Neue Kliniken eröffnet: Ein historischer Moment für den Kreis Calw
Calw. Genau 113 Jahre mussten die Menschen in Calw und im Umland darauf warten: Seit Mittwoch gibt es offiziell ein neues Kreiskrankenhaus mit mehreren Kliniken oberhalb der Stadt im Stammheimer Feld.
„Das ist ein historischer Moment — ein Jahrhundert-Projekt. Ich bin unheimlich stolz, dass wir das geschafft haben“, sagte der sichtlich bewegte Landrat Helmut Riegger (CDU) am Mittwochnachmittag bei der Einweihungsfeier.
Die Stühle im Foyer des Krankenhauses reichten bei weitem nicht für die rund 200 anwesenden Gäste und Mitarbeitenden aus. Der baden-württembergische Sozial- und Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) teilte diese Begeisterung: „Die Botschaft ist: Sie haben am richtigen Ort das richtige Angebot.“ Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) übermittelte per Video-Botschaft ebenfalls höchstes Lob: „Sie haben die medizinische Versorgung auf höchstem Niveau sichergestellt.“ Während der über zweistündigen Veranstaltung wurden noch zahlreiche weitere Videos an die Wand geworfen von Politikern, Personal und Anliegern. Als besonderes Merkmal des Gesundheitscampus’ nannte der Landrat „die sektorenübergreifende Zusammenarbeit mit der neuen Konzeption: Vernetzung der Fachärzte untereinander.“
Das Krankenhaus sei ein Versprechen an in die Menschen in der Region, „dass wir die Gesundheitsversorgung auf höchstem Niveau erhalten werden.“ Für den Landrat ist es bemerkenswert, dass keine neuen Kliniken mehr genehmigt würden, jedoch dieser Campus noch entstanden sei. Riegger würdigte das künftig nicht mehr im Stuttgarter Landeskabinett vertretene Regierungsmitglied: „Wir brauchen starke Partner. Das sind das Sozialministerium und das sind Sie und bist Du, Herr Minister Lucha, lieber Manne.“ Zu den 125 Millionen Euro Kosten habe das Land 42,5 Millionen Euro beigesteuert. Diesen Ball griff Lucha auf: „Für uns ist es wichtig, dass wir ein Ideen-Partner waren.“ Und: „Sie setzen auf Multi-Professionalität und Zusammenarbeit.“ Die Krankenhaus-Politik des Landes gehe von einer 85-prozentigen Auslastung der Betten aus. Für den Minister steht fest: „Sie sind ein Leuchtturm in Baden-Württemberg.“ In zwei Talk-Runden kamen Experten zu Wort. Alexander Schmidtke, Geschäftsführer des Klinikverbunds Südwest, zu dem der Calwer Campus gehört, hob die „extrem kompakten Gebäude“ hervor, die sich „sehr funktional mit kurzen Wegen“ präsentierten.
Der Umzug erfolge am 18. April innerhalb nur eines Tages. Der Ärztliche Direktor der Kliniken Calw, Professor Dr. Martin Oberhoff, wies darauf hin, dass jeder Raum detailliert durchdacht worden sei. Er bediente sich sogar eines Superlativs: „Wahrscheinlich haben wir in Deutschland das für eine mögliche Pandemie bestaufgestellte Krankenhaus.“ Weil während der Corona-Pandemie mehrfach umgeplant werden musste, machte der Gewinner des Architektenwettbewerbs, Professor Dr. Werner Vogt aus Leipzig, deutlich: „Man muss variabel planen. Die Wege muss man sich zudem so denken, wie sie der Patient einschlägt.“ Dr. Susann Strötker, die im Gesundheitscampus ein Zentrum für Psychosomatische Medizin betreibt, versicherte: „Hier bekommt man sehr gut Termine.“ Nachdem der evangelische Dekan des Kirchenbezirks Calw-Nagold, Erich Hartmann, ein Segenswort gesprochen und sich für die Einrichtung eines Andachtraums bedankt hatte, gab es noch aus der Hand von Landrat Riegger Geschenke für die besonders beim Bau geforderten Beteiligten. Minister Lucha freute sich über ein Polo-Shirt in den Farben der Mitarbeitenden, das ihn als „Ehrenmitarbeiter“ ausweist.
Alle Interessierten haben die Möglichkeit, bei einem Gesundheitstag am Sonntag, 22. März, zwischen 11 Uhr und 16 Uhr die neuen Einrichtungen kennenzulernen.
Höhepunkte sind Klinikrundgänge, Medizinvorträge, ein Erlebnis- und Infobereich sowie ein Kinder- und Familienprogramm. Shuttles bringen die Besucher vom Zentralen Omnibusbahnhof in der Innenstadt zu den Kliniken.
