU betont: „Die Eingewöhnungszeit haben wir gut bewerkstelligt. Marco Gauger hat sich in den letzten vier Jahren viel angeeignet.“ Er komme zwar aus der Verwaltung und kenne sich durch seine vorherige Arbeit gut mit den Aufgaben eines Rathauschefs aus. Es sei jedoch eine andere Sache, selbst auf dem Chefsessel zu sitzen. In Bad Wildbad beweise Gauger inzwischen auch eine stringentere Sitzungsleitung. Als Beispiel nennt Göbel die Einwohnerfragestunde als Auftakt der Gemeinderatssitzungen. „Eine Einwohnerfragestunde ist nun mal keine Statementstunde“, so Göbel. Dies habe Gauger deutlich gemacht. Eines der Leuchtturmprojekte Gaugers in der zurückliegenden Amtszeit sei eindeutig die Rettung des Calmbacher Freibads gewesen. Und welche Projekte erwartet Göbel für die zweite Halbzeit?
„Wir müssen schauen, was bei den wenigen finanziellen Mitteln überhaupt umgesetzt werden kann. Schließlich müssen auch zahlreiche Pflichtaufgaben erfüllt werden“, so Göbel.
Die Fraktionsvorsitzende der Freien Wählervereinigung (FVW), Rita Locher, will sich zur Arbeit Gaugers zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern. Als Begründung nennt sie einen anstehenden Termin zwischen der FWV und dem Rathauschef, bei dem im persönlichen Gespräch eine Zwischenbilanz gezogen werden soll. Man wolle dabei positiv auf die ersten Jahre zurückblicken, in denen Gauger bereits wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Kommune gesetzt und Engagement für anstehende Projekte gezeigt habe.
„In unserem Gespräch werden wir sowohl diese positiven Ansätze würdigen als auch Punkte, die wir kritisch sehen, konstruktiv erörtern“, so Locher.
Drei Fragen an Bad Wildbads Bürgermeister Marco Gauger:
Worauf sind Sie in der ersten Hälfte Ihrer Amtszeit besonders stolz – und was würden Sie im Nachhinein anders machen?
Mit dem Start in die Sanierung des Waldfreibads ist gemeinsam mit dem Gemeinderat ein mutiger und sehr wichtiger Schritt gelungen. Ich bin überzeugt, dass gerade in Krisenzeiten auch Investitionen für die Bevölkerung und kommende Generationen möglich sein müssen. Ein weiteres Herzensprojekt von mir ist das neue Feuerwehrgerätehaus in Aichelberg. Auf die Einweihung habe ich richtig hingefiebert. Auch innerhalb der Verwaltung wurde in den letzten Jahren einiges verändert, wie zum Beispiel der Weg zur Eigenbeförsterung des Stadtwalds, die seit 1. Januar 2025 sehr gut funktioniert. Wichtig war mir auch, als Nachfolger für Tido Lüdtke, einen hauptamtlichen Feuerwehrkommandanten einzusetzen. Mit Michael Rentschler haben wir den Richtigen dafür gefunden. Was ich im Nachhinein anders machen würde? Nicht zu vieles auf einmal angehen und manche Dinge anders priorisieren.
Welches sind aktuell die wichtigsten Aufgaben für Bad Wildbad und wie wollen Sie diese bis zum Ende Ihrer Amtszeit voranbringen?
Es stehen noch viele große Aufgaben an – zum Beispiel mit dem Projekt Försterberg. Die eingestürzten und maroden Gebäude konnten zum Glück schon komplett abgeräumt werden, ein weiterer Altbestand auf dem Areal muss noch entfernt werden, bevor wir in die weitere Projektierung und Vermarktung einsteigen können. Außerdem muss noch viel Bewegung in das Sanierungsgebiet Calmbach III gebracht werden. Beginnen möchten wir mit der Verlegung der Bushaltestellen, um den Schülerverkehr sicherer zu machen.
Was treibt Sie persönlich an, dieses Amt auszuüben und was gibt Ihnen Rückenwind für die zweite Hälfte Ihrer Amtszeit?
Bürgermeister zu sein, bedeutet Tag für Tag neue Herausforderungen zu meistern und viele verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Die positiven (sowie auch die negativen) Auswirkungen und Rückmeldungen folgen meist unmittelbar. Das macht einen großen Reiz aus. Außerdem wohne ich seit vier Jahren in Wildbad und fühle mich hier sehr wohl. Es ist einfach schön, wenn man in der Freizeit zum Beispiel direkt von der Haustür auf den Wildbader Kopf wandern kann.
Das sagen die Bürger:
Rainer Weiss, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Sprollenhaus:
„Herr Gauger zeigt sich immer wieder interessiert, wenn es um Belange der Sprollenhäuser Bürger geht. Er hat sogar die Idee eines Spielplatzes in Sprollenhaus unterstützt, wurde aber leider vom Gemeinderat ausgebremst. Ich möchte es mal so sagen, wenn wir ein marodes Freibad hätten, wären wir nicht der vergessene Stadtteil, sondern hätten das vollständige Interesse von Bürgermeister und Gemeinderat.“
Marcus Eisele, Vorsitzender der Skizunft Wildbad:
„Alles, was wir bis dato zu besprechen hatten, wurde sachlich und in guten, persönlichen Gesprächen gelöst. Wir freuen uns natürlich darüber, dass unser Bürgermeister ein begeisterter Skifahrer ist, sehr naturverbunden ist und auch gerne mal im Stadtwald unterwegs ist. Auch mit allen anderen Kollegen des Rathauses kommt die Skizunft Wildbad gut aus, da wir gemeinsam am Wohle der Stadt arbeiten. Wir hoffen, dass unsere Zusammenarbeit weiter so gut funktioniert.“
Sabrina Theurer-Bott, Vorsitzende des Vereins Pusteblume:
„Wenn ich mit Bürgermeister Gauger über Kinder und Jugendliche spreche, erlebe ich ihn als sehr aufmerksamen und ernsthaft interessierten Zuhörer. Bei unserem Zirkusprojekt im vergangenen Jahr hat er uns sofort Unterstützung zugesagt, was ich als starkes Signal für die Wertschätzung des Ehrenamts wahrgenommen habe.“
Wolfgang Richter, Dehoga-Vorsitzender:
„Herr Gauger ist sehr bemüht, engagiert und unseren Anliegen gegenüber aufgeschlossen. Er ist aber auch ein Getriebener, was das Thema Calmbacher Waldfreibad betrifft. Die Sanierung verschlingt viel Geld, was an anderer Stelle fehlt. Wir können keine höhere Kurtaxe oder Fremdenverkehrsabgabe gebrauchen. Uns ist wichtig, dass wir nicht generell gegen ein Freibad sind, uns bereiten allerdings die hohen Kosten Magenschmerzen.“
Manfred Rapp, Vorsitzender Schwarzwaldverein Calmbach:
„Ich habe mit Herrn Bürgermeister Gauger einen sehr guten Kontakt. Wir sind auch schon gemeinsam zusammen mit Herrn Ministerpräsident Kretschmann ein Stück der „Grünen Unendlichkeit“ gewandert. Herr Gauger ist jederzeit offen für Gespräche und Anregungen. Ich wünsche unserem Bürgermeister eine erfolgreiche zweite Halbzeit und hoffe, dass er in Zeiten knapper Finanzen die Zukunft von Bad Wildbad und Calmbach voranbringt.“
