Nordschwarzwald -  19.03.2020
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Warum gibt es im Kreis Calw so viel mehr Corona-Fälle als im Enzkreis?

Calw. 19 Neuinfektionen musste das Landratsamt Calw am Mittwochabend melden, 15 waren es am Donnerstag. Zum selben Zeitpunkt gab es in Pforzheim und dem Enzkreis am Mittwoch insgesamt 18 Betroffene. Warum treten rund um die Hesse-Stadt im Vergleich so viel mehr Infektionen auf? Und warum unterscheiden sich die Fallzahlen der Landratsämter teils so deutlich von denen des Sozialministeriums?

Mehr Abstriche können mithilfe von mobilen Testzentren – wie hier in Schwetzingen – genommen werden. Und dann werden auch mehr Infektionen bestätigt. Foto: dpa
Mehr Abstriche können mithilfe von mobilen Testzentren – wie hier in Schwetzingen – genommen werden. Und dann werden auch mehr Infektionen bestätigt. Foto: dpa

Die täglichen Wasserstandsmeldungen zu den Corona-Fällen auf der ersten Seite der „Pforzheimer Zeitung“ lassen staunen. Im Kreis Calw gibt es rund drei- bis viermal so viele Infizierte wie im Stadtkreis Pforzheim und dem Enzkreis zusammen. Dazu kommt noch die Bevölkerungszahl: Im Kreis Calw sind mit 158.000 Bürgern ungefähr halb so viele Bürger gemeldet wie in der Goldstadt und im Enzkreis.

Der ländliche Raum als Corona-Hotspot?

Der ländlich geprägte Raum als Epizentrum des Coronavirus, die Ballungsräume weniger geplagt von der Pandemie? Beispiele dafür gibt es im Land viele: In den größeren kreisfreien Städten sind die Fallzahlen laut Sozialministerium meist deutlich niedriger als in den umliegenden Landkreisen.

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Eine Erklärung dafür hat man beim Enzkreis dafür aktuell nicht. Das Sozialministerium des Landes gibt dazu momentan folgende Einschätzung: In den Stadt- und Landkreisen werde unterschiedlich intensiv getestet. Wo besonders fleißig auf das Virus geprüft wird, kämen auch mehr positive Fälle ans Tageslicht, sagt Markus Jox, Sprecher des Sozialministeriums. Vor den Drive-In-Testzentren im Landkreis Esslingen bildeten sich etwa lange Schlangen. Dort sind landesweit mit die meisten Corona-Infizierten zu verzeichnen.

Kreis Calw schneller bei Eröffnung des ersten Testzentrums

Tatsächlich öffnete der Kreis Calw sein provisorisches Testzentrum in Neubulach einen Tag früher als Pforzheim und der Enzkreis eine vergleichbare Anlaufstelle – und verzeichnete auch prompt einen Tag früher den ersten Infizierten.

Seit Donnerstag hat in Calw ebenfalls ein Drive-In-Testzentrum den Betrieb aufgenommen. In Neubulach seien zuletzt bei 100 Personen am Tag Abstriche genommen worden, so Anja Härtel, Sprecherin des Landratsamts. „Für weiter wachsende Fall- und Testzahlen ist die bisherige Testeinrichtung nicht ausgelegt.“ Daher habe man sich in enger Abstimmung mit dem DRK, der Kreisärzteschaft Calw und dem Klinikverbund Südwest auf das neue Angebot geeinigt. Dort könnten – ebenfalls nur nach Absprache mit dem Hausarzt oder dem Landratsamt – täglich deutlich mehr Abstriche genommen werden. Folgt man der Einschätzung des Sozialministeriums, werden die Fallzahlen im Kreis Calw gegenüber denen in Pforzheim und im Enzkreis also weiter auseinanderdriften.

Sozialministerium weit hinten in der Meldekette

Und wie kommen die teils unterschiedlichen Angaben von Sozialministerium und Landratsämtern zur Anzahl der Infizierten zustande? Das liegt laut Pressesprecher Jox an der vorgeschriebenen Meldekette im Informationsschutzgesetz. Ein positiver Test wird demnach zuerst dem örtlichen Landratsamt mitgeteilt. Dort würden dann zuerst die Behandlungsmethoden des Infizierten abgeklärt und die Kontaktpersonen ausgemacht. Dem Landesgesundheitsamt müsse der Fall dagegen erst binnen 48 Stunden mitgeteilt werden, so Jox weiter. Und von dieser Behörde bezieht eben auch das Sozialministerium seine Daten.

„Die Landratsämter haben die aktuellen Zahlen“, sagt Jox. Stuttgart steht in der Meldekette – anders als noch zu Anfang der Virusausbreitung – weit hinten. „Das ist unbefriedigend“, so der Sprecher des Ministeriums weiter. „Aber keine Zahlen zu veröffentlichen ist auch keine Alternative.“ Denn dann bleibe die Transparenz auf der Strecke.

Das sind die Zahlen der Coronafälle vom Donnerstag, 19. März. 92 Fälle sind es jetzt insgesamt im Kreis Calw, 30 Fälle sind es im Bereich des Gesundheitsamtes Enzkreis/Pforzheim.

Autor: kri