Bad Wildbad
Bad Wildbad -  18.11.2021
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Umzäunung bei ehemaliger Villa Blumenthal in Bad Wildbad nur kurz abgebaut

Bad Wildbad. So mancher Passant denkt sich: "Aha, da geht was!" Denn der Bauzaun bei der ehemaligen Villa Blumenthal alias Hotel am Kurgarten in Bad Wildbad und um das Gelände mit mehreren desolaten Bauten bis hinauf zur Olgastraße und auch entlang der Straße ist verschwunden.

Der Bauzaun an den Gebäuden neben der katholischen Kirche ist verschwunden. Das Areal soll aber aus Sicherheitsgründen wieder eingefriedet werden. Schabert
Der Bauzaun an den Gebäuden neben der katholischen Kirche ist verschwunden. Das Areal soll aber aus Sicherheitsgründen wieder eingefriedet werden. Schabert

Wie aber vom derzeitigen Rathauschef, dem Ersten Bürgermeister-Stellvertreter Jochen Borg zu erfahren ist, laufen am Försterberg keine Sanierungs- oder Abbrucharbeiten an, sondern die Stadt will aus Sicherheitsgründen alles wieder einfrieden. "Der zur Absicherung angebrachte Bauzaun war privat und wurde wohl vom Eigentümer abgebaut", erklärt Borg.

Die Planungen der Stadt für das auch "Renner-Areal" genannte Gebiet seien noch nicht abgeschlossen. Aber so viel könne er verraten: Behalten werde man wohl das ehemalige Forsthaus auf dem Försterberg, so Borg.

Plan von Seniorenanlage mit Eigentumswohnungen

Im Jahr 1839 errichtet, ist es gleichermaßen als Schmuckstück wie als Zeuge der historischen Vergangenheit Wildbads anzusehen. Vielleicht könne es einmal für städtische Zwecke, etwa für einen Kindergarten, nutzbar gemacht werden, sagt Borg. Wie es mit den anderen Gebäuden weitergeht, müsse die Zukunft weisen.

Geplant war an der Stelle neben der katholischen Kirche direkt über dem Kurpark an der ehemaligen Kernerstraße – die dort heute Blumenthalpromenade heißt – das lange mit großen Bannern angekündigte 50-Millionen-Projekt "KurAtrium", aus dem Nichts geworden ist.

Eine Seniorenanlage mit Eigentumswohnungen und Stadtvillen wollte auf der Fläche von 1,1 Hektar ein Investor aus Renningen entstehen lassen. Ins Jahr 2007 gingen die ersten Planungen zurück. Hoffnung, dass doch noch etwas daraus werden könnte, keimte 2016 auf. Damals verkündete der Besitzer in einer Pressekonferenz, dass er auch das benachbarte Gelände auf dem Försterberg erworben habe. Jetzt wolle er 2017 mit dem Bau starten.

Brände und Vandalismus setzen Bauten zu

Aber weder 2017 noch in der Zeit danach geschah etwas. Brände und Vandalismus setzten mehreren Bauten ziemlich zu. Die Stadt Bad Wildbad wollte nicht länger zuschauen. Einer angesetzten Zwangsversteigerung zuvorkommend, konnte sie dieses für eine innerstädtische Bebauung als Filetstück anzusehende Areal vor rund einem Jahr für 1,6 Millionen Euro erwerben. Der Stadtrat war sich einig, dass es gut ist, in der Hand zu haben, was aus dem Gebiet wird.

Unter Denkmalschutz steht das Haus gleich neben der Kirche. Das "Hotel Villa Blumenthal" sei das einzige noch erhaltene Gebäude aus der Zeit des Baus der Kernerstraße und habe "dokumentarische Bedeutung für die Ortsbaugeschichte und die Werkgeschichte des Architekten Hammer", stellte 1995 das Landesdenkmalamt fest. Seither steht das Objekt in der Liste der Kulturdenkmale.

Doch der seit Jahren ungenutzte Bau leidet unter dem Leerstand. Über dem Balkon ist von der Blumenthalpromenade aus unter den Initialen des Erbauers, "EB" für Ernst Blutmenthal, das Baujahr 1872 zu lesen. Ernst Heinrich Blumenthal eröffnete 1872 das Haus mit angebautem Fotoatelier, neben dem fünf Jahre später die katholische Kirche eingeweiht wurde. Er war königlicher Hoffotograf und allein seine Bilder vom europäischen Hochadel im 19. Jahrhundert gelten als wertvolle Dokumente.

Autor: Hans Schabert