Calw -  11.05.2021
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„Manchmal war ich Tochter oder Enkelin“: Interview mit der Leiterin der Covid-Station in Calw

Calw. An diesem Mittwoch ist der internationale Tag der Pflege. Er erinnert an den Geburtstag der britischen Krankenpflegerin und Pionierin der modernen Krankenpflege, Florence Nightingale. Im Interview spricht Jennifer Mauch, die an den Kliniken Calw die Bereichsleitung in der Kardiologie und der Covid-Station innehat, wie sie die Pandemie bisher erlebt hat und warum sie ihren Beruf trotz extremer Belastung und Situationen weiter gerne ausübt. PZ: In den letzten 15 Monaten wurden allein im Klinikverbund Südwest über 3600 Covid-Patienten stationär behandelt. Wie haben Sie das erlebt?

„In der Schutzkleidung schwitzt man ziemlich stark. Auch die psychische Belastung ist höher“, sagt Pflegefachkraft Jennifer Mauch. Foto: Klinikverbund Südwest
„In der Schutzkleidung schwitzt man ziemlich stark. Auch die psychische Belastung ist höher“, sagt Pflegefachkraft Jennifer Mauch. Foto: Klinikverbund Südwest

Jennifer Mauch: Es war schon ein bisschen beängstigend, wir wussten ja nicht, was da auf uns zukommen würde. Ziemlich bald waren wir durchgängig voll belegt. Die Struktur der Station wurde komplett geändert. Es wurden neue Standards eingeführt, neue Überwachungsbögen, die Patientenbeobachtung wurde intensiver, weil sich der Zustand eines Covid-Patienten sehr schnell ändern kann. Körperlich ist die Arbeit auf der Covid-Station anstrengender: In der Schutzkleidung schwitzt man ziemlich stark. Auch die psychische Belastung ist höher, denn die Patienten sind alleine, es kommt kein Besuch. Ich habe mich manchmal nicht als Pflegekraft gefühlt, sondern als Tochter oder Enkelin. Auch für sterbende Covid-Patienten war man die einzige Bezugsperson. Was haben Sie im vergangenen Jahr am meisten vermisst? Wie hat sich Ihr Leben durch die Pandemie verändert? Ich bewege mich nur noch zwischen Arbeit und Zuhause. Die Kontakte sind auf ein Minimum eingeschränkt. Ich verstehe die Leute, die nach einem Jahr sagen, sie können nicht mehr. Aber wenn ich dann die Covid-Patienten sehe, denen es wirklich schlecht geht, denke ich: Jetzt reißt euch doch bitte noch ein oder zwei Monate zusammen! Auch ich habe manchmal gedacht, ich kann nicht mehr. Aber jetzt, wo die Impfungen an Fahrt aufnehmen, hoffe ich, dass wir uns langsam der Ziellinie annähern. Mehr über die Erfahrungen von Jennifer Mauch auf der Covid-Station lesen Sie am Mittwoch, 12. Mai, in der „Pforzheimer Zeitung - Ausgabe Nordschwarzwald“ oder im E-Paper auf PZ-news.

Autor: pm